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Afrika-Cup in MarokkoAkor Adams Siegtore für Nigeria

FC-Sevilla-Spieler Akor Adams war zu Beginn des Afrika-Cups noch etwas hölzern dahergekommen. Jetzt ist er aus dem Team nicht mehr wegzudenken.

Nigerias Angreifer Akor Adams jubelt über sein zweites Tor Foto: Amr Abdallah Dalsh/reuters

Aus Marrakesch

Olaf Jansen

Als Akor Adams am Samstag endlich getroffen hatte, war dem Stürmer Nigerias die Erleichterung aus dem Gesicht abzulesen. Losgelöst sprintete der 25 Jahre alte Angreifer des spanischen Erstligisten FC Sevilla nach seinem Treffer in der 57. Minute zum vorentscheidenden 2:0 gegen Algerien zur Eckfahne und hob den rechten Arm gen Himmel. Es war dies ein Tribut an Michel Kuka Mboladinga. Jenen Fan der Demokratischen Republik Kongo, der bei diesem Afrika-Cup bekannt geworden ist. In Patrice-Lumumba-Pose hatte Kuka Mboladinga während der Kongo-Spiele 90 Minuten regungslos in der Pose des kongolesischen Freiheitskämpfers auf der Tribüne gestanden.

Das Spiel selbst war erstaunlich einseitig verlaufen. Das erfahrene Algerien mit seinem Star Riyad Mahrez war eigentlich leicht favorisiert ins Match gegangen, hatte der Offensivpower der „Super Eagles“, wie Nigerias Spieler genannt werden, dann allerdings kaum etwas entgegenzusetzen. Natürlich waren der flinke Dribbler Ademola Lookman von Atalanta Bergamo und Nationalheld Victor Osimhen von Galatasaray Istanbul die größten Hingucker, doch an ihrer Seite spielte auch Adams ganz groß auf. Das 1,90 Meter große Kraftpaket, das zu Anfang des Turniers noch etwas hölzern daherkam, ist mittlerweile nicht mehr aus dem Team der Westafrikaner wegzudenken. „Er ist ein sehr intelligenter Spieler. Er bewegt sich viel und sorgt dafür, dass wir viele Räume im Angriffsdrittel bekommen“, lobt Sturmpartner Lookman. Und sein Trainer Eric Chelle, der den bis vor wenigen Wochen in Nigeria eher unbekannten Angreifer quasi entdeckt hat, ist sich sicher: „Akor entwickelt sich im Moment geradezu rasend. Wenn das so weiter geht, steht ihm noch eine große Karriere bevor.“

Dass Adams überhaupt bei den Super Eagles landete, hat er zweifelsohne Nationaltrainer Chelle zu verdanken. Der berief ihn im Oktober in einem WM-Qualispiel gegen Lesotho zu seinem Länderspieldebüt. Der aus Benue ganz im Osten Nigerias gelegen stammende Adams traf beim 2:1 gleich zum Siegtreffer.

Es war ein vorläufiger Höhepunkt einer bis dahin eher holprig verlaufenen Profikarriere. Adams hatte das Fußballspielen in einer der zahlreichen nigerianischen Fußballakademien erlernt und wurde 2018 sozusagen in den hintersten Winkel des europäischen Vereinsfußballs vermittelt. Er landete im norwegischen Sognalsfjora, beim dortigen Zweitligisten Sognal IF – mitten im zerklüfteten norwegischen Fjordland. Mit dem Fußball ging es so mittelmäßig voran – 2020, nach einer völlig verkorksten Spielzeit, die ihm einen Stammplatz auf der Tribüne beschert hatte, schien es fast schon wieder vorbei zu sein mit der Profikarriere. Adams stand kurz vor der Rückkehr in sein Heimatland. Er blieb dann doch, und ein Jahr später spielte Adams plötzlich. Und: er schoss Tore. Erstligist Lilleström trat auf den Plan, holte ihn und verkaufte ihn 2023 gewinnbringend nach Frankreich, zum SC Montpellier.

Genau dort entdeckte ihn Eric Chelle, damals Nationaltrainer Malis. Chelle war in der Stadt, um seine malischen Nationalspieler Boubakar Kouyate, Modibo Sagnan und Falaye Sacko zu beobachten. Den größten Eindruck hinterließ aber Adams. „Seitdem habe ich ihn im Blick“, verriet Chelle kürzlich.

Seit Anfang 2025 spielt Adams beim FC Sevilla in Spanien, seine aktuellen Auftritte im Nationalteam könnten sicher bald die Türen zu noch größeren Klubs eröffnen.

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