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AnalyseRätselraten in Georgien

■ Entführer lassen alle Geiseln frei. Ihre Ziele sind jedoch weiter unklar

Alle Geiseln aus der Gruppe der UN-Militärbeobachter in Abchasien, die in der vergangenen Woche in der westgeorgischen Ortschaft Dschichaschkari von Anhängern des geschaßten Präsidenten Swiad Gamsachurdia gekidnappt wurden, befinden sich wieder auf freiem Fuß. Eine weitere Freilassung, meinte der Anführer der Geiselnehmer, Goscha Esebua, stünde nicht auf der Tagesordnung. Die Regierung in Tiflis hätte für mehr Mildtätigkeiten die Voraussetzungen nicht geschaffen.

Worum es den Terroristen eigentlich geht, ist auch eine Woche nach der spektakulären Entführung nicht klar. Ihre ursprüngliche Forderung, die nach dem Anschlag auf Präsident Schewardnadse inhaftierten Verdächtigen ziehenzulassen, kann Tiflis unter keinen Umständen erfüllen. Schewardnadse gestünde damit ein, wie verwundbar seine Position fünf Jahre nach Übernahme der Führung und trotz gewisser Konsolidierungserfolge immer noch ist. Er würde auch alle anderen Gegner, um die es in letzter Zeit ein wenig ruhiger geworden ist, ermutigen, ihre Ziele mit Gewalt zu verfolgen. Ohnehin neigen die Heißsporne am Fuße des Kaukasus dazu, Konflikte kurz und schmerzhaft mit der Waffe zu lösen.

Sollten die gut erzogenen, allem Anschein nach intelligenten Terroristen, die sich im georgischen Fernsehen sogar entschuldigten – „für das, was wir getan haben“ – die Staatsräson in ihre Kalkulation nicht miteinbezogen haben? Als Vermittler treten Anhänger Gamsachurdias auf, die politisches Asyl in Moskau genießen und zum Teil schon russische Staatsbürger sind. Unter ihnen der ehemalige stellvertretende Parlamentschef Nemo Burtschuladse, der sich Schewardnadse als „legitimer Vertreter der Macht“ anempfahl.

Er müßte einen der mutmaßlichen Drahtzieher des Attentats, den ehemaligen Finanzminister Guram Absandse, eigentlich noch kennen. Selbstverständlich streitet Burtschuladse jede Beteiligung am Anschlag ab. Zugegeben, die Parteigänger des Ex-Präsidenten sind zerstritten. Weshalb Schewardnadse sie vor den Verhandlungen aufforderte, „erst untereinander zu klären, wer wen vertritt“. Ob die öffentliche Aufmerksamkeit sie wieder zu einer Kraft zusammenschweißt, ist genauso fraglich wie ihr Einfluß, den sie auf die georgischen Warlords aus Sugdidi, dem Geburtsort Gamsachurdias, nehmen können. Die Geiselnehmer verlangen auch, die russischen Friedenstruppen aus dem Land zu verjagen und alle russischen Militärbasen zu schließen. Ganz im Geiste Gamsachurdias. Ob die Emigranten von Moskaus Gnaden mit ihren Landsleuten noch eine gemeinsame Sprache finden? Die Lage ist verworren. Auf eine Konstante trifft man auch im siebten Jahr georgischer Souveränität. Aus Tiflis führen alle Wege nach Moskau. Klaus-Helge Donath

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