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Aufschwung bei Eintracht FrankfurtUnbekannte Trümpfe

Nach einem schwachen Saisonstart überzeugen Frankfurts Fußballer beim Derby in Mainz. Gleich zwei Spieler empfehlen sich fürs deutsche Nationalteam.

Nirgendwo sonst ist ein Besuch von Jürgen Klopp so alltäglich wie in Mainz. Der selbsternannte Karnevalsverein weckt Heimatgefühle beim Bundestrainer, der hier als Spieler und später als Trainer seine schönste, weil ursprünglichste Zeit im Profifußball erlebte. Ein Besuch der Arena am Mainzer Europakreisel liegt allein wegen seines Domizils in Wiesbaden wegen der räumlichen Nähe auf der Hand.

Nun sah der 59-Jährige am Samstag einen verdienten 3:1-Auswärtssieg von Eintracht Frankfurt beim FSV Mainz 05. Und das von den Fernsehkameras eingefangene strahlende Lächeln des Hoffnungsträgers Klopp passte mehr zur prächtigen Stimmung des zahlreichen Gästeanhangs. Wer hatte das nach dem holprigen Saisonstart der Hessen (3:3 bei Union Berlin, 1:4 gegen den FC Augsburg) erwartet?

„Ein starkes Statement von der Mannschaft nach der letztwöchigen berechtigten Kritik. Eine sehr gute Mannschaftsleistung“, bescheinigte Trainer Adi Hütter, der jedoch überschwängliches Lob vermied. Aus seiner ersten Zeit von 2018 bis 2021 weiß der Österreicher, wie schnell die Gefühlswelten im fußballbegeisterten Umfeld dieses Traditionsvereins mit seiner großen Fanbase wechseln. „Wir haben das Rhein-Main-Duell auch für die Eintracht-Familie gewonnen“, hielt der 56-Jährige noch fest.

Noah Atubolu hielt bereits seinen sechsten Strafstoß in der Bundesliga in Folge. Rekord!

Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, dass vor der Länderspielpause noch der Überraschungstabellenführer SC Freiburg ins Waldstadion kommt. Zwei Tage zuvor wird Klopp erstmals seinen mit Spannung erwarteten Kader fürs Debüt als Bundestrainer nominiert haben. Besser für eine Berücksichtigung hätte Jonathan Burkardt kaum werben können als an ehemaliger Wirkungsstätte. Der 2025 für mehr als 20 Millionen Euro in die Bankenstadt gewechselte Stürmer vereint – wenn er denn fit ist – enormes Tempo mit entsprechender Kaltschnäuzigkeit.

„Mentale Erleichterung“

„Es fühlt sich super an“, sagte der durchsetzungsstarke Torschütze des 2:0 kurz vor der Pause (45.+1), der bereits das 1:0 des überragenden Doppeltorschützen Can Uzun (9. und 60.) vorgelegt hatte. „Das ist wirklich wichtig und eine mentale Erleichterung. Wenn du zweimal eingeknickt bist an den ersten zwei Spieltagen, dann weißt du natürlich: ‚Das darf auf keinen Fall wieder passieren.‘“

Dass der 26-Jährige als einziger Stürmer startete, war dem Umstand geschuldet, dass Hütter auf eine Dreierkette umstellte, um für mehr Stabilität zu sorgen. Ein Schachzug, der sein Gegenüber Urs Fischer zu überraschen schien. Überhaupt hatte die Eintracht einige Trümpfe auf dem Feld, die vorher nicht jeder auf dem Zettel hatte. Das vom FC Bayern verpflichtete Mittelfeldtalent Noel Aseko überzeugte genau wie Youngster Jeremiaha Maluze in seinem zweiten Bundesligaspiel als Innenverteidiger. Auf einmal standen damit wieder sechs deutsche Spieler in der Eintracht-Startelf. Da hat der viel kritisierte Sportvorstand Markus Krösche vielleicht doch nicht so viel falsch gemacht mit der Kaderzusammenstellung?

Was Klopp sicherlich genauso freute wie die starke Vorstellung von Torwart Noah Atubolu, der wie der auf die Nationalelf hoffende Burkardt („Das wäre schon schön: Wer hofft darauf nicht?“) beste Werbung in eigener Sache betrieb. Nichts ist bei der DFB-Auswahl vor dem Viererpack in der Nations League gegen die Niederlande, zweimal Griechenland und Serbien so unklar wie die Torwartfrage. Marc-André ter Stegen und erst recht Oliver Baumann wären eigentlich aufgrund ihres Alters keine Zukunftslösungen, wohl aber der vom SC Freiburg in einem Leihmodell mit Kaufoption nach Frankfurt gewechselte Keeper.

Beim Stand von 1:0 hielt der 24-Jährige gegen Nadiem Amiri bereits seinen sechsten (!) Strafstoß in der Bundesliga in Folge. Seinen Patzer in der Vorwoche beim Heimdebüt gegen den FCA steckte Atubolu ungerührt weg. Ihn scheint die zugedachte Führungsrolle in dem jungen Ensemble der Adlerträger zusätzlich zu beflügeln. Es sei ihm schwergefallen, den zuletzt zehn Mal vom Punkt erfolgreichen Nationalspieler Amiri – der auch im WM-Sechzehntelfinale gegen Paraguay traf – zu verunsichern, sagte Atubolu. „Ich habe dann meinen Fähigkeiten vertraut.“ Mit Ansage fischte der tüchtige Tormann den Schuss aus der unteren Ecke. Für Hütter war es der „Knackpunkt“ im Spiel. Ob es der allgemeine Wendepunkt war, wird sich noch zeigen. Den Ruf „der launischen Diva vom Main“ bestätigt Eintracht Frankfurt immer mal wieder gerne.

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