ICE in Texas: Beamte schießen Mann an
Die ICE steht wegen Gewalt gegen Migranten in der Kritik. Nun fallen erneut Schüsse, diesmal in Austin. Der Bürgermeister der Stadt fordert Aufarbeitung.
Foto: Joel Angel Juarez/ap/dpa
dpa | Beamte der umstrittenen US-Einwanderungsbehörde ICE haben in der texanischen Großstadt Austin einen Mann angeschossen. Er sei schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht worden, schwebe aber nicht in Lebensgefahr, erklärte Bürgermeister Kirk Watson.
„Ich bin darüber sehr wütend“, sagte er vor Journalisten. Viele Details des Vorfalls seien noch unklar. Watson betonte aber, es sei inakzeptabel, dass Beamte einer Behörde, die vorgebe, für Recht und Ordnung zu sorgen, auf offener Straße auf Menschen schießen.
Ein Schuss traf den Mann am Sonntag im Bereich des Oberkörpers, wie die Polizei erklärte. Unklar blieb zunächst, ob ihn die Kugel von vorn in die Brust oder von hinten in den Rücken traf. Fotos vom Tatort legen nahe, dass sich der Mann in seinem Auto befand, als die Schüsse fielen.
Ein Venezolaner, der sich illegal im Land aufgehalten hat
Das Heimatschutzministerium, dem ICE untersteht, erklärte auf der Plattform X, es handle sich bei dem angeschossenen Mann um einen, der nun in Gewahrsam der Bundesbehörden sei, bevor er abgeschoben werde. Dieser habe sich illegal im Land aufgehalten, hieß es. Der Vorfall werde nun untersucht.
Bürgermeister Watson und Austins Polizeichefin Lisa Davis forderten, dass die örtliche Polizei in die Aufarbeitung des Vorfalls eingebunden werden müsse. Eine Untersuchung allein durch die Bundesbehörde ICE verbiete sich aus Gründen der Transparenz, sagte der Demokrat Watson. Die ICE-Aktivitäten gegen Migranten in seiner Stadt hätten in diesem Monat stark zugenommen.
„Der Horror ist in unsere Stadt gekommen“
Am Ort des Zwischenfalls kam es spontan zu kleineren Protesten gegen das Vorgehen der Bundesbehörde. Der Abgeordnete Greg Casar, in dessen Wahlkreis Austin liegt, forderte eine „vollständige, unabhängige Untersuchung“ und sofortige Veröffentlichung der Videos von den Bodycams der beteiligten Einsatzkräfte. Der verantwortliche ICE-Beamte müsse zur Rechenschaft gezogen werden. „Immer wieder hat ICE auf Menschen geschossen und dann gelogen über das, was passiert ist“, kritisierte der Demokrat. „Der Horror ist in unsere Stadt gekommen.“
US-Präsident Donald Trump setzt seit seinem Amtsantritt vor gut eineinhalb Jahren auf einen sehr harten Kurs gegen Migranten, die vorbestraft sind oder keinen gültigen Aufenthaltstitel haben. Der Republikaner fordert Massenabschiebungen und setzt dabei vor allem auf die zunehmend umstrittene Bundesbehörde ICE, deren Beamte Razzien und Festnahmen übernehmen.
Die teils brutalen Einsätze der von Trump massiv verstärkten Behörde stoßen in den USA auf viel Kritik – so war es unter anderem Anfang des Jahres nach tödlichen Schüssen auf zwei US-Amerikaner im Bundesstaat Minnesota. Der für die Einsätze zuständige Hardliner Gregory Bovino musste daraufhin gehen. Seither gehen die Beamten zwar etwas weniger martialisch vor – doch die Einsätze gehen im ganzen Land weiter.
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