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Auf zur sauberen Kreuzfahrt

Kiel baut die erste Landstrom-Tanke

Ab vom Schuss, nicht viel los – aber die himmlische Ruhe und vor allem diese gesunde Luft! So argumentierte früher, wer sein Leben in Schleswig-Holstein und seiner Landeshauptstadt Kiel verbrachte. Blöd nur, dass eben dieses Kiel zu den Städten zählt, in denen die Stickstoff-Grenzwerte regelmäßig überschritten werden. Unter Stinkverdacht stehen nicht nur alte Dieselautos, sondern auch Schiffsmotoren, deren Motoren im Hafen weitertuckern.

Nun will der Kieler Hafen umweltfreundlicher werden. Kommende Woche beginnt der Bau einer ersten Landstromanlage. Versorgt wird zunächst ein Liegeplatz für die Norwegen-Fähren. Landstrom für die Kreuzfahrer gibt es dann auch. Allerdings später. Und nur für einen Teil der schwimmenden Hotels.

„Grün“, „umweltfreundlich“, „Vorbildcharakter“: Die Vertreter von Stadt, Land und Hafen überschlugen sich förmlich vor Begeisterung, als sie im April mit dem Kreuzfahrt-Unternehmen Costa, zu dem die Aida-Schiffe gehören, eine Absichtserklärung für den Bau einer Landstromanlage am Ostseekai unterzeichneten. Aber bis zu einer echten Entlastung dauert es noch Jahre. Zwar stellt Aida seine Flotte auf Landstrom-Betrieb um, wird dieses Ziel aber erst 2020 erreichen. Andere Kreuzfahrt-Anbieter hinken hinterher.

Geht alles wie geplant, wird 2019 jedes zweite Kreuzfahrtschiff weitgehend emissionsfrei am Hafen liegen. 166 Anlandungen gibt es in diesem Jahr, mit steigenden Zahlen ist zu rechnen. Für die Unternehmen und den Hafen ist Landstrom deutlich teurer als Schiffsdiesel, bei dessen „katalytisch nicht beeinflussten Verbrennungsvorgängen“ – so nennt es das Deutsche Umweltamt – neben Stickstoff auch Schwefel und weitere Schadstoffe ausgeblasen werden. Ob die Umstellung auf Landstrom ökologisch sinnvoll ist, hängt von der Energiequelle ab.

Für sauberere Luft in der Kieler Innenstadt wird die Landstrom­anlage ohnehin wenig bringen. Bereits 200 Meter vom Kai entfernt sinken die von Schiffen verursachten Stickstoffwerte, so eine aktuelle Forschungsarbeit zur Binnenschifffahrt am Rhein, auf die das Umweltamt verweist. 200 Meter Luftlinie vom Ostseekai entfernt standen zufällig auch die Messgeräte, mit denen zuletzt 2008 die Luftqualität bestimmt wurde. Weil alle Werte unbedenklich waren, rät der „Port of Kiel“ auf seiner Internet-Seite, BesucherInnen könnten im Hafen gern „tief Luft holen“. Doch verschwunden sind die Giftstoffe natürlich nicht. Sie verteilen sich nur feiner in der Atmosphäre.Esther Geißlinger

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