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SC Freiburg ins Europa-League-Finale?Beweglicher Turm im Sturm

Der SC Freiburg muss gegen den SC Braga die Hinspielniederlage wettmachen. Besonders Igor Matanovič, der beste Torschütze, hat große Revanchegelüste.

Fleißiger Arbeiter in vorderster Reihe: Igor Matanovič setzt im Hinspiel Bragas Torhüter Lukáš Horníček unter Druck Foto: Miguel Angelo Pere/ap

Christian Günter bekleidet das Kapitänsamt beim SC Freiburg mittlerweile im sechsten Jahr, erste Wahl im Team von Julian Schuster ist er in dieser Saison aber eher selten. Am vergangenen Sonntag, beim Sandwich-Spiel zwischen den beiden Halbfinals in der Europa League, stand Günter mal wieder in der Startelf. Und nach dem 1:1 gegen Wolfsburg machte der 33-Jährige, wozu ein Kapitän unter anderem da ist: Er lobte die erneut zelebrierte Fähigkeit der Freiburger, nach einem Rückstand zurückzukommen – und sprach sich und den Teamkollegen entsprechend Mut für das entscheidende Duell mit Sporting Braga zu.

„Ich bin jetzt total guter Dinge für Donnerstag“, versicherte Günter vor dem wichtigsten Spiel der Vereinsgeschichte. Gegen die abstiegsgefährdeten Wolfsburger brauchte der Sport-Club 20 Minuten, um ein ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen. Beim Halbfinal-Hinspiel in Braga vergingen sogar nur acht Minuten bis zum Ausgleich. In der Nachspielzeit offenbarten die bis dahin weitgehend stabilen Gäste allerdings ein Leck in der Defensive – das die Nordportugiesen umgehend zum 2:1-Siegtreffer nutzten.

Die Szenen, die sich anschließend im Estádio Municipal de Braga abspielten, sog besonders der Augenzeuge Igor Matanovič ganz tief in sich ein. Um seinen Ärger nun, zum Showdown mit der vierten Kraft im portugiesischen Fußball, wieder hervorzukramen. „Ich habe dort auf die Tribünen geschaut. Da waren die Fans von Braga uns gegenüber schon sehr hochmütig und haben provokant gejubelt“, erzählt Freiburgs Mittelstürmer grimmig. Deshalb war er an Ort und Stelle bereits „sehr heiß“ auf das Wiedersehen im heimischen Umfeld und versicherte glaubhaft: „Ich freue mich schon auf das Rückspiel, wirklich.“

Da waren die Fans von Braga uns gegenüber schon sehr hochmütig und haben provokant gejubelt

Igor Matanovič

Zuversichtlich, am 20. Mai in Istanbul ihr erstes internationales Finale zu bestreiten, stimmt die Südbadener vor allem ihre gewachsene Dominanz auf eigenem Terrain: Die saisonübergreifend letzten zehn Heimspiele in der Europa League hat Freiburg allesamt gewonnen.

Aufschwung nach der Winterpause

Gepaart mit der vielfach erprobten Resilienz, dem zunehmend leidenschaftlichen Anhang und einem im Vergleich zur Vorsaison breiter aufgestellten Kader sind das einige Trümpfe, die für die dritte deutsche Endspielbeteiligung in der Europa League in den letzten fünf Spielzeiten sprechen. Im Fahrwasser von Frankfurt (Gewinner 2022) und Leverkusen (Finalist 2024) weissagt SC-Coach Schuster nach den Erfahrungen des ersten Duells mit Braga aber auch recht realistisch: „Uns erwartet ein Spiel, wo alles möglich ist, das in beide Richtungen kippen kann.“

Zugunsten von Freiburg kann definitiv Igor Matanovič einiges bewegen. Während Unterschiedsspieler wie Johan Manzambi und Yuito Suzuki (für den Japaner ist die Saison nach einem gegen Wolfsburg erlittenen Schlüsselbeinbruch beendet) zuletzt etwas schwächelten, blieb der Sommerneuzugang aus Frankfurt weiter einer der zuverlässigsten Akteure im Team.

Gerade nach der Winterpause fand sich Matanovič (23) im neuen Umfeld immer besser zurecht. Im Angriffszentrum erhält der gebürtige Hamburger seither meist den Vorzug gegenüber Lucas Höler. In der Liga ist er mit acht Treffern Freiburgs erfolgreichster Schütze. In den K.-o.-Spielen gegen Genk und Vigo traf er zweimal, darunter das Traumtor zur wichtigen Führung beim zweiten Duell mit Celta.

Gemeinsam mit den sehr beweglichen Technikern Manzambi und Suzuki hat Matanovič als 1,95 Meter langer, ballsicherer Anspielturm die Freiburger Offensive in dieser Saison klar belebt. „Er betreibt einen unglaublich großen Aufwand – und das hilft uns in allen Bereichen, die wichtig sind für unser Spiel“, lobt Schuster den kroatischen Nationalstürmer.

Matanovičs Eltern sind kroatische Kriegsflüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien. Als Teenager kickte er zunächst für die kroatische U14, spielte dann für deutsche Jugendauswahl-Teams, unter anderem mit Florian Wirtz – und wechselte mit 19 wieder zum kroatischen Verband.

Immer südlicher ging es für den gewitzten Angreifer auch auf Vereinsebene: Nach 13 Jahren bei St. Pauli wechselte er 2023 nach Frankfurt. Die Eintracht entlieh ihn umgehend nach Karlsruhe, es folgte eine Spielzeit in der Bankenmetropole – und vor zehn Monaten dann der Umzug in den Breisgau. Den viel beschäftigten Freiburgern steht dort nun das 51. Pflichtspiel in dieser Saison ins Haus. Wobei Igor Matanovič Gegner Braga und dessen freche Fans schon mal vorwarnt: „Ein Tor für uns – und dann kann es schon sehr unangenehm werden in unserem Stadion.“

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