Internationaler Austausch : Afrika
Seit 2017 konnten sich mehr als 75 afrikanische Kolleg:innen aus rund 40 Ländern Afrikas in Workshops der Panter Stiftung begegnen.
Illustration: Lomedy Mahkalo
Seit 2017 kamen mehr als 75 Kolleg:innen aus etwa 40 Ländern Afrikas auf Einladung der taz panterstiftung und des Auswärtigen Amtes in Berlin zusammen. Fünf Workshops haben seither stattgefunden: zum Afrika-Schwerpunkt der deutschen G20-Präsidentschaft im Jahr 2017, zur Zukunft Nigerias 2019, zu den Folgen der Covid-Pandemie für das Verhältnis zwischen Afrika und dem Westen im Jahr 2021/22 sowie in den Jahren 2023/24 und 2026 zur Konkurrenz der Großmächte um Einfluss in Afrika. Christian Jakob aus der taz-Redaktion und Ole Schulz von der panterstiftung leiten das Projekt.
Zeitraum: seit 2019
Kosten: aktuell ca. 140.000 € pro Workshop
Unser Kooperationspartner: Auswärtiges Amt, Rosa-Luxemburg-Stiftung
Was unsere afrikanischen Kolleg:innen aus diesen Workshops hoffentlich mitnehmen, sind neue Impulse für die eigene Arbeit – vor allem das Kennenlernen europäischer Perspektiven auf Themen, die für beide Kontinente von Bedeutung sind. Ihnen diese Blickwinkel zu ermöglichen, sehen wir als unsere vorrangige Aufgabe an. Denn mit afrikanischen Expert:innen können sie selbst in Kontakt treten.
Die Möglichkeit aber, an globalen Debatten zu partizipieren, sind für afrikanische Medienschaffende sehr begrenzt: Reisen, etwa für Recherchen oder zu Konferenzen, sind teuer, Visa werden weiterhin nur sehr restriktiv vergeben. Sich bei Themen von globaler Relevanz außerhalb Afrikas einzubringen, ist daher oft sehr schwer. So bleibt der Austausch zwischen Afrika und Europa trotz der geografischen Nähe und der gemeinsamen Geschichte oft eng begrenzt. Die taz Panter Afrika Workshops sollen dazu beitragen dies zu ändern.
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Seit 2021 finden die Workshops im Hybridformat statt: Während einer etwa halbjährigen Phase mit regelmäßigen Online-Sessions lernen die Teilnehmer:innen sich kennen, erkunden gemeinsam ein Thema und entwickeln ein Magazin. Am Ende kommen sie für zehn Tage zu Gesprächen, Seminaren, Trainings und der Vorstellung des Magazins nach Berlin und Brüssel.
Eine praktische Herausforderung ist dabei die Sprache. Beim ersten Workshop 2017 waren frankofone und anglofone Kolleg:innen dabei, um nicht ganze Regionen ausschließen zu müssen. Das ging, war aber sehr mühsam, teuer und zeitaufwendig, weil alles doppelt übersetzt werden musste. Jetzt müssen die Teilnehmer:innen aus nicht anglofonen Ländern Englisch sprechen.
Die zweite Herausforderung ist der Netzzugang. Aufgrund der Pandemie haben wir ein hybrides Workshopformat entwickelt: Erst kommt eine Phase digitaler Meetings, bevor wir die Journalist:innen für eine Woche nach Berlin einladen. Die Internetverbindung der Teilnehmer:innen muss daher gut genug sein, um den Videosessions folgen zu können. Das merkt man aber meist erst nach dem ersten oder zweiten Termin.
Afrika galt lange als Kontinent der Kriege, Krankheiten und Katastrophen. Doch inzwischen ist angesichts geopolitischer Verschiebungen und knapper Ressourcen ein neuer Wettbewerb globaler Mächte um Afrika entbrannt. Diese treffen auf zunehmend selbstbewusste afrikanische Akteur:innen, die die lange versprochene Partnerschaft auf Augenhöhe endlich umgesetzt sehen wollen.
Es sind oft beeindruckende Geschichten, die wir bei den Workshops von unseren Kolleg:innen aus Afrika zu hören bekommen: Zum Beispiel, wenn ein nigerianischer Kollege davon erzählt, wie er in Maiduguri in Nordnigeria einen neuen Radiosender aufgebaut hat. Er berichtet vor allem zu den Umtrieben der islamistischen Boko Haram, die dort ihren Schwerpunkt hat. Für die Bewohner:innen der Region sind die Infos des Senders teils von existenzieller Bedeutung. Gleichzeitig ist das Radio der Terrorgruppe ein Dorn im Auge und mit ihren Büros ist der Sender stets sicht- und angreifbar.
Es ist unfassbar mutig von ihnen, trotzdem vor Ort zu bleiben. Ein weiteres Beispiel sind die Schilderungen einer sudanesischen Kollegin über die Phase des Sturzes des Diktators und Kriegsverbrechers Omar al-Baschir, die Hoffnung auf eine demokratische Zukunft – und deren Zerschlagung durch die neue Militärregierung. Oder die vielen Frauen, die in patriarchalen und autoritären Gesellschaften als Journalistinnen in die Öffentlichkeit treten – das kostet wahnsinnige Kraft.
Seit Jahren entsteht bei jedem Workshop eine Ausgabe des jeweils etwa 60-seitigen, zweisprachigen Magazins „trans.continental“. Deren Texte erscheinen zudem auf Sonderseiten der taz und werden hier online veröffentlicht.
Ausgabe 3, September 2026: „Global Powers, Local Realities – Africa’s Future Amid Global Powerplays and the Fight for Self-Rule“
Ausgabe 2, Januar 2024: „Africa’s Future and the Competition of Global Powers“
Ausgabe 1, Mai 2022: „African-European Reflections“
Die Magazine können bei der taz panterstiftung per Mail mit dem Betreff „Afrika-Magazin“ an stiftung@taz.de bestellt werden.
Die Magazin-Texte, die im Rahmen der Workshops erschienen sind, finden Sie zudem auch im Afrika-Schwerpunkt der panterstiftung.