Aktuelle Entwicklungen in der Coronakrise: Erstmals wieder Corona in Taiwan

Seit April hatte es in dem Staat keine neuen Infektionen mehr gegeben – bis jetzt. Das RKI meldet in Deutschland 19.528 Neuinfektionen. Joe Biden wurde geimpft.

In Taipeh trägt eine Frau an einer U-Bahn-Station eine Gesichtsmaske - auf einer Tafel stehen Verhaltensregeln die vor dem Coronavirus schützen können

Seit April gab es keine nachgewiesene Ansteckung mit dem Coronavirus in Taiwan Foto: Ann Wang/reuters

Erste Infektion in Taiwan seit April

Taiwan hat zum ersten Mal seit April eine Ansteckung mit dem Coronavirus im eigenen Land festgestellt. Wie die taiwanischen Gesundheitsbehörden am Dienstag mitteilten, wurde nach 253 Tagen ohne lokale Übertragung eine etwa 30-jährige Frau positiv auf das Virus getestet. Sie steckte sich demnach bei einem neuseeländischen Piloten an, der für eine taiwanische Fluggesellschaft arbeitet.

Gesundheitsminister Chen Shih-chung sagte, der infizierte Pilot habe die Behörden nicht „wahrheitsgemäß“ über seine Kontakte und Aktivitäten informiert. Behördenangaben zufolge war der Mann unter anderem noch in einem Kaufhaus. Ihm droht nun eine Geldstrafe von umgerechnet 8.600 Euro.

Taiwan war es durch rigorose Grenzkontrollen und die konsequente Nachverfolgung von Infektionsketten schon im Frühjahr gelungen, eine starke Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Bisher wurden auf der Insel nur 770 Infektions- und 7 Todesfälle verzeichnet.

Der letzte einheimische Infektionsfall war am 12. April registriert worden. Positiv getestet wurden seitdem nur noch Reisende, etwa aus dem Ausland zurückgekehrte Taiwaner oder Geschäftsreisende. In Taiwan müssen alle Einreisenden für 14 Tage in Quarantäne und einen negativen Virustest vorweisen. Für Piloten gelten allerdings weniger strenge Regeln. (afp)

Biontech: Impfstoff wirkt wohl auch gegen Mutante

Die Mainzer Firma Biontech geht davon aus, dass ihr Impfstoff auch gegen die in Großbritannien entdeckte Mutation des Coronavirus wirkt. Dafür halte er „die Wahrscheinlichkeit für hoch“, sagte Firmenchef Uğur Şahin am Montagabend im Internetprogramm der Bild-Zeitung. Das Vakzin war am Montagabend in der EU zugelassen worden.

Die neue Mutation des Coronavirus, die bislang vor allem in Südostengland festgestellt wurde, bereitet allerdings weltweit große Sorgen. Der britische Premierminister Boris Johnson hatte am Wochenende erklärt, diese Form des Erregers sei „bis zu 70 Prozent ansteckender“ als die Ursprungsvariante. Zahlreiche Staaten beschränkten den Reiseverkehr mit Großbritannien. Deutschland kappte wie andere Staaten die Flugverbindungen mit dem Land.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) trat allerdings der Einschätzung der britischen Regierung entgegen, durch die Neumutation sei die Coronalage „außer Kontrolle“. Selbst wenn sich das Virus sich nun „ein kleines bisschen effizienter“ ausbreite, könne es gestoppt werden, sagte der WHO-Direktor für medizinische Notfälle Michael Ryan. Er rief aber dazu auf, die Maßnahmen zur Eindämmung der neuen Virusvariante zu verstärken.

Auch der deutsche Ärztepräsident Klaus Reinhardt warnte vor Panik. Mutationen seien bei Viren „nicht ungewöhnlich“, sagte er der Passauer Neuen Presse und betonte: „Wir sollten ruhig und sachlich damit umgehen.“ Noch sei nach dem Urteil von Virologen nicht klar, ob die Ansteckungsgefahr durch die neue Virusvariante tatsächlich deutlich höher sei. Dazu gebe es „noch keine klare wissenschaftliche Faktenlage“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer.

Biontech-Chef Şahin sagte, es gebe „keine Erkenntnisse“ darüber, dass das von seiner Firma zusammen mit dem US-Partner Pfizer entwickelte Vakzin nicht gegen die neue Form des Virus wirken könnte. In den vergangenen Monaten habe es bereits mehr als 20 verschiedene Mutationen des Erregers gegeben. Alle seien von Biontech untersucht worden. Dabei sei jedes Mal festgestellt worden, dass die Wirkung des Impfstoffs durch die Mutationen „nicht beeinträchtigt“ worden sei.

Allerdings lasse sich die Wirksamkeit des Impfstoffs auch gegen die neueste Virusmutation derzeit nicht „garantieren“, sagte Şahin auch. Seine Firma werde das Vakzin innerhalb der nächsten 14 Tage an der neuen Virusvariante testen. Er sei „zuversichtlich“, dass der Impfstoff „auch hier funktionieren wird“. Auch die europäische Arzneimittelbehörde EMA erklärte, es gebe keine Anzeichen dafür, dass der Impfstoff nicht auch gegen die neue Coronavirusvariante wirkt.

Die EU-Kommission hatte das Biontech-Pfizer-Vakzin am Montag zugelassen. Nur wenige Stunden zuvor hatte die EMA dafür ihr erforderliches grünes Licht gegeben. Die Impfungen sollen nun in Deutschland direkt nach Weihnachten beginnen.

Am Samstag soll Deutschland eine erste Lieferung von mehr als 150.000 Dosen erhalten, wie die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit unter Berufung auf das Bundesgesundheitsministerium mitteilte. Bis Jahresende sollen dann knapp 1,2 Millionen weitere Impfdosen folgen. (afp)

Angst vor Infektion wächst

Die anhaltend hohen Corona-Infektionszahlen verunsichern die Bürger nach einer Umfrage zunehmend. Mitte Dezember sagten 48 Prozent, dass sie „sehr große Angst“ oder „eher große Angst“ vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus hätten – das waren vier Prozentpunkte mehr als noch Mitte November, wie die Online-Erhebung des Instituts YouGov Deutschland ergab.

Zugleich sank im Vergleichszeitraum die Zahl derjenigen, die „überhaupt keine Angst“ und „eher keine Angst“ vor einer Ansteckung haben – von 51 Prozent auf 48 Prozent. Damit liegt die Zahl jener, die Angst haben, erstmals seit Ende März 2020 gleichauf mit der derer, die keine Angst haben, wie die Meinungsforscher mitteilten. Dabei nähern sich beide Kurven vor allem seit Anfang Dezember steil an.

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Außerdem stieg im Vergleich zu Mitte November die Zahl derjenigen, die sagen, dass sich die nationale Coronasituation derzeit verschlechtere. Während vor einem Monat noch 59 Prozent der gut 2.000 Befragten dieser Meinung waren, gaben Mitte Dezember 73 Prozent an, dass die Situation „schlimmer wird“. Nur 16 Prozent denken aktuell, dass die Lage Deutschlands in der Pandemie momentan „besser wird“ – Mitte November waren es noch 26 Prozent. (dpa)

Über 19.000 Neuinfektionen in Deutschland

In Deutschland sind innerhalb eines Tages mehr als 19.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus verzeichnet worden. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am Dienstagmorgen unter Berufung auf Angaben der Gesundheitsämter mitteilte, wurden binnen 24 Stunden 19.528 neue Ansteckungsfälle erfasst. Die Zahl der Coronatodesfälle stieg laut RKI innerhalb eines Tages um 731 auf insgesamt 27.006.

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Insgesamt wurden seit Beginn der Pandemie in Deutschland laut RKI 1.530.180 Infektionsfälle registriert. Die Zahl der Genesenen liegt bei rund 1.136.700.

Die sogenannte 7-Tage-Inzidenz betrug nach Angaben des Instituts am Dienstag 197,6. Dabei handelt es sich um die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in diesem Zeitraum. Die 7-Tage-Inzidenz ist ein wesentlicher Maßstab für die Verhängung und Lockerung von Maßnahmen gegen die Ausbreitung des neuartigen Virus. Ziel der Bundesregierung ist es, die Inzidenz auf unter 50 zu drücken, sie stieg zuletzt aber immer weiter an. (afp)

Biden gegen Corona geimpft

Der künftige US-Präsident Joe Biden hat sich vor laufenden Kameras gegen das Coronavirus impfen lassen. Biden rollte seinen linken Ärmel hoch und sagte der Krankenschwester, die die Spritze hielt: „Ich bin bereit.“ Biden appellierte danach an alle AmerikanerInnen, sich ebenfalls impfen zu lassen, sobald ein Impfstoff für sie verfügbar sei. Auch die künftige First Lady, Jill Biden, wurde demnach am Montag in Newark im Bundesstaat Delaware geimpft.

Es werde noch einige Zeit dauern, bis die Pandemie eingedämmt werden könne, sagte Biden. Bis dahin sollten die Menschen weiter auf den Rat der Experten hören und Masken tragen, den nötigen Sicherheitsabstand einhalten und auch trotz der Feiertage keine unnötigen Reisen unternehmen, mahnte der 78-Jährige. „Wenn Sie nicht reisen müssen, reisen Sie nicht“, forderte er. Die Bidens bekamen die erste von zwei Spritzen mit dem Impfstoff der Unternehmen Pfizer und Biontech.

Vergangene Woche hatte sich bereits der amtierende US-Vizepräsident Mike Pence vor laufenden Kameras impfen lassen. Auch die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, und der republikanische Mehrheitsführer im US-Senat, Mitch McConnell, erhielten am Freitag eine Impfung. Der Impfstoff von Pfizer und Biontech wird in den USA auf Basis einer Notfallzulassung seit vergangenen Montag eingesetzt. Der Impfstoff des Biotech-Unternehmens Moderna wird in den USA erst seit dieser Woche verabreicht.

Der Demokrat Biden wird am 20. Januar als neuer Präsident vereidigt werden. Ob der amtierende Präsident, der Republikaner Donald Trump, auch eine öffentliche Impfung plant, ist bislang unklar. Seine Sprecherin hatte erklärt, er sei „absolut offen“ dafür. Konkrete Pläne gebe es aber noch nicht. Trump war Anfang Oktober an Covid-19 erkrankt und musste deswegen im Krankenhaus behandelt werden. (dpa)

Polizeikontrollen in Deutschland über Weihnachten

Die Polizei will die Einhaltung der Coronabeschränkungen an Weihnachten und Silvester scharf kontrollieren. „Wir erhöhen gerade die Präsenz im öffentlichen Raum“, sagte der Vizechef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, der Süddeutschen Zeitung (Dienstagsausgabe). Jedoch werde die Polizei nicht „anlasslos von Haus zu Haus gehen und nachzählen, wie viele Leute am Tisch sitzen“. Wegen des Grundrechts auf Unversehrtheit der Wohnung sei dies auch gar nicht möglich.

„Aber wenn wir Hinweise bekommen, dass irgendwo Regeln verletzt werden, dann gehen wir dem nach“, sagte Radek. An die Bürger appellierte er zugleich, während der Feiertage nicht vorschnell die Polizei zu rufen. Wenn etwa die Nachbarn zu viele Menschen eingeladen hätten, sollten sie zunächst gebeten werden, sich an die Regeln zu halten. „Diese Pandemie erfordert von uns allen auch ein Stück Zivilcourage“, betonte der GdP-Vizechef.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Regierungschefs der Bundesländer hatten im Rahmen des derzeitigen harten Lockdowns strenge Regeln auch für die Feiertage beschlossen. In Bayern etwa darf sich ein Hausstand nur mit vier weiteren engen Verwandten treffen. Für Silvester gilt ein Versammlungsverbot in der Öffentlichkeit. Die Polizei werde dieses Verbot durchsetzen, kündigte Radek an.

Auch die Intensivmediziner in Deutschland appellieren angesichts anhaltend hoher Coronazahlen an die Bürger, an Weihnachten auf Treffen im größeren Kreis zu verzichten. „Wir würden uns wünschen, dass die Menschen sich dieses Jahr auf sich selber zurückbesinnen, ein ganz ruhiges Weihnachtsfest im allerallerengsten Familienkreis feiern“, sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Uwe Janssens, der Deutschen Presse-Agentur. Das wäre eine große Hilfe für alle Pflegekräfte auf den Intensivstationen. (afp/dpa)

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