Airbnb und Abhörgeräte: Überwachungstechnik für daheim

Airbnb bewirbt vergünstigte Über­wachungs­­geräte für seine Vermieter*innen. Das ist nicht überraschend, aber trotzdem besorgniserregend.

Jugendliche feiern hart

Machen Ihre Gäste auch zu viel Lärm? Foto: Logan Weaver/Unsplash

Es sind keine Breaking News, dass so gut wie alle Daten, die man irgendwo hinterlässt, von jemandem zu barem Geld gemacht werden. Ob Facebook, Google oder jedes andere x-beliebige Großunternehmen: Die Privatinformationen der Kunden sind verkäufliche Ware. Der Übernachtungsvermittler Airbnb macht da keine Ausnahme. Seit Neuestem ist die Lautstärke der Gäste in den Urlaubsrefugien Teil der rapide steigenden Datenmenge.

Der US-amerikanische Konzern bewirbt auf seiner Website drei Produkte, die die Lautstärke messen können und die Daten an die Vermieter*innen senden. Wieso? Es sind wohl zu viele Feten aus dem Ruder gelaufen, Beschwerden der ­Anwoh­ne­r*in­nen haben sich gehäuft, und die ganze Mieten-vermieten-Sache ist ohne Überwachung doch viel zu unsicher. Also gab es Konsequenzen: Auf der Website, in der Rubrik „Partyprevention“, bewirbt Airbnb drei Produkte, die sich Vermieter*innen zu reduzierten Preisen beschaffen und in ihren Wohnungen installieren können.

Drei ­Überwachungsprodukte? Da bietet sich natürlich ein Ranking an, am besten nach Fun-Faktor. Auf der drei: Roomonitor. Keine Aufzeichnungen, dafür immerhin 24/7-Real­time-Überwachung. Wenn die ­Soundschwelle überschritten ist, wird der Besitzer/die Besitzerin in Echtzeit benachrichtigt. Auf dem zweiten Platz: Noise­aware. Oder wie es auf ihrer Website heißt: The Smart Noise Monitoring Solution. Smart, weil es die Daten aufzeichnet. Einziger Negativpunkt: Außerhalb Nordamerikas ist das Gerät nicht zugelassen. Aber unangefochten auf Platz 1 rangiert Minut. Nicht nur die Lautstärke, sondern auch Bewegung und Luftfeuchtigkeit werden überwacht. Das ist doch unschlagbar!

Die Sicherheit der Kundendaten steht bei der Benutzung von Airbnb-Angeboten übrigens regelmäßig in Zweifel. Ein kleiner Ausschnitt: Heimlich angebrachte Kameras sind anscheinend eine Epidemie. Selbst ein Superhost (ein*e Vermieter*in mit erhöhter Reichweite durch gute Reviews und viele Gäste) wurde 2019 wegen einer versteckten Kamera im WLAN-Router überführt.

Airbnb selbst patentierte Anfang des Jahres eine Software, die die Persönlichkeit potenzieller Gäste überprüft. Jedem Gast ordnet sie einen Score zu. Punktabzug gibt es bei Social-Media-Bildern mit Drogen, Alkohol oder Sexarbeit. Bei so viel gegenseitigem Vertrauen teilt man doch gern die eigenen ­Daten.

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