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Baden in der SpreeSpreebaden gegen soziale Ungerechtigkeit

Paris und Kopenhagen machen es vor: Baden im stadteigenen Fluss ist möglich. In Berlin gibt es regelmäßig Proteste gegen das Spree-Badeverbot.

Am Donnerstagnachmittag geht es auf dem Schinkelplatz gegenüber dem Humboldtforum rege zu: Schwimmringe werden aufgeblasen, Frotteehandtücher ausgepackt, Badekappen zurechtgerückt. Eigentlich ist es bis zum nächsten Freibad noch ein kleines Stück. Aber die etwa 200 Menschen, die hier nach und nach eintrudeln, wollen nicht in irgendein Becken steigen – sondern in die Spree.

Das ist eigentlich seit 101 Jahren verboten. Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt weist auf erhebliche hygienische Risiken hin, insbesondere nach stärkeren Niederschlägen, denn dann gelangen über die Mischkanalisation Krankheitserreger in den Spreekanal. Gegen das Spree-Badeverbot protestiert der Verein Fluss Bad Berlin regelmäßig und ruft zu Mitschwimmdemos auf.

Während der Vorbereitungen läuft Musik: Erst legen die Beach Boys mit ihrem Song „Surfer Girl“ los – und werden irgendwann von Patti Smiths „Pissing in the River“ unterbrochen. Passt gut zur Mischkanalisation. Tatsächlich hat es in den vergangenen 48 Stunden zu viel geregnet und die Ver­an­stal­te­r*in­nen müssen den Schwimmteil der Demo absagen. „Heute haben wir Pech gehabt, auch wenn es nicht zu einem Überlauf aus der Kanalisation gekommen ist“, sagt Jan Edler, Vorstandsvorsitzender von Fluss Bad Berlin.

Das Badeverbot ist eine Ausrede für Untätigkeit

Angesichts der durch den Klimawandel ausgelösten Wasserknappheit sinken die Pegelstände von Flüssen dramatisch und auch der Zulauf der Spree nimmt ab. Deshalb sollte sich der Senat ganz besonders für deren Erhalt einsetzen, findet der Verein und veranstaltet nicht nur die Demo, sondern formuliert konkrete Forderungen: „eine systematische Neuaktivierung der Gewässer als Ressource der Natur, der natürlichen Erholung, der Klimaanpassung und der Klimagerechtigkeit“.

Für Fluss Bad Berlin führt das Badeverbot auch dazu, dass „die Entwicklung und Verbesserung der Berliner Gewässer insgesamt stark gehemmt wird“. Es gebe bereits Monitoringsysteme, die die Wasserqualität nicht nur überprüfen, sondern auch nachweisen würden, dass die Wasserqualität der Spree seit 1998 deutlich zugenommen habe.

Baden darf kein Luxus sein

Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Linken

An diesem Donnerstag wird der Verein von der Volksbühne unterstützt. Das Motto der vierten Mitschwimm-Demo heißt nämlich „Fluss Baden: Das Volksbad für ganz Berlin“. Matthias Lilienthal, Intendant der Volksbühne und des theatereigenen Volksbads, ist gekommen, und an der Wand des Spreekanals hängt ein großes Banner, das das Gewässer als Volksbad bezeichnet.

Gleichzeitig bleibt das eigentliche „Volksbad“ vor der Volksbühne geschlossen. „Das Flussbad finde ich ein super Projekt, wenn es Ökologie und soziales Miteinander kombiniert. Und in dieser alten preußischen Kultur, den gebauten Steinwänden, würde man sich ja manchmal auch eine gewisse Auflockerung wünschen“, sagt Lilienthal.

Spreebaden ist auch Wahlkampfthema

Auch Berliner Po­li­ti­ke­r*in­nen und Spit­zen­kan­di­da­t*in­nen halten Reden, denn das Thema Flussbaden lässt sich gut in den eigenen Wahlkampf einbetten. „Baden darf kein Luxus sein“, sagt Elif Eralp (Linke). „Gerade für Menschen, die in der Stadt wohnen, wo es eh wenig Grün gibt.“ Auch Linda Vierecke, Sprecherin für Umwelt und Klimaschutz der SPD-Fraktion, befürwortet das Projekt. „Es ist einfach eine tolle Möglichkeit, sich abzukühlen in einer Stadt, die wirklich viel versiegelt ist“, sagt sie. „Ich wünsche mir eine Umweltsenatorin, die Badestellen baut, statt Fahrradwege zurückzubauen.“

Eine Demoteilnehmerin ist heute gekommen, um sich das Schwimmen anzuschauen. Selbst hineinsteigen wolle sie nicht, dazu sei ihr das mit der Wasserqualität noch zu unsicher. „Obwohl gesagt wurde, dass 80 Prozent des Wassers sauber sind, geht das Bild von der verdreckten Spree nicht aus meinem Kopf“, sagt sie. „Aber sich abkühlen zu können, das wäre toll. Es ist so zubetoniert.“ Und: „Wenn man hier baden darf, halten die Menschen vielleicht das Wasser sauber und werfen nichts mehr rein.“

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