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Bahnfahrer lieben Tunnelblick

Die Zahl der Fahrgäste in Regionalzügen zwischen Berlin und Brandenburg ist deutlich gestiegen. Grund sind laut VBB flotte Verbindungen durch den Nord-Süd-Tunnel. Unpünktlichkeit bleibt Problem

Von Roman Schmidseder

Die Bahn hat mit ihren schnelleren Verbindungen ins Umland Erfolg: Die Zahl der Fahrgäste in Regionalzügen zwischen Berlin und Brandenburg ist seit der Eröffnung des Hauptbahnhofs deutlich gestiegen. Im zweiten Halbjahr 2006 zählte der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), ein Zusammenschluss der regionalen Verkehrsunternehmen, 11 Prozent mehr Fahrgäste im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. „Es gab dort Steigerungen, wo wir investiert haben“, sagte gestern VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz. Er führt die Zuwächse auf die neue Nord-Süd-Achse in Berlin zurück, die gleichzeitig mit dem Hauptbahnhof im Mai 2006 eröffnet worden war.

Nach Zählungen des VBB nutzten zwischen Juli und Dezember im Schnitt 107.000 Menschen täglich die Regionalzüge allein in Berlin. Im Verkehrsverbund waren es 170.000, die private Konkurrenz mit einbezogen. Berechnet man die Zahlen allein auf Personen, die in Berlin ein- oder ausstiegen, beträgt die Steigerung sogar 15 Prozent.

Der Hauptgrund für die Beliebtheit der Regionalzüge liegt auch laut Joachim Trettin, Bahn-Chef für die Region Nordost, in der neuen Schnelligkeit. Denn mit der Trasse zwischen Gesundbrunnen, Hauptbahnhof und Südkreuz verkürzte sich die Fahrzeit teils beträchtlich. Brauchte man vor Mai 2006 von Fürstenberg zum Regionalbahnhof Friedrichstraße 84 Minuten, ist man nun nach genau einer Stunde am Hauptbahnhof. Von Jüterbog beträgt der Gewinn 20 Minuten. Wittenberge und Angermünde sind je eine Viertelstunde näher an der Hauptstadt.

Dazu trägt vor allem der neue Tunnel mitten durch die Stadt bei. Bis Mai 2006 mussten alle Regionalzüge die Stadtbahntrasse benutzen, nun verschwinden drei Linien unter dem Tiergarten, Potsdamer Platz und Gleisdreieck im Berliner Untergrund. Das Nord-Süd-Projekt kostete 10 Milliarden Euro, inklusive Hauptbahnhof und Tunnel.

Claudia Hämmerling, die Verkehrsexpertin der Grünen, spricht sich für weitere Investitionen aus. „Die aktuellen Passagierzahlen zeigen, dass bei attraktiven Angeboten die Nachfrage zunimmt“, sagte sie der taz. Diesem Beispiel solle auch der öffentliche Nahverkehr in Berlin folgen. Anlass ist, dass die BVG darüber nachdenkt, wenig frequentierte Teilstrecken ihres U-Bahn- und Tram-Netzes stillzulegen. Auch SPD-Verkehrssprecher Christian Gaebler spricht sich dagegen aus, denn: „Investitionen im Regionalverkehr sind, wie sich zeigt, gerechtfertigt.“

Christfried Tscherpe vom Fahrgastverband Igeb lobte die „hohe Attraktivität“ der Regionalverbindungen. Er weist aber auf ein Problem hin, das potenzielle Bahnfahrer weiter abschrecke: unpünktliche Züge. Bahnvertreter Trettin musste gestern eingestehen, dass 2006 „15 bis 20 Prozent“ der Regionalzüge unpünktlich waren. Im neuen Jahr sei die Quote wieder erheblich gesunken – mit Ausnahme der „Kyrill“-Sturm-Zeit. Derzeit kommen laut Trettin 92 bis 95 Prozent dieser Bahnen pünktlich an.

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