Hat die NBA einen Wettskandal?: Maus aus dem Tigerkäfig
Wettmanipulation von Basketballspielen ist auch für die NBA ein Problem. Die jüngsten Enthüllungen scheinen jedoch politisch motiviert zu sein.
F BI-Direktor Kash Patel gefiel sich offensichtlich in seiner Rolle, als er in der vergangenen Woche in einer Einsatzjacke seiner Behörde vor die Mikrofone trat und der Presse einen vermeintlich bahnbrechenden Fahndungserfolg verkündete: „Ich werde nicht um den heißen Brei herum reden. Das hier ist der Insider-Trading-Skandal der NBA.“
Das sollte so klingen, als habe Patel, der bis heute Trumps Behauptungen einer gestohlenen Wahl im Jahr 2020 unterstützt, die Profi-Basketball-Liga als ein zutiefst kriminelles Milieu entlarvt. Es war von einer Sportwetten- und Geldwäscheverschwörung die Rede. Verdiente NBA-Persönlichkeiten wie der einstige All-Star und heutige Trainer Chauncey Billups wurden mit Mitgliedern der Cosa-Nostra-Familien Bonanno, Lucchese und Genovese in Verbindung gebracht. Bei genauem Hinschauen entpuppten sich die Enthüllungen Patels als massiv aufgebläht. Aus dem Tigerkäfig, den er im Pressesaal aufgestellt hatte, schlüpfte eine Maus.
Die FBI-Untersuchung von illegalen Glücksspielpraktiken hatte 30 Anklagen zur Folge. Unter diesen 30 Verdächtigen hatten jedoch gerade einmal drei etwas mit der NBA zu tun. Und nur eine Anklage hatte direkt etwas mit Spielmanipulation zu tun.
Der vermeintlich dickste Fisch war Patel mit Chauncey Billups ins Netz gegangen, der öffentlichkeitswirksam in Portland einem Richter zur Verlesung seiner Anklage vorgeführt wurde. Dem einstigen NBA-Champion wird vorgeworfen, als prominenter Mitspieler bei einem von der Mafia organisierten manipulierten Pokerspiel zahlungskräftige Opfer angelockt zu haben. Der Ertrag für die Mafia waren 7 Millionen Dollar. Bei einem geschätzten Jahresumsatz von 670 Milliarden durch illegales Glücksspiel nicht gerade ein Durchbruch für die Bekämpfung organisierter Kriminalität.
Dünne Beweislage
Die zweite Anklage richtete sich gegen Terry Rozier, den Pointguard der Miami Heat. Der Vorwurf war, dass er sich selbst im Jahr 2023 aus einem Spiel herausgenommen hatte, um die Wetten auf den Ausgang zu manipulieren. Der Vorgang wurde allerdings bereits von der Liga untersucht. Rozier konnte nachweisen, dass er eine Verletzung hatte.
Schließlich wird dem ehemaligen Spieler Damon Jones vorgeworfen bei einem Pokerspiel eine ähnliche Rolle gespielt zu haben wie Billups. Jones hat jedoch seit sieben Jahren keine Verbindungen zur Liga. Sein auffälligster Draht wäre die Freundschaft zu seinem einstigen Mannschaftskameraden LeBron James.
So verpufft der Versuch Patels, die NBA als kriminelle Vereinigung zu zeichnen. In den Blick gerät vielmehr, dass die Trump-Regierung versucht, die unliebsame Sportorganisation in Verruf zu bringen. Aus der NBA kamen immer wieder die kritischsten Stimmen des Profisports gegenüber Trump. Stars wie James, Stephen Curry oder Nationaltrainer Steve Kerr haben nie ein Blatt vor den Mund genommen. Und der Ligavorstand störte sich nicht daran.
Das bedeutet freilich nicht, dass das Sportwettengeschäft im Basketball kein Problem ist. Bei einem Sport, bei dem nur fünf Spieler pro Team auf dem Platz stehen, kann ein Einzelner leicht manipulieren. Die Versuchung ist immens, zumal das Geschäft mit „prop“-Wetten immer größer wird: Wetten auf ein bestimmtes Ereignis während einer Partie, beispielsweise die Dreipunktzahl eines bestimmten Spielers. Solche Wetten sind eine Folge der immensen Datenmenge, die die Liga über jedes Spiel zur Verfügung stellt. Bei der Sponsorenschaft großer Wettanbieter bedeutet dies zudem einen enormen Interessenkonflikt. Dieses Thema anzugehen, ist allerdings komplizierter, als sich mit ein paar Verhaftungen und einer Pressekonferenz zu inszenieren.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert