heute in hamburg: „Ein Ring kann Penisse verkürzen“
Infoveranstaltung „Mit Dildos gegen das Patriarchat? Feminismus zwischen Ausverkauf und Selbstermächtigung“: 19 Uhr, Café Knallhart, Von Melle Park 9, Eintritt frei
Interview Katharina Gebauer
taz: Frau Henschen, wie gestalten Sie Ihren Sexshop feministisch?
Zarah Henschen: Wir ordnen Produkte nicht nach Geschlecht, sondern nach Funktion. Wir wollen niemandem vorschreiben, was sie mit was zu tun haben. Es gibt Männer, die eine Vagina und Frauen, die einen Penis haben. Der Shop ist zudem nicht nur Verkaufsraum, sondern dient auch als Bildungsraum. Durch Workshops wie Einführungen zu Bondage oder Sex und Sprache wollen wir unsere Kunden dabei unterstützen, den eigenen Körper kennenzulernen und sexuellen Begierden und Vorstellungen nachzugehen. Diese sind immer noch durch patriarchalische Verhältnisse geprägt.
Welche Produkte helfen dabei?
Neu ist etwa ein Ring aus weichem Silikon, der Dildos und Penisse verkürzen kann. Verschiedene Längen der Penetration sind essenziell wichtig für guten Sex, diese Minimierung der Männlichkeit würde es nach patriarchalischen Vorstellungen aber eher nicht geben.
Welche Chancen der Selbstermächtigung kann ein Sexshop bieten?
Wir geben Hilfestellung, sich zu emanzipieren. Der offene Raum unseres Shops ermöglicht, neue Formen der Begierde und seines eigenen Geschlechts zu erfahren. Wir wollen eine solidarische Gemeinschaft schaffen, die sich gemeinsam austauscht.
Allerdings existieren auch noch total verquere Vorstellungen von Sex in den Köpfen der Menschen.
Zarah Henschen, 34, ist Teil des Sexshopkollektivs Fuck Yeah und führt seit rund einem Jahr ihren eigenen Sexshop.
Es kaufen sicherlich auch homophobe Arschlöcher in nicht-feministischen Sexshops ein, die noch die Frau als Objekt sehen und in starren Geschlechterschubladen denken. Die Frauen sind jung, dünn und meist weiß, die Männer haben alle Riesenpenisse.
Wie lässt sich Ihr politisches Ideal im Gegensatz genau dazu innerhalb des kapitalistischen Systems verkaufen?
Es ist nicht nur reiner Konsum und der Sex ist auch nicht unbedingt besser, nur weil man in einen Sexshop geht. Über den Verkauf können wir unsere Bildungsarbeit finanzieren und Workshops kostenlos anbieten. Bei vielen ist die Hemmschwelle geringer als etwa bei einer Beratungsstelle, sich frei zu bewegen und sich auszuprobieren. Ich habe den Eindruck, dass unser Sexshop innerhalb der dritten oder vierten Welle des Feminismus entstanden ist. Wir sollen nicht vergessen, was dahinter steht: Ein radikaler Gedanke, den wir weiter schärfen sollten. Damit sind Positionen zu politischen Fragen wichtig, wie etwa zu Abtreibung oder zu Transrechten.
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