Angriff auf Iran: Freude und Sorge in den USA
Die Reaktion in den USA auf den Angriff auf Iran ist geteilt. Auch bei Trumps Republikanern gibt es Gegenstimmen.
Der Tod des obersten iranischen Führers Ali Chamenei hat unter den in den USA lebenden Exiliraner*innen für großen Jubel gesorgt. Vor dem Weißen Haus versammelten sich am Samstag nach den gemeinsamen Angriffen der USA und Israel auf Ziele im Iran eine Gruppe von iranischen Einwanderern, die mit Plakaten und Gesängen ihre Dankbarkeit für US-Präsident Donald Trump zum Ausdruck brachten. „Thank You!“ stand auf einem großen Plakat, das mit der US-Flagge und Bildern von Trump geschmückt war.
„Wir finden es großartig, was er tut. Er unterstützt das iranische Volk im Kampf gegen das Regime. Er ist der Erste seit 47 Jahren, der uns verteidigt“, sagte eine Demonstrantin der Nachrichtenagentur IANS.
Auch in anderen US-Städten feierten die Menschen den Militärangriff. In Los Angeles, wo etwa ein Drittel der rund 400.000 Exiliraner*innen leben, kam es zu spontanen Autokonvois und Freudentänzen. Überall waren iranische Fahnen zu sehen.
„Ich hätte gedacht, dass weder ich noch meine Kinder das Erleben würden. Ich bin so glücklich, dass wir endlich unsere Freiheit erlangen. Ich habe jeden Tag zu Gott gebetet, dass ich eines Tages die Orte besuchen kann, die ich nie besuchen konnte, weil ich Iran im Alter von sieben Jahren verlassen musste“, sagte Shab Snyder dem lokalen TV-Sender KTLA.
Auch Kongress gespalten
Doch neben all dem Jubel gab es auch kritische Stimmen. Der iranischstämmige demokratische Aktivist Alex Mohajer zeigte sich entsetzt über das Vorgehen der US-Regierung und warnte, dass auch der Tod des obersten religiösen Führers keine Garantie für Frieden sei.
„Man kann nicht einfach einen Teil der Islamischen Republik beseitigen – nicht einmal den obersten Führer. Es wird immer Nachfolger geben. […] daher glaube ich nicht, dass ein paar Angriffe daran etwas ändern werden“, sagte Mohajer, Vizepräsident der iranisch-amerikanischen Demokraten Kaliforniens, zu Politico.
Auch im US-Kongress waren die Meinungen gemischt. Republikaner bezeichneten den Angriff als eine „Notwendigkeit“ und begrüßten Trumps entschlossenes Vorgehen. Demokraten beklagten hingegen den Alleingang der Regierung und verlangten, dass der Kongress zukünftig in militärische Entscheidung miteinbezogen wird.
Der republikanische Senator Lindsey Graham, der sich in der Vergangenheit immer wieder für einen Regimewechsel ausgesprochen hatte, begrüßte den Militärschlag.
„Das Ende des größten staatlichen Förderers von Terrorismus ist nahe“, schrieb der Senator aus South Carolina auf X. In einem längeren Post wenig später erklärte er, dass die „größte Veränderung im Nahen Osten seit tausend Jahren“ bevorstehe.
Laut dem republikanischen Abgeordneten Thomas Massie, einem erklärten Trump-Gegner, würden die Angriffe nicht dem „America First“-Mantra der MAGA-Bewegung entsprechen.
Demokraten warnen vor Fehlern der Vergangenheit
Viele Demokraten machten in ihren Reaktionen deutlich, dass auch sie das iranische Regime für äußerst gefährlich halten. Dennoch kritisierten sie das Vorgehen von Präsident Trump und dessen Regierung.
Mark Warner, der höchstrangige Demokrat im Geheimdienstausschuss des Senats, befürchtet, dass die USA die Fehler der Vergangenheit wiederholen könnten.
„Das amerikanische Volk kennt dieses Vorgehen bereits – vorgetäuschte Dringlichkeit, falsch dargestellte Geheimdienstinformationen und Militäraktionen, die die Vereinigten Staaten in einen Regimewechsel und einen langwierigen, kostspieligen Staatsaufbau hineinziehen“, sagte der Senator aus Virginia.
Die Demokratin Sara Jacobs warnt vor einem weiteren „endlosen Krieg“. Der Angriff auf den Iran wird laut ihr als „einer der größten außenpolitischen Fehler“ in die Geschichte eingehen.
Doch auch unter Demokraten gibt es vereinzelt Befürworter der Militäroperation mit dem Namen „Operation Epic Fury“. Senator John Fetterman sagte im Interview mit Fox News: „Ich bin zwar Demokrat, aber in diesem Fall hat der Präsident absolut recht.“
Jenseits dieser einzelnen Ausnahmen blieben die meisten Kongressmitglieder ihrer jeweiligen Parteilinie treu.
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