Zehn Jahre ist es her, dass Angela Merkel erklärt hat: „Wir schaffen das“. Die großen Fragen von damals sind auch die großen Fragen von 2025: Wie vor zehn Jahren beschäftigen uns die Ankunft und Integration von Kriegsflüchtlingen, die brutale Abschottung im Mittelmeer, der Aufstieg der AfD und rechter Terror.
Aber Deutschland ist nicht mehr das Land von 2015. Der Westen steckt in einer tiefen Krise, Geflüchtete kommen jetzt teils aus Belarus über die Grenze, gezielt eingesetzt als „hybride Waffe“. Die AfD ist keine neue Kraft mehr, die mit der 5-Prozent-Hürde kämpft, sondern stellt die zweitgrößte Fraktion im Bundestag. Und an der Spitze des Landes steht nicht mehr Angela Merkel, sondern Friedrich Merz. Migration ist zu einer Chiffre geworden für die ungelösten Probleme einer progressiven Gesellschaft, eines weltoffenen Landes, dessen vermeintlicher Wertekonsens wackelt. Die taz schaut hin.
Fluchtgedichte
Ahmad Katlesh wurde 1988 in Damaskus geboren. Nach der Revolution in Syrien 2011 und dem Beginn des Bürgerkriegs floh er nach Jordanien, wo er als Journalist arbeitete. 2016 kam er mit einem Stipendium nach Deutschland. Heute lebt er als Dichter, Sprecher und Journalist in Berlin.
Sam Zamrik wurde 1996 in Damaskus geboren. Zamrik floh 2015 vor dem syrischen Bürgerkrieg nach Deutschland. Heute lebt Zamrik in Berlin, dichtet und übersetzt und ist auch in der politischen Bildung tätig. 2022 veröffentlichte Zamrik den Lyrikband „Ich bin nicht“.
Meral Şimşek ist Kurdin und kam 1980 in Ostanatolien zur Welt. Für ihre Texte wurde die Autorin von den türkischen Behörden verfolgt. 2021 floh sie nach Griechenland, wo sie von der Polizei misshandelt und illegal zurück in die Türkei gezwungen wurde. 2022 gelang ihr die Flucht nach Deutschland.
Stella Nyanzi wurde 1974 im ugandischen Masaka geboren und ist Gender-Forscherin und Dichterin. Im Streit über Hygieneprodukte an Schulen nannte sie 2017 Ugandas Präsidenten „Arschbacke“ – und wurde inhaftiert. Sie kritisierte die Regierung weiter und floh 2022 nach Deutschland.
Volha Hapeyeva kommt aus dem belarussischen Minsk, wo sie 1982 geboren wurde. Die Lyrikerin, Autorin und Übersetzerin lebt seit den Protesten gegen die gefälschten Präsidentschaftswahlen 2020 im deutschen Exil. Ihr Buch „Die Verteidigung der Poesie in Zeiten dauernden Exils“ erschien 2022.
Mazda Mehrgan kommt aus Afghanistans Hauptstadt Kabul, wo sie 1999 geboren wurde. Mit 16 Jahren fing sie an zu schreiben. Während ihres Studiums der Medizintechnik kamen die Taliban zurück. Bis 2022 hielt sie in Afghanistan aus, dann floh sie nach Deutschland. Heute lebt sie in Bad Driburg.
Parwana Amiri stammt aus der afghanischen Provinz Herat, wo sie 2004 geboren wurde. 2018 musste sie mit ihren Eltern und Geschwistern vor den Taliban fliehen. Die Familie strandete auf Lesbos im berüchtigten Flüchtlingslager Moria. Dort begann Amiri via Social Media auf die Situation im Lager aufmerksam zu machen. Und sie begann zu schreiben. 2022 kam sie nach Deutschland, wo sie heute als Dichterin, und Aktivistin lebt.
Thaer Ayoub ist Dichter, übersetzt Literatur, unterrichtet Arabisch und organisiert Lesungen. Er wurde 1989 im syrischen Aleppo geboren. Dort studierte er arabische Literatur. 2015 floh er nach Deutschland. Heute lebt er in Chemnitz und Berlin. 2017 veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband in Deutschland: „Katharina und Aleppo“. Dann erschien „Der verdammte Flüchtling“, 2022 „Helen bringt Troja den Frieden zurück“.
Mahtab Yaghma ist Dichterin, Songwriterin und Aktivistin für Frauenrechte. Sie wurde 1983 im iranischen Nischapur geboren. Trotz der strengen Zensur in der Islamischen Republik gelang es Yaghma, zwei Gedichtbände zu veröffentlichen. 2019 organisierte sie Proteste gegen das islamistische Regime mit. In der Folge musste sie Iran verlassen: Erst floh sie in die Türkei, dann 2024 nach Deutschland.
Julia Cimafiejeva wurde 1982 geboren und wuchs in einem Dorf im Südosten von Belarus auf, nachdem ihre Familie ihr Haus wegen des Reaktorunfalls in Tschernobyl 1986 verlassen musste. Sie studierte Anglistik und Literaturwissenschaft in Minsk. 2020 beteiligte sie sich an den Protesten gegen Präsident Alexander Lukaschenko und dessen offensichtliche Wahlfälschung. Wenig später emigrierte sie nach Österreich. Heute lebt Cimafiejeva als Lyrikerin in Berlin. Fünf ihrer Bücher wurden ins Deutsche übersetzt.
Hanadi Zarka ist 1974 in der syrischen Küstenstadt Jableh geboren. Mit zehn Jahren schrieb sie ihre ersten Gedichte. Seit die Proteste in Syrien im Jahr 2011 begannen, unterstützte die gelernte Agraringenieurin ehrenamtlich syrische Binnenflüchtlinge. Seit 2022 lebt sie in Berlin. Neben Gedichten schreibt Zarka auch Kinderbücher und arbeitet als Journalistin. 2025 veröffentlichte sie den deutsch-arabischen Gedichtband „Wie ein Herz am Hauseingang“.
Sozdar Jafarzade kommt aus der kurdischen Stadt Êlih in der Südosttürkei. Die Sozialpädagogin arbeitet als Koordinatorin für ambulante Hilfen zur Erziehung beim Träger Yekmal e. V. Außerdem schreibt sie gerade an einer Kinderbuchreihe, in der die Biografien kurdischer Frauen vorgestellt werden.
Anastasiia Dunaieva ist 25 Jahre alt, kommt aus der Region Saporischschja in der Ukraine und ist ausgebildete Psychologin. Nach dem russischen Angriff floh sie 2022 mit einer Freundin nach Deutschland. Ihre Familie ist bis heute in der Ukraine. Wenn Dunaieva nicht gerade Gedichte schreibt, ist sie Schauspielerin am Theater.
Ali Alzaeem ist im syrischen Idlib aufgewachsen. Mit 10 Jahren hat er sein erstes Gedicht geschrieben. Im Sommer 2015 kam er mit seiner Familie nach Deutschland. Er hat Logistik in Berlin studiert und arbeitet mittlerweile als Referent für Digitalisierung in der Energiebranche. Nebenbei leitet er Workshops für kreatives Schreiben.
Mariia Kaziun wurde 2004 in Kyiv in der Ukraine geboren. Nach dem russischen Großangriff 2022 floh sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder nach Deutschland. Ihr Vater kämpft in der ukrainischen Armee. Neben Gedichten beschäftigt sich Mariia Kaziun auch mit digitaler Kunst, Malerei und Musik.
Stella Nyanzi urde 1974 im ugandischen Masaka geboren und ist Gender-Forscherin und Dichterin. Im Streit über Hygieneprodukte an Schulen nannte sie 2017 Ugandas Präsidenten „Arschbacke“ – und wurde inhaftiert. Sie kritisierte die Regierung weiter und floh 2022 nach Deutschland.
Meral Şimşek ist Kurdin und kam 1980 in Ostanatolien zur Welt. Für ihre Texte wurde die Autorin von den türkischen Behörden verfolgt. 2021 floh sie nach Griechenland, wo sie von der Polizei misshandelt und illegal zurück in die Türkei gezwungen wurde. 2022 gelang ihr die Flucht nach Deutschland.
Abdulsalam Atto kommt aus Kobanê in Syrien, wo er 1987 geboren wurde. Schon als Jugendlicher begann er Gedichte zu schreiben. Er studierte Anglistik und arbeitete als Lehrer. Um dem Wehrdienst in der syrischen Armee zu entgehen floh er 2013. Heute lebt er in Berlin und arbeitet in einem sozialen Beruf.
Galal Al-Ahmadi ist Jemenit und wurde 1987 in Saudi-Arabien geboren. Er studierte im Jemen und musste von dort nach Ausbruch des Bürgerkriegs fliehen. Seit 2020 lebt er in Berlin, wo er neben Gedichten auch Texte für verschiedene arabische Magazine schreibt. Im selben Jahr erschien sein arabisch-deutscher Gedichtband „Die Leere der Vase“.
Rojin Namer stammt aus der syrischen Hauptstadt Damaskus und wurde dort 2002 als ältestes von fünf Kindern geboren. Im Alter von nur 15 Jahren floh sie vor dem Bürgerkrieg nach Deutschland. Heute studiert sie in Berlin Reha-Pädagogik und gewann bereits mehrere Preise für ihre Gedichte.
Volha Hapeyeva kommt aus dem belarussischen Minsk, wo sie 1982 geboren wurde. Die Lyrikerin, Autorin und Übersetzerin lebt seit den Protesten gegen die gefälschten Präsidentschaftswahlen 2020 im deutschen Exil. Ihr Buch „Die Verteidigung der Poesie in Zeiten dauernden Exils“ erschien 2022.