Atemwegserkrankungen: Kin­der­ärz­t*in­nen warnen

Kinderärzte-Präsident Thomas Fischbach fürchtet, der Gipfel der Infektionswelle mit dem RSV-Virus stehe noch bevor. Man sei in einer „gefährlichen Situation“.

Ein am Respiratorischen Synzytial-Virus (RS-Virus oder RSV) erkrankter Patient liegt auf einer Kinderstation des Olgahospitals des Klinkums Stuttgart in einem Krankenbett.

Gefährliches RSV-Virus: Die Lage in den Kinderkliniken droht sich weiter zu verschärfen Foto: Marijan Murat/dpa

OSNABRÜCK/BERLIN dpa | Kinderärztepräsident Thomas Fischbach befürchtet eine Verschärfung der angespannten Lage in den Kinderkliniken, hält aber eine Maskenpflicht eher für kontraproduktiv. „Wir sind in einer gefährlichen Situation für die Kinder, besonders für die Kleinsten“, sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) angesichts der wegen Atemwegserkrankungen überfüllten Praxen und Kinderkliniken der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ/Mittwoch).

Es könne noch schlimmer kommen: „Denn normalerweise stehen wir Anfang Dezember erst am Beginn der Erkältungssaison. Die Spitze der Infektionswelle steht also noch vor uns.“

Rufen nach einer Rückkehr der Maskenpflicht für Kinder und Eltern erteilte Fischbach jedoch eine Absage. „Der Schrei nach Masken ist der übliche Reflex der Politik. Dabei ist die Maskenpflicht der zurückliegenden zwei Jahre ja ein wichtiger Grund für die aktuelle Krise“, meinte er. Denn wegen der Masken seien weder die Immunsysteme der Kinder noch der Eltern trainiert worden.

Viele Kinderpraxen und Kinderstationen sind aktuell extrem überfüllt. Ex­per­t*in­nen berichten von einer enormen Welle an Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV), das für Babys gefährlich sein kann.

Auch viele Erwachsene erkrankt

Die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), Pflegekräfte aus dem Erwachsenenbereich zur Unterstützung in der Pädiatrie einzusetzen, nannte Fischbach „irrwitzig“. Ähnlich kritisch äußerte sich dazu der Deutsche Pflegerat (DPR). „Das kann man nur als Verzweiflungstat bezeichnen“, sagte DPR-Präsidentin Christine Vogler dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Mittwoch).

Vogler sagte weiter: „In den Kliniken kann bereits jetzt nur die Minimalversorgung gesichert werden. Wir haben keine Station mehr, wo man Pflegepersonal abziehen kann.“ Pflegekräfte aus anderen klinischen Abteilungen hätten auch nicht automatisch die Qualifikation zu Versorgung im pädiatrischen Intensivbereich.

Angesichts des Fachkräftemangels in Sozial- und Pflegeberufen plädierte Vogler auch für ein verpflichtendes soziales Gesellschaftsjahr für alle Schul­ab­gän­ge­r*in­nen in Deutschland. „Wir müssen als Gesellschaft wieder zusammenrücken und lernen, dass wir uns im Sozialsystem wieder verstärkt den Kranken, den Kindern und Schwachen widmen müssen.“ Das zeige nicht zuletzt die aktuelle Situation in den Kliniken, sagte Vogler.

Aktuell werden nach Angaben niedersächsischer Haus­ärz­t*in­nen auch mehr erwachsene Patienten mit grippalen Infekten und Atemwegserkrankungen in den Praxen behandelt als für diese Jahreszeit üblich. „Auch bei den Erwachsenen sehen wir derzeit eine Welle von Erkältungskrankheiten“, sagte der Sprecher des Hausärzteverbandes Niedersachsen, Tim Fischer, am Dienstag der dpa.

„Die Hausarztpraxen haben derzeit alle Hände voll zu tun, da viele Virusinfektionen gleichzeitig auftreten“, sagte der Sprecher. „Dabei hilft die telefonische Krankschreibung, den Andrang in den Praxen abzumildern.“ Wenn ein Patient nur über leichte Erkältungssymptome klage, reichten meist Ruhe und eine Krankschreibung. „Bei schwereren Erkrankungen kann ein Telefonat aber niemals den direkten Patientenkontakt ersetzen“, betonte Fischer.

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