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08.09.2025 , 14:29 Uhr
Niemand will Fragen nach erogenen Zonen verbieten. Warum auch? Solange sie sich Menschen gegenseitig stellen, die einander nahestehen oder gerade beim Thema erogene Zonen sind.
CoolingDown, sehr gern: zum Beispiel mit diesem sehr sehr guten Text von Georg Kasch zur Problematik des Cripping Up innerhlab der Theater- und Filmwelt: nachtkritik.de/rec...ehinderung-spielen
zum Beitrag08.09.2025 , 13:05 Uhr
Danke für die spannende, wichtige Erwiderung, die mir bisher im Diskurs gefehlt. Ich bin etwas erschrocken über die Argumente, die ich in den Kommentaren hier mehrmals lese und möchte besonders einen Punkt ergänzen. Mehrmals lese ich hier, dass nicht veränderliche Identitätsmerkmale (wie z.B. Behinderung) verglichen werden mit Berufen (der Papst). Es ist ein Unterschied, sich ein Identitätsmerkmal anzueignen, für das Menschen diskriminiert werden, sich dafür loben zu lassen ("ich habe mich für die Rolle ganz eingehend mit dieser Gruppe / diesem Bewegungsstil / ... beschäftigt"), dafür Honorare und Preise einzustreichen, das öffentliche Bild darüber (falsch) zu prägen, Stigmatisierung zu fördern und behinderten Schauspielenden (die aufgrund von Zugang zu Ausbildungen und Arbeitsräumen in diesem Job-Feld deutlich schlechtere Chancen haben) Jobs wegzunehmen – oder einen Beruf zu darzustellen. Die Autorin nutzt die Aufzählung "behinderte lesbische Migratin", um darauf zu verweisen, dass auch Menschen außerhalb der sogenannten Normgesellschaft – nur an die denkt Iris Berben in ihrem Text – Schutzräume und Chancengleichheit zustehen. Warum sollten wir diskriminierende Räume schützen?
zum Beitrag08.09.2025 , 12:46 Uhr
Mit dieser Argumentation sollte sie als behinderte lesbische Migrantin den gleichen Schutzraum am Theater und in der Kunst genießen wie Menschen aus der Dominanzgesellschaft oder der schreiende Regisseur, den Iris Berben in ihrem Text erwähnt, den sie als vielleicht "nervös" oder "unsicher" verteidigt und der deshalb den Schutzraum brauche. Mit dieser Argumentation dürfte sie jede Rolle spielen – sei es Bankerin, Lehrerin, Kaiserin, die Rolle wäre dann behindert. Vielleicht auch lesbisch oder migrantisch, vielleicht auch nicht. Mit welcher guten Begründung sollten wir exkludierende Strukturen mit dem Geschmäckle der "guten alten Zeit" aufrecht erhlaten, etwa "weil das schon immer so war"?
zum Beitrag08.09.2025 , 10:46 Uhr
Einen Papst spielen, also einen Beruf nachzuahmen, ist etwas anderes, als ein Identitätsmerkmal – wie Behinderung – nachzuahmen, das im Leben von Betroffenen täglich zu Diskriminierung führt. Die Forderung ist ja nicht: "alle dürfen nur noch den Beruf mimen, den sie mal gelernt haben". Die Forderung ist, dass eben auch von Diskriminierung betroffene Menschen im gleichen Beruf die gleichen Chancen zustehen. Dass der Schutzraum Theater, Film und Kunst eben für alle gilt und nicht nur für die Dominazgesellschaft. Dass Hauptrollen nach Talent besetzt werden und marginalsierte Menschen nicht systhematisch ausgeschlossen werden, bestenfalls als Token in einer Nebenrolle herhalten dürfen. Und eben auch, dass bestimmte Identitätsmerkmale nicht gespielt werden, weil sie nachhaltig negativ oder falsch das Bild über genau diese Gruppe prägen. Erinnern Sie sich auch noch daran, wie nach dem Film "Ziemlich beste Freunde" behinderte Menschen gefragt wurden, ob Ohren auch ihre erogene Zone sind? Ich schon und mich gruselt die Erinnerung. Blackfacing, Cripping Up, das darf nicht passieren. Einen Beruf spielen selbstverständlich schon.
zum Beitrag08.09.2025 , 10:21 Uhr
Das Schöne ist ja, sie kann eine migrantische Lesbe spielen, die Chefin ist, Zoowärterin ist, Kinder hat, im Auto lebt ... sie kann auch keine migrantische Lesbe spielen. Wie Sie sicher bemerken, lassen sich bestimmte Identitätsmerkmale wie Behinderung aber nicht spielen – bei Blackfacing haben wir hoffentlich auch alle verstanden, dass dies eine diskriminierende Praxis ist. Wieso diskutieren wir bei Cripping Up? Die Dimension "Behinderung", die die Autorin in der Aufzählung nennt, lassen sie hier geschickt unerwähnt und reißen die Aufzählung aus dem Kontext, in dem es um den Schutzraum geht, der nicht nur schreienden Regiesseuren (erwähnt in Berbens Text) vorbehalten sein darf. Dass behinderte, intersektional diskriminierte Schauspielende aufgrund von Zugängen, Arbeitsbedingungen und Ableismus keinesfalls die gleichen Chancen haben, ist bekannt. Dass nichtbehinderte Personen für das "spielen" von Behinderung, für das "sich in den Rollstuhl setzen" Preise erhalten (Eddy Redmayne erhielt für "Die Entdeckung der Unendlichkeit" den Oscar, "Ziemlich beste Freunde" war sehr erfolgreich) auch. Behinderte Schauspielende werden da nicht besetzt. In ihren Worten: Finde den Fehler.
zum Beitrag27.10.2024 , 13:26 Uhr
Es ist natürlich absolut okay, dass Sie das Stück nicht ansehen. Es zu kritisieren, dabei ausschließlich auf die Berichterstattung von Bouleward-Medien einzugehen, funktioniert dann aber nicht. Sie verweisen auf Szenen, die es im Stück nicht gibt. Einen "Jesus im Bondage-Look" gibt es nicht. Jesus ist in jeder Sekunde der Oper angezogen. Wahrscheinlich referenzieren Sie auf ein Pressefoto, auf dem Teile von Genesis 1 vorgelesen werden. Es geht um den Moment, in dem Adam in die Frucht beißt und erfährt, dass er nackt ist. Die Schauspielerin ist in diesem Moment an Gurten in der Luft – Sicherheitsmaßnahme, kein Bondage. Und dass Adam nackt ist, ehe er sich bedeckt (auch das passiert in SANCTA), wissen Sie sicher. Die BILD-Zeitung hat diese Adam-Figur fälschlicherweise als Jesus bezeichnet – ich vermute, Sie sind auf die BILD reingfallen.
Niemand in dem Sück will Kirche verunglimpfen. Fast alle haben biografische Erfahrungen mit Kirche. Viele erzählen auf der Bühne von ihrem Glauben. Die Performerinnen sind die Betroffenen, von denen sie schreiben.
Und in linken Kreisen engagiert man sich (ehrenamtlich) sehr viel. Und manchmal – so wie Sie sicher auch – sitzt man auf der Couch.
zum Beitrag26.10.2024 , 10:03 Uhr
Ich weiß nicht, welche Verunglimpfung gemeint ist. Aber bei meinem bisherigen Opernbesuchen von "Sancta" konnte ich außer einer sehr differenzierten Exegese, bildlichen Bibeldarstellungen, fantastischer Musik-, Gesang- und Tanznummern und einer respektvollen Performance anhand der christlichen Liturgie nichts feststellen. Der starke Eindruck entsteht, dass die Personen, die dem Stück Verunglimpfung vorwerfen, das Stück nicht gesehen haben – auch der Stuttgarter katholische Stadtdekan Christian Hermes, der das Stück öffentlichkeitswirksam kritisierte, hat es leider nicht gesehen.
Tatsächlich gab es aber durchaus Priester, die das Stück beraten haben und andere, die es gut fanden. www.evangelische-z...en-auf-oper-sancta
zum Beitrag26.10.2024 , 09:55 Uhr
Ich frage mich, ob Sie die Opernperformance gesehen haben.
Ich war bisher 3 Mal in der Opernperformance "Sancta" Anfang des Jahres in Schwerin und werde sie heute zum 4. Mal in Stuttgart besuchen. In keiner der von mir besuchten Vorstellung wurde die christliche oder katholische Religion verunglimpft. Im absoluten Gegenteil. Stattdessen findet eine sehr respektvolle und differenzierte Performance statt, die der Liturgie einer klassischen christlichen Messe folgt. Keine Verunglimpfung, kein lustig machen. Stattdessen eine sehr akurate und wörtliche Darstellung von Bibelstellen, Erfahrungsberichte der Performerinnen mit ihren persönlichen Erfahrungen mit der Kirche – schönen und schrecklichen – und einer Jesus-Interpretation eines liebenden, und auch überlasteten Heiligen. Man merkt dem Stück an, wie genau und respektvoll Exegese betrieben wird. Und ja, "Sancta" setzt sich mit den Themen Körper, Weiblichkeit und Kirche auseinander mit Mitteln der performativen Kunst. Zwei kurze Szenen wurden von der Regenbogen-Presse aufgegriffen, die absolut nicht das 3-stündige Stück beschreiben. Als Person mit christlichem Hintergrund konnte ich keine Verletzung religiöser Gefühle sehen.
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