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Armut ohne Rampenlicht

■ Das Rote Kreuz in Bremen hilft der ungarischen Stadt Tatabanya

„Armut ohne Rampenlicht“herrscht in Tatabanya, einer ungarischen Kleinstadt, 70 km westlich von Budapest. „Oft werden wir gefragt, ob denn eine Stadt in Ungarn wirklich Hilfe braucht, und ob die nicht im ehemaligen Jugoslawien viel dringender benötigt wird“, erzählt Heino Bahlert vom Deutschen Roten Kreuz in Bremen. Er ist Mitorganisator des am 24. Oktober aufgebrochenen Hilfskonvois mit dem Ziel Tatabanya.

Nach den politischen Umbrüchen in Ungarn brach die Infrastruktur der Stadt völlig zusammen, die man vor etwa 50 Jahren allein für die Schwerindustrie aus dem Boden stampfte. Alle 20 Kohlebergwerke sind geschlossen worden, nur noch ein Steinbruch ist als Arbeitsplatz übriggeblieben. Knapp die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Bestimmte Waren sind für die Einwohner unerschwinglich, weil sie westlichem Preisniveau entsprechen. Hinzu kommt, daß in Ungarn Flüchtlinge aus Rumänien und dem Balkan aufgenommen werden.

„Wir versuchen, Krankenhäuser und Kinderheime zu beliefern. Hier werden Mädchen aufgenommen, die teilweise auch durch eine Vergewaltigung schwanger geworden sind und deshalb von ihren Familien nicht mehr aufgenommen werden“, beschreibt Heino Bahlert die Zustände vor Ort.

Für die Versorgung der Menschen in einem der armen Stadtviertel werden besonders Konserven, Süßigkeiten, Kleidung, Spielsachen, Tee und Kaffee, Hygieneartikel sowie Bettwäsche und Handtücher für das Zentralkrankenhaus benötigt. Bedenken, daß die Spenden nicht die Bedürftigen erreichen, werden zurückgewiesen. Die HelferInnen verteilen die Güter vor Ort persönlich an die Empfänger, und Geldspenden werden direkt in Lebensmittel aus dem Großhandel umgesetzt und so weitergegeben. Von einem 3.000 Mark-Obulus des DRK-Landesverbandes Bremen sind Pakete für kinderreiche Famlien gepackt worden.

Tatabanya hatte ein wenig Glück im Unglück: Neben dem Kreisverband Bremen gibt es auch im österreichischen Linz und in der englischen Stadt Dudley Partnerschaften des Roten Kreuzes, die ebenfalls diesen Transport unterstützen. Doch wenn der Konvoi mit seinen HelferInnen dann endlich vor Ort sei, sei es nicht immer leicht, weiß der Organistor: „Vielen geht es sehr, sehr nahe, wenn sie zum ersten Mal sehen, wie sich 2.500 Menschen vor Hunger kaum ruhig anstellen können, wenn wir Erbsensuppe austeilen.“

Angela Siol

Spenden können im DRK-Haus, Hastedter Heerstraße 250, abgegeben werden. Spendenkonto 1108125, Stichwort „Tatabanya“, Sparkasse Bremen.

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