: Verlierer, die wir nie vergessen
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Es geht ums Gewinnen. So ist das im Wettkampfsport. Am Ende werden nur die Siegenden gefeiert. Bei Olympia fällt auch noch ein wenig Ruhm auf die Gewinnerinnen oder Gewinner von Silber und Bronze ab. Aber auch da weiß man: Die Zweite ist die beste unter den Verliererinnen. Mehr nicht. Brav hat sie den Siegerinnen zu gratulieren und zack: ab in die Vergessenheit!
Nur die besonders schlechten Verlierer bleiben in Erinnerung. Haben sich die argentinischen Fußballer deswegen so mies benommen nach der Pleite im WM-Finale gegen Spanien? Die Schlägereien nach Abpfiff wird man jedenfalls so schnell nicht vergessen. Auch dass die Argentinier sich bei der Siegerehrung demonstrativ von den jubelnden Spaniern abgewendet haben, ist derart beispiellos, dass den Argentiniern ein Platz in der Sportgeschichte sicher zu sein scheint – als besonders schlechte Verlierer.
Natürlich gibt es auch schlechte Gewinner. Als die deutschen Nationalspieler nach ihrem WM-Triumph 2014 im Finale gegen Argentinien mit gekrümmtem Rücken über das Podium der Fanmeile schlichen und grölten: „So gehen die Gauchos, die Gauchos gehen so!“, hielt sich das Entsetzen indes in Grenzen. Sie hatten ja gewonnen. Sieger genießen Narrenfreiheit. Meistens jedenfalls.
Es gibt aber auch Sieger, die sind eigentlich nur deshalb in Erinnerung geblieben, weil sie sich als Verlierer mal danebenbenommen haben. Unvergessen sind die zwei Stinkefinger, die der niederländische Shorttracker Sjinkie Knegt seinem Bezwinger Victor Ahn bei der EM 2014 in Dresden gezeigt hat. Dass Knegt fünf Weltmeistertitel auf dem Eis gewonnen hat, kann mit diesem beleidigten Auftritt, für den er dann auch noch disqualifiziert wurde, nicht mithalten.
Auch an den französischen Boxer Mourad Aliev würde sich die Sportwelt wahrscheinlich nicht erinnern, wenn der Superschwergewichtler nach seiner Disqualifikation im olympischen Viertelfinale von Tokio 2021 nicht in einen einstündigen Sitzstreik im Ring getreten wäre.
Die Herzen gehörten dennoch ihm. Denn die Disqualifikation wegen eines Kopfstoßes war ungerechtfertigt, wie der Oberschiedsrichter direkt nach dem Kampf einräumte. Weil sich einmal gefällte Entscheidungen aber nicht zurücknehmen lassen, blieb Alievs Disqualifikation bestehen. Da fällt Fairplay natürlich schwer. Hätte der Franzose seinem britischen Gegner Frazer Clarke dennoch brav die Hand schütteln sollen? Hmm.
Ein ähnlicher Aufreger war der Auftritt des schwedischen Ringers Ara Abrahamian, der bei der Siegerehrung des Wettbewerbs im griechisch-römischen Stil bis 84 Kilo bei den Spielen von Peking 2008 seine Bronzemedaille auf die Matte legte und die Halle verlassen hat, bevor die Siegerhymne gespielt wurde. Er sei im Halbfinale von der Jury beschissen worden, meinte er und witterte eine Verschwörung zugunsten des späteren italienischen Olympiasiegers Andrea Minguzzi. Weil er sich nicht an die olympischen Faiplay-Regeln gehalten hat, wurde er disqualifiziert.
Im Tennis gehört der Handschlag nach dem Spiel zum Fairplay. Den verweigern Ukrainierinnen derzeit ihren russischen Gegnerinnen, egal ob sie gewonnen oder verloren haben. Sonst wird brav gratuliert. Ärgern sich Spieler allzu sehr über Punkte des Gegners, hat allenfalls der eigene Tennisschläger darunter zu leiden. Oder der eigene Kopf. 2008 stand Michail Juschny in Miami kurz vor einer Niederlage gegen den Spanier Nicolas Almagro. Der servierte zum Matchgewinn, als Juschny nach einem Fehler seinen Schläger derart heftig gegen die eigene Birne drosch, dass sich eine Platzwunde auf der Stirn auftat.
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Als schlechten Verlierer kann man den Russen deshalb allerdings nicht bezeichnen. Nachdem Ärzte die Stirn geflickt hatten, holte sich Juschny noch das Spiel und gewann die Partie.
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