Basketball als Entertainment: Mit Dunkings die Welt verändern
Die Harlem Globetrotters gastieren in Berlin. Seit 100 Jahren tourt die Showtruppe um die Welt. 1951 schrieb sie im Olympiastadion Sportgeschichte.
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Hinter den Sicherheitskontrollen der US-Botschaft am Pariser Platz in Berlin herrscht normalerweise diplomatische Zurückhaltung. Doch am Freitag vibriert der Boden. Die Harlem Globetrotters sind zu Gast. Binnen Minuten verwandelt sich die Botschaft in einen Court.
Es ist der Auftakt des Berliner Show-Wochenendes, ein Meet & Greet mit den „Botschaftern des guten Willens“. Während Spieler und Spielerinnen Bälle auf den Fingerspitzen zwirbeln und diese im Slapstick-Rhythmus auf den Boden prellen, klatschen die Botschaftsmitarbeiter lachend im Takt. Ein Vorgeschmack auf die Show in der Max-Schmeling-Halle am nächsten Tag.
„Man braucht drei Dinge, um Teil dieses Teams zu werden“, erklärt Coach Saul „Flip“ White. „Erstens: du musst exzellent Basketball spielen können, zweitens brauchst du den Drang zu entertainen. Und drittens den Wunsch, die Welt zu verändern.“ Was sich hinter Marketing-Phrasen verbirgt, hat eine beeindruckende historische Tragweite für die Schwarze Emanzipation, nicht nur in den USA.
„Der Spiegel“ 1951 über die Harlem Globetrotters
Gegründet wurden die Harlem Globetrotters 1926 in Chicago. Da übernahm der Unternehmer Abe Saperstein das Team „Savoy Big Five“. Das offizielle weiße Basketball war den Spielern aus rassistischen Gründen verschlossen, aber Saperstein hatte die Idee, sie als Showtruppe um die Welt zu schicken. Das funktionierte gut, die Globetrotters wurden zur Weltmarke und zum Exportartikel.
Die Weltfestspiele waren schon nach drei Tagen vorbei
Vor 75 Jahren hatten die Globetrotters in Berlin Sportgeschichte geschrieben. „Das elektrisierte die Berliner“, hatte der Westberliner Tagesspiegel damals notiert. 75.000 Zuschauer waren da, lange Zeit ein Weltrekord im Basketball, und die Spieler wurden „belacht, bestaunt und mit ehrlichem Beifall belohnt“.
Es war die US-Armee, die die Globetrotters nach Westberlin lotste. Grund war, dass im August 1951 in Ostberlin die „III. Weltfestspiele der Jugend und Studenten“ stattfanden. Teilnehmer aus 104 Ländern kamen, allein aus Westdeutschland reisten 35.000 Mitglieder der FDJ an, dabei war die FDJ kurz zuvor als verfassungsfeindlich verboten worden.
So ganz klappte das Timing allerdings nicht: Die Globetrotters konnten im Rahmen ihrer Europatournee erst am 22. August in Berlin spielen, da waren die Weltfestspiele schon drei Tage vorbei. „Es ist nur zu bedauern, dass diese gelungene Veranstaltung nicht eine Woche früher stattfinden konnte“, jammerte der Tagesspiegel. „Statt einiger hundert FDJler, die gestern unter den Zuschauern waren, hätten dann viele Tausende Gelegenheit gehabt, einen Eindruck vom Sportleben in der freien Welt zu erhalten.“
Dabei war bei den Weltfestspielen erstmals eine Basketball-Auswahl der DDR öffentlich angetreten. Die sowjetischen Basketballer, die angereist waren, hatten erste Korbanlagen in Ostberlin montiert und sie nach ihrer Abreise dort hängen lassen.
Ähnlich hatten die USA im Westteil Basketball gefördert. 1951 errichtete die US Army gegenüber dem Hangar des Flughafens Tempelhof die Columbiahalle, heute Ort für Konzerte, doch bis 1997 eine der wichtigsten Basketballstätten Westberlins.
Globetrotters verkaufen keine sportliche Rivalität
Im Olympiastadion hinterließen die Globetrotters 1951 einen glänzenden Eindruck. Die „Eleganz des Spiels und die Geschmeidigkeit in der Bewegung“ begeisterte die (Ost-)Berliner Zeitung, und der (West-)Spiegel lobte: „Das alles ist eine Burleske, doch zu gleicher Zeit Korbball von höchstem wissenschaftlichem Standard.“
In der Max-Schmeling-Halle sitzen am Samstagabend rund 3.000 Zuschauer, viele Familien. Es ist einer jener Abende, an denen Kinder ausnahmsweise Cola trinken dürfen. Das Licht erlischt, das Team läuft ein, darunter auch Kapitänin Torch George. Seit 40 Jahren spielen Frauen im Team, eine konsequente Fortsetzung der Emanzipationsgeschichte.
Was folgt, ist eine perfekt choreografierte Show. Maskottchen Globi stolpert über das Feld, die Washington Generals fungieren als ewige Statisten, und ein kleiner Junge aus dem Publikum wird für einen gelungenen Korbwurf zum Helden. Am Ende gewinnen die Globetrotters durch einen Buzzerbeater mit 94:92. Beim Hinausgehen hört man in Berlin Kritik: Eine „aktivere Defense“ hätte sich einer gewünscht, ein anderer eine höhere Trefferquote bei den Trickshots erwartet. Selbst jemand vom Veranstalter gibt zu: „Einmal gesehen, reicht aus.“
Die Globetrotters verkaufen keine sportliche Rivalität, sondern ein Gefühl von Unbeschwertheit und den Erhalt eines Mythos. Kommerziell bis zur Belastungsgrenze optimiert, löst die Show dennoch das ein, was Coach Flip versprochen hat: „Wir wollen Menschen zusammenbringen und die Legende am Leben erhalten.“
Bei drei gleichzeitig reisenden Globetrotter-Teams und jährlich über 400 Auftritten bleibt diese Diplomatie in kurzen Hosen auch nach hundert Jahren eine beachtliche Mission.
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