Automarkt in der EU: Mehr E-Autos, weniger Verbrenner
Für viele Autobauer läuft es gut. Trotzdem sägen einige, gerade die deutschen Marken an den Klimazielen. Und Tesla strauchelt.
Vor allem bei Hybridautos stieg die Zahl der Verkäufe an, in der Europäischen Union haben sie inzwischen einen Marktanteil von 35,7 Prozent erreicht. Der Marktanteil von Diesel oder Benzinern sank dagegen seit Juli 2024 von 47,9 Prozent auf nun 37,7 Prozent. E-Autos liegen bei 15,6 Prozent – vor einem Jahr waren es noch 12,5 Prozent. Trotzdem sind die Zahlen „immer noch weit entfernt von dem, was es für die Antriebswende bräuchte“, heißt es beim ACEA.
Das hielt Ola Källenius, Mercedes-Chef und ACEA-Präsident, und Matthias Zink, Präsident des Zuliefererverbandes Clepa, am Mittwoch aber nicht davon ab, in einem offenen Brief an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen das Verbrenner-Aus infrage zustellen. Aktuell gilt in der EU, dass nach 2035 keine Neuwagen mit Verbrennermotor mehr auf den Markt kommen dürfen. Källenius schrieb, das sei „nicht machbar“.
Einige Autobauer sind anderer Meinung: Kia habe zahlreiche E-Autos produziert, die nur darauf warteten, verkauft zu werden, sagte etwa Marc Hedrich, Europachef der Hyundai-Tochter Kia, der Automobilzeitschrift Automotive News. Neue Verbrenner nach 2035 würden den Stromern unnötig Konkurrenz machen und die Gewinne dämpfen.
Marktführer Volkswagen, Tesla sackt ab
„Der Absatz von E-Autos steigt, aber die Autoindustrie sägt am europäischen Klimaschutz, um weiter Geld mit Verbrennern zu machen“, kritisiert auch Marion Tiemann, Verkehrsexpertin bei Greenpeace. Der deutsche Branchenverband VDA bekenne sich immer wieder explizit zum Pariser Klimaschutzabkommen – „offenbar nichts als hohle Worte“. Das gehe auf Kosten der Gesundheit und des Klimas, warnt Tiemann. „Mit ihren Abgasen machen Verbrenner krank und heizen die Klimakrise weiter an.“ Die Bundesregierung dürfe nicht zulassen, die deutschen Autobauer beschlossene Abgasgrenzwerte wieder kippen.

Laut ACEA ist der deutsche Hersteller Volkswagen weiter Marktführer auf dem EU-Markt, 2025 verkaufte VW bisher 3,8 Prozent mehr Autos als im gleichen Zeitraum 2024. Auch BMW und Mercedes-Benz konnten mehr veräußern. Abwärts ging es für die Opel-Mutter Stellantis – und für den E-Auto-Bauer Tesla, der mutmaßlich unter dem schlechten Ruf seines Chefs Elon Musk leidet und 43,5 Prozent Absatzminus verbuchte.
In Deutschland wurden im Juli insgesamt zwar deutlich – 38,4 Prozent – mehr Elektroautos neuzugelassen als im Vorjahr. Aber: „Aktuell verfehlen wir das Ziel von 15 Millionen E-Autos bis 2030“, gibt Jonas Becker, Mobilitätsreferent der Klima-Allianz zu denken. Dieses Ziel hatte sich die Ampelkoalition 2021 gesteckt, um die Klimaziele im Verkehrssektor erreichen zu können. Für mehr Stromer auf den deutschen Straßen schlägt Becker vor:
• transparente Preise an Ladesäulen,
• politische Förderung für kleine, private E-Autos,
• einen sogenannten Bonus-Malus bei der Kfz-Neuzulassung, um E-Autos günstiger als Verbrenner zu machen,
• eine sozial gestaffelte Kaufprämie
• oder preiswertes Leasing für Menschen mit niedrigem Einkommen.
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