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Geflüchtete in CeutaVom Strand an den Hafen

Seit Wochen harren Hunderte Migranten in provisorischen Unterkünften am Strand von Ceuta aus. Madrid greift durch und verlegt die Menschen in neue Lager.

Reiner Wandler

Aus Madrid

Reiner Wandler

Die improvisierten Unterkünfte, die die Migranten in den letzten Wochen an den zwei Stränden Trampolín und Benítez in Ceuta errichtet hatten, wurden am Freitag geräumt. Die Polizei geleitete die Migranten in ein Auffanglager im Hafen. Die meisten hatten am 30. und 31. Juli bei einem Ansturm auf die spanische Exklave, aus Marokko kommend, die Grenzanlagen umschwommen. Am Hafen hat die Regierung Zelte errichten lassen. Mindestens 1.800 Menschen sollen dort unterkommen.

Ob dies reicht, ist nicht klar. Medienberichten zufolge sollen sich zwischen 3.000 und 4.000 Migranten seit rund einem Monat in Ceuta befinden. Unter denjenigen, die übergeführt werden sollen, befinden sich auch Minderjährige. Diese sollen in gesonderte, spezielle Unterkünfte gebracht werden.

Die Polizei teilte die Migranten in Gruppen ein und brachte sie zu Fuß in den zwei Kilometer entfernten Hafen, wie im staatlichen Fernsehen TVE zu sehen war. Es blieb nicht immer friedlich. Bei den ersten Gruppen am Morgen kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Dutzende Migranten versuchten das neu errichtete Auffanglager zu stürmen, um sich einen Platz zu sichern. Die Polizei stoppte sie. Dabei wurden einige Personen verletzt, wie Videos der Regionalzeitung El Faro de Ceuta zeigen. Einmal im Auffanglager angekommen, werden die Migranten identifiziert und müssen durch einen Metalldetektor. Im Innern der Zelte warten Etagenbetten auf sie.

Sánchez will Normalität zurück

Schon drei Stunden vor der Überführung hatte die paramilitärische Polizei Guardia Civil Stellung an beiden Stränden bezogen. Sie versammelte die Migranten, um sie später dann in Gruppen aufzuteilen und der Polizei zu übergeben. Insgesamt sind laut offiziellen Angaben rund 240 Polizeibeamte im Einsatz.

Mit der Verlegung der Migranten in den Hafen will die Zentralregierung unter Ministerpräsident Pedro Sánchez wieder Normalität in Ceuta schaffen. Immer wieder waren Versuche, provisorische Lager in leerstehenden Gebäuden einzurichten, am Widerstand der konservativen Regionalregierung gescheitert. Madrid beklagt sich zudem über mangelnde Zusammenarbeit. Der Hafen war so etwas wie die letzte Lösung, denn er untersteht dem Madrider Verkehrsministerium. Erst einen Tag vor der Verlegung hatte die Audiencia Nacional in Madrid die Klage einer Polizeigewerkschaft gegen die Errichtung eines Lagers am Hafen zurückgewiesen. Der Hafen zähle zur kritischen Infrastruktur, so die Begründung der Gewerkschaft.

Alberto Núñez Feijóo, der Vorsitzende der stärksten Oppositionspartei Partido Popular (PP), nutzte die Zwischenfälle bei der Verlegung einmal mehr für Kritik an der Regierung. Es handle sich nicht Migranten, sondern um Personen, die „gegen die öffentliche Ordnung und die Sicherheitskräfte“ vorgingen. Die Regierung sei „nicht in der Lage, die öffentliche Ordnung in einer spanischen Stadt aufrechtzuerhalten“, fügte er hinzu und forderte erneut die sofortige Abschiebung aller Migranten, auch von minderjährigen.

Die Regierung hingegen verweist darauf, dass Abschiebungen erst nach individueller Prüfung durchgeführt werden können. Und dass Minderjährige davon ausgenommen sind, solange ihre Eltern nicht gefunden werden können. Seit dem Ansturm wurden bereits 1.800 Abschiebeverfahren eingeleitet.

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