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Afrika-Workshop der taz panterstiftung Mit am Tisch sitzen

Für einen Workshop der taz panterstiftung reisten afrikanische Journalist:innen aus 15 Ländern nach Berlin und Brüssel. Sie wollen gehört werden und mitreden – auch bei Debatten in Europa.

taz panterstiftung | Die taz-Kantine war mit rund 50 Zu­hö­re­r:in­nen beim Afrika-Talk Ende September gut gefüllt, mehr als 1.600 Menschen schauten sich danach das YouTube-Video an. Ganz ordentliche Zahlen, fanden die beteiligten tazler:innen. Aber es geht deutlich besser. Die Teil­neh­me­r:in­nen des 5. Afrika-Workshops der taz panterstiftung jedenfalls, die an diesem Abend ihr gemeinsam produziertes Magazin vorstellten, sind reichweitenmäßig in ganz anderen Sphären unterwegs.

Das Video des mauretanischen Kollegen Saleck Zeid vom ersten Workshop-Tag im taz-Konferenzraum etwa sahen sich 84.000 Menschen an, seinen Auftritt beim taz-Talk 21.000. QTV, der Sender der gambischen Journalistin Lolly M Camara, baute die Veranstaltung in Berlin gleich in die Abendnachrichten ein – wegen der Zeitverschiebung war ihr Beitrag rechtzeitig in Banjul. „Einige Hunderttausend“ werden den in die lokalen Sprachen Maninka, Wolof und Fula übersetzten Bericht gesehen haben, schätzte Camara.

Magazin „trans.continental“

Das beim Workshop entstandene zweisprachige Magazin „trans.continental“ können Sie kostenlos per Mail an stiftung@taz.de bestellen.

Währenddessen berichtete Benadetta Chiwanda Mia für die Medien der Times Group fast täglich aus dem Workshop nach Malawi. Aber auch in Nigeria und Liberia, Uganda oder Äthiopien machte dieser dank der teils sechsstelligen Followerschaft einiger der afrikanischen Kol­le­g:in­nen die Runde.

Resilienz, prekäre Arbeit, Gewalt

In Sachen Social Media ließ sich also einiges von ihnen lernen. In Sachen Resilienz auch. Sendy Forlemu aus dem englischsprachigen Teil Kameruns zum Beispiel musste bei ihrer Rückkehr aus Europa erst einmal tagelang in der Metropole Douala ausharren – eine Weiterfahrt in ihre Heimatstadt Buea war unmöglich. Die Regierung hatte im Kampf gegen die Separatisten die Straßen dorthin sperren lassen.

Ohnehin sind die Arbeitsbedingungen unserer afrikanischen Kol­le­g:in­nen häufig vergleichsweise schwierig. Eine berichtete von 6-Tage-Wochen für einem Monatsverdienst von umgerechnet nur rund 200 Euro, eine andere vom Chef, der rund um die Uhr vollen Einsatz erwarte. Zudem kann es gefährlich werden, wenn man den Mächtigen auf die Finger schaut. Das musste unserer Alumni Kananelo Boloetse aus Lesotho erfahren, Teilnehmer des Afrika-Workshops 2023/24. Boloetse wurde aus seinem Haus entführt und stundenlang misshandelt – mutmaßlich wegen seiner kritischen Berichterstattung über Skandale der Regierung.

Auch was positive Perspektiven angeht war die Begegnug mit den Kolleg:innen lehrreich.

Als die Workshop-Teil­neh­me­r:in­nen am zweiten Abend ihres Besuchs von der Berliner Abgeordnetenhauswahl erfuhren, blickten sie ungläubig aus den Fenstern des Kreuzberger Restaurants. „Alles ruhig“, „gar keine Soldaten auf der Straße“, wunderten sich einige und lobten die Stabilität und demokratische Kultur, die sich für sie darin zeigte. So kann man das natürlich auch sehen.

Afrika hat heute die Wahl

Vor allem aber ließ sich von den Kolleg:in­nen lernen, dass auch Afrika heute die Wahl hat. Während in Europa das Ende der alten Weltordnung ängstlich beäugt wird, sehen afrikanische Akteur:innen stärker die darin liegenden Chancen und sich weitenden Handlungsoptionen.

Im Workshop ging es aber auch um die weiter bestehende Herausforderungen – ob etwa beim Abbau kritischer Rohstoffe bessere „Deals“ mit ausländischen Regierungen und Unternehmen ausgehandelt werden können, damit ein größerer Teil der Wertschöpfung auf dem Kontinent bleibt.

Doch selbst wenn das gelingt: Wer profitiert am Ende dann im eigenen Land davon? Die oft autokratischen Herrscher und ihre Patronage oder breitere Kreise der Bevölkerung? Die ist in Afrika ausgesprochen jung – und fordert ihre Rechte ein. In vielen Ländern des Kontinents protestiert die Gen Z für mehr Mitsprache und bessere Lebensverhältnisse.

Wie sich dabei auch globale Mächte in Afrika einmischen, und die Nationen des Kontinents sich gegen diese Einflussnahme zu behaupten versuchen, wird in den Artikeln unseres 64-seitigen „trans.continental“-Magazins von den beteiligten Journalist:innen unter anderem in Berichten über demokratische Proteste in Gambia und Liberia, Desinformation in Lesotho, die öffentliche Gesundheitsversorgung in Kamerun und Uganda, die Energiewende in Äthiopien oder Rohstoffprojekte in Botswana, Simbabwe und Mosambik analysiert.

Konkurrenz der Weltmächte verschärft sich

Gestaltet wurde das Magazin vom Grafikdesigner Emmanuel Eberenna Ugboaja aus Nigeria, der auch die dazugehörigen Illustrationen entworfen hat. Es sind so dichte wie düstere Collagen in satten Farbtönen, in denen sich der dunkle Zeitgeist spiegelt.

Fünf Monate lang, von April bis September zunächst in Webinaren, hatte die Gruppe bei dem vom Auswärtigen Amt und von der panterstiftung finanzierten Workshop zuvor über die Frage diskutiert, welche Möglichkeiten und Risiken eine Welt birgt, in der sich die Konkurrenz der Weltmächte um Afrika verstärkt – und welche Rolle Europas sie sich darin wünschen.

Zum Abschluss reisten unsere afrikanischen Kolleg:innen elf Tage nach Berlin und Brüssel. Hier gab es unter anderem Gespräche mit Wissenschaft und Zivilgesellschaft, Treffen im Auswärtigen Amt, weitere mit Politikern des Bundestages in Berlin und im EU-Parlament und mit der EU-Kommission in Brüssel.

Die Studios der Deutschen Welle und die NGO Tactical Technology Collective im Publix-Haus für Journalismus in Berlin-Neukölln wurden ebenso besucht wie die Bundespressekonferenz und die jährliche Versammlung der taz-Genossenschaft, der Afrika-Verein der Deutschen Wirtschaft und die Stiftung Wissenschaft und Politik.

EU setzt weiter auf Abschottung

Es sind keine einfachen Zeiten für die Europäische Union und ihr Verhältnis zu Afrika. Andere Mächte wie China, Russland und die Golfstaaten weiten ihren Einfluss auf dem Kontinent aus, während im Sahel und in Westafrika der Furor gegen die früheren Kolonialmächte wächst.

Was bedeutet es da, wenn die EU weiter auf Abschottung setzt, in ihrer Afrika-Politik vor allem die eigenen Interessen betont und anstelle der herkömmlichen Entwicklungszusammenarbeit zunehmend auf privates Investment setzt? Wie eine progressive internationale Migrations-, Steuer- und Schuldenpolitik aussehen könnte, welche die Länder des Globalen Südens und ihre Forderungen ins Zentrum rückt, wurde schließlich beim Treffen mit Vertreter:innen des EuroMed Networks und des European Network on Debt and Development (Eurodad) im Brüsseler Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung skizziert.

Ihre Erfahrungen in Europa können die afrikanischen Journalist:innen nun mit einer anderen vergleichen. Denn wie sich herausstellte, war ein Teil von ihnen in der Vergangenheit schon zu Workshops nach China eingeladen – oder es steht ein Besuch dort unmittelbar bevor.

Der Text ist in einer kürzeren Fassung zuerst in der wochentaz vom 03.10.2026 erschienen.