Ankündigungen im Irankrieg: Kommt Trumps nächster TACO-Moment?
US-Präsident Trump behauptet, es gäbe Gespräche zur Öffnung der Straße von Hormus mit Iran. Das Regime dementiert. Die Lage ist brandgefährlich.
So plötzlich, wie es gekommen war, hat US-Präsident Donald Trump sein Ultimatum gegen Iran am Montag vorerst zurückgezogen. Unter Berufung auf „sehr gute und produktive Gespräche über eine vollständige und totale Lösung unserer Feindseligkeiten im Mittleren Osten“, die zwischen US-Regierung und Iran geführt worden seien und in dieser Woche fortgesetzt würden, setze er seine Androhung, iranische Energie-Einrichtungen zu zerstören, wenn die Straße von Hormus nicht binnen 48 Stunden für die Schifffahrt geöffnet würde, für fünf Tage aus. So schrieb Trump komplett in Großbuchstaben auf seinem eigenen Netzwerk Truth Social.
Irans Regierung widersprach sofort. Es gebe keine Gespräche zwischen beiden Regierungen, hieß es aus dem iranischen Außenministerium. Trumps Erklärung habe lediglich den Sinn, „die Energiepreise zu drücken und sich für die Umsetzung seiner militärischen Pläne Zeit zu erkaufen“.
Zumindest Ersteres funktionierte kurzfristig: Nur Minuten nach Veröffentlichung des Posts stiegen die wichtigsten Aktien-Indizes ins Plus und der Ölpreis sank deutlich, von 114 US-Dollar pro Barrel am Montagmorgen auf zeitweise 96, stieg aber später wieder auf über 100 US-Dollar.
Gegenüber dem Trump-nahen Fernsehsender Fox News blieb der US-Präsident am Montag bei seiner Darstellung: Die letzten Gespräche seines Chefunterhändlers Steve Witkoff und seines Schwiegersohns Jared Kushner mit ihren iranischen Counterparts hätten am Montagabend stattgefunden, und der Iran sei sehr an einer Einigung interessiert.
Irans Führung: Solche Gespräche gibt es nicht
Und vor Reporter*innen auf dem Flughafen von Palm Beach in Florida behauptete Trump in mündlichen Erklärungen, die so wirkten, als denke er sie sich just in dem Moment aus, in 15 Punkten sei Einigkeit mit dem Iran erzielt worden – unter anderem habe der Iran zugestimmt, jegliche Nuklearanreicherung aufzugeben.
Auf die Frage, ob die Straße von Hormus wieder geöffnet werde, sagte Trump, das werde sehr bald der Fall sein. Sie werde gemeinschaftlich überwacht werden – „vielleicht von mir selbst. Mir selbst und dem nächsten Ajatollah, wer auch immer das ist. Es wird außerdem einen sehr ernsthaften Regimewechsel geben. Schauen Sie nach Venezuela“, sagte er der CNN-Reporterin Kaitlan Collins. Irans Regierung blieb dabei, solche Gespräche gäbe es nicht, Trump habe aus Angst vor der militärischen Reaktion Irans einen Rückzieher gemacht.
Trumps Ultimatum und Irans ursprüngliche Antwort hatten für riesige Befürchtungen gesorgt. Weltweit, aber auch unter Irans Bevölkerung selbst. Massive Angriffe auf Irans Energie-Infrastruktur und die angekündigte Reaktion Irans, daraufhin ihrerseits entsprechende US-amerikanischen Anlagen in der gesamten Region anzugreifen, hätten eine sprunghafte Eskalation der ohnehin durch den Krieg bereits entstandenen Energiekrise bedeutet.
Darüber hinaus fürchten auch die ohnehin bereits von iranischen Raketenangriffen betroffenen Golfstaaten um ihre Grundversorgung: Länder wie Bahrain und Katar decken ihren Trinkwasserbedarf zu 100 Prozent aus stromintensiven Meerwasserentsalzungsanlagen. In den Vereinigten Arabischen Emiraten sind es mehr als 80 Prozent, in Saudi-Arabien 50 Prozent. Auch die Anlagen selbst könnten Ziel von iranischen Angriffen werden.
Merz zeigt sich dankbar und erleichtert
Und im Iran selbst berichteten regimekritische Stimmen gegenüber westlichen Medien, sie hätten Trumps Kriegsankündigung vom 28. Februar als Hilfe beim Regimesturz verstanden – nicht als Drohung, Iran in die Steinzeit zurückzubomben. Erleichtert wie der Ölpreis zeigte sich auch der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz. „Ich bin dankbar, dass er heute gesagt hat, dass er das noch einmal um fünf Tage verschiebt und jetzt auch die Möglichkeit für unmittelbare und direkte Kontakte mit der iranischen Führung eröffnet“, sagte Merz am Montag in Berlin.
In der US-Öffentlichkeit der sozialen Medien wurde Trumps Kehrtwende zwar auch mit Erleichterung, vor allem aber mit dem Wort „TACO“ kommentiert. Das Kürzel steht für „Trump Always Chickens Out“ – Trump kneift am Ende immer.
Das geht einher mit den hämisch-frohlockenden Reaktionen der Regierung in Teheran. Und birgt wiederum die Gefahr, dass der planlose, aber überaus empfindliche US-Präsident zu weiteren unüberlegten Aktionen greifen könnte.
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