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Aidsforschung unter Sparzwang

■ Kein Impfstoff gegen HIV in Sicht / 5. Deutscher Aids-Kongreß in Hannover

Hannover (taz) – Die Zahl der Aids-Erkrankungen hat sich in Deutschland stabilisiert. „Seit 1989 werden jährlich 1.650 neu diagnostizierte Patienten gemeldet.“ Dies gab der Münchener Tropenmediziner Falkner von Sonnenberg auf dem 5. Deutschen Aids-Kongreß, der am Freitag in Hannover zu Ende ging, bekannt. Die Gesamtzahl der HIV-infizierten Personen in der Bundesrepublik wird von Falkner auf 30.000 bis 50.000 geschätzt.

Es wäre jedoch fatal, so Falkner, jetzt die falschen Schlüsse zu ziehen, denn der Virus werde weiterhin in Gruppen mit herkömmlichem Risikoverhalten übertragen. Zudem komme es zunehmend zu heterosexuellen Übertragungen. Für Falkner ist klar: „Wir müssen mit Aids bis ins nächste Jahrtausend leben.“

Für den Vertreter der niedersächsischen Aids-Hilfe, Christoph Schmidtpeter, gibt es dagegen Hinweise, daß infolge zurückgehender Aufklärungsarbeit die Neuinfektionen bei schwulen Männern wieder zunehmen. Er verurteilte die vorgesehenen Sparmaßnahmen der Bundesregierung, die eine Halbierung des Budgets für die Aids- Hilfe vorsehen. Bei einer weiteren Kürzung der Mittel leide zudem auch die Betreuung der Kranken. „Wenn die Gelder nicht mehr kommen, werden bald die ersten Aidskranken unter Brücken krepieren.“

Noch größeren Sparzwängen sehen sich die Wissenschaftler ausgesetzt. Nach Angaben des Erlanger Professors Bernhard Fleckenstein beträgt der Etat für die gesamte Virusforschung im Bundeshaushalt lediglich 18 Millionen Mark. In den Jahren zuvor waren es allein für die Aidsforschung 20 Millionen Mark. Damit liegt die Bundesrepublik weit hinter den anderen westlichen Ländern zurück. In Frankreich werden 80 bis 100 Millionen Mark in die Aids- Forschung gesteckt, und in den USA gebe es sogar einen Forschungsetat von 2,3 Milliarden, berichtete der Vorsitzende der Deutschen Aids-Gesellschaft, Professor Manfred Dietrich. Sie appellierten an den Gesundheitsminister, diese Entwicklung rückgängig zu machen.

Bereits im Vorfeld des Kongresses hatten die Veranstalter vor überzogenen Erwartungen gewarnt: Bahnbrechende Ergebnisse werde es nicht geben. Nicht ganz so pessimistisch zeigte sich die Molekularbiologin Karin Mölling, Direktorin an der Universität Zürich. Sie stellte verschiedene Forschungsansätze vor, die auf einem gentherapeutischen Ansatz basieren und sich zum Teil bereits in der klinischen Prüfungsphase befinden. So werde zum Beispiel versucht, mit der Antisense-Strategie die Virusvermehrung zu verhindern. Dazu wird in die Erbsubstanz des Patienten ein gegenläufiger DNA-Abschnitt eingeführt, mit dem spezielle Gene, die zur Reproduktion des Virus notwendig sind, ausgeschaltet werden sollen. Aber auch wenn sich diese Strategie als erfolgreich erweisen sollte, so Mölling, wird es mindesten noch zwölf Jahre dauern, bis diese Methode dann auch zur Verfügung stehe. Wolfgang Löhr

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