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+++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++Selenskyj wirft Russland „nuklearen Terrorismus“ vor

Anlässlich des 40. Jahrestags der Reaktorkatastrophe von Tschornobyl adressiert der ukrainische Präsident Russland. Erneut mehrere Tote bei Angriffen.

Gedenken in Kyjiw anlässlich des 40. Jahrestags von Tschornobyl Foto: Gleb Garanich/reuters

Selenskyj wirft Russland „nuklearen Terrorismus“ vor

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Russland am 40. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschornobyl vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges „nuklearen Terrorismus“ vorgeworfen. Mit dem Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 habe Russland „die Welt erneut an den Rand einer menschengemachten Katastrophe“ gebracht, erklärte Selenskyj am Sonntag in einem Onlinedienst. Russische Drohnen flögen immer wieder über Tschornobyl hinweg; eine habe die Schutzhülle getroffen.

„Die Welt darf diesen nuklearen Terrorismus nicht weiter zulassen“, betonte Selenskyj. „Der beste Weg ist, Russland zu zwingen, seine rücksichtslosen Angriffe zu beenden“, fügte er hinzu.

Grafische Darstellung eines AKW-Kühlturms, aus dem eine Wolke mit einem Radioaktivitätssymbol kommt.
40 Jahre nach dem Super-GAU in Tschornobyl

Am 26. April 1986 kam es im ukrainischen, damals sowjetischen Tschornobyl (russisch Tschernobyl) zum Super-GAU. Eine radioaktive Wolke verseuchte große Teile Europas. 40 Jahre später blickt die taz in einem Schwerpunkt zurück und nach vorn. Die taz verwendet bei ukrainischen Orten grundsätzlich die Schreibweise in Landessprache, nicht die russische – so auch bei Tschornobyl.

In der Ukraine wird am Sonntag der Atomkatastrophe von Tschornobyl gedacht. Der Super-GAU am 26. April 1986 war die schlimmste zivile Nuklearkatastrophe der Geschichte. Damals hatte ein menschlicher Fehler während eines Sicherheitstests eine Explosion in einem Reaktor des Atomkraftwerks Tschornobyl im Norden der Ukraine – damals Teil der Sowjetunion – ausgelöst. Radioaktivität strömte aus. In den folgenden Tagen kontaminierte die radioaktive Wolke die Ukraine, Belarus und Russland, ehe sie sich über Europa ausbreitete. Schätzungen über die Zahl der Todesopfer gehen weit auseinander.

Die Überreste des Kernkraftwerks sind von einer inneren Strahlungsschutzhülle aus Stahl und Beton umgeben, die nach der Katastrophe hastig errichtet wurde. Eine modernere äußere Schutzhülle umgibt den gesamten Reaktor. Sie verhindert die Freisetzung radioaktiver Strahlung.

Russland greift die Ukraine regelmäßig mit Drohnen an. In den ersten Tagen des russischen Angriffskriegs hatten russische Truppen das Gelände von Tschornobyl unter ihre Kontrolle gebracht. Später zogen sie sich von der Anlage zurück. (afp)

Russland meldet Schäden an Düngemittelfabrik

Russland ‌meldet nach einem ukrainischen ‌Drohnenangriff Schäden an einer großen Düngemittelfabrik in der Region Wologda. In der Stadt Tscherepowez sei eine Hochdruckleitung für Schwefelsäure getroffen worden, erklärte Regionalgouverneur Georgi Filimonow am Sonntag. Das Leck sei unter Kontrolle, es seien keine gefährlichen Chemikalien ausgetreten.

Die Anlage gehöre der Firma Apatit. Deren Muttergesellschaft PhosAgro zufolge ist Apatit Europas größter Produzent von ‌Phosphatdünger sowie von Phosphor- und Schwefelsäure. PhosAgro ist einer der weltweit größten Hersteller von Phosphatdünger. Filimonow sagte weiter, bei dem schweren Angriff seien fünf Menschen verletzt worden. Tscherepowez liegt rund 500 Kilometer nördlich von Moskau.

Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, zwischen Samstagabend und Sonntagmorgen seien mehr als 250 ukrainische Drohnen über mehr als einem Dutzend russischer Regionen abgeschossen worden. In der Hafenstadt Sewastopol auf der Halbinsel Krim wurden Gouverneur Michail Raswoschajew zufolge 71 Drohnen zerstört. Es handele sich ‌um einen der schwersten Angriffe bislang. Ein Mensch sei getötet und vier weitere seien verletzt worden. Zudem seien Wohngebäude, Geschäfte und Autos beschädigt worden. Trümmerteile seien auf ⁠Bahngleise gestürzt.

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Nichts gelernt aus Tschornobyl?

Die Katastrophe im Atomkraftwerk in Tschornobyl prägte 1986 eine ganze Generation der Umweltbewegung. Wie wirkt sie heute nach? Darüber diskutiert Tanja Tricarico aus dem taz-Auslandsressort mit Korrespondent Bernhard Clasen. ➝ Hier geht's zur neuen Folge des Podcasts Fernverbindung

Zudem wehrte die russische Luftabwehr in der Region Jaroslawl, in der die Ukraine in der Vergangenheit häufig Ölraffinerien ins Visier genommen hatte, nach Angaben von Gouverneur Michail Jewrajew einen ‌großangelegten Drohnenangriff ab. ‌Details nannte er nicht. Russland meldet in der ⁠Regel nur die Zahl der unschädlich gemachten Drohnen. Am Samstag hatte es einen massiven Luftangriff Russlands auf die Ukraine gegeben. Dabei ‌waren zehn Menschen getötet und Dutzende ‌weitere verletzt worden. Eine Stellungnahme der Ukraine zu den jüngsten Angriffen in Russland lag zunächst nicht vor. (rtr)

Drei Menschen bei russischen Drohnenangriffen getötet

Bei russischen Drohnenangriffen in der Ukraine sind nach Militärangaben mindestens drei Menschen getötet worden. Bei einem Angriff in der Gemeinde Bilopillja in der Region Sumy im Nordosten seien zwei Männer im Alter von 48 und 72 Jahren getötet worden, erklärte am Sonntag Oleh Grigorow von der regionalen Militärverwaltung. In der Stadt Dnipro in der Ostukraine wurde ein weiterer Mensch getötet, wie der örtliche Militärverwaltungschef Oleksandr Hanscha mitteilte.

Wie Hanscha weiter im Onlinedienst Telegram mitteilte, wurden zudem vier weitere Menschen bei den russischen Angriffen verletzt. Die Angriffe wurden demnach mit Drohnen und Artillerie verübt. Es seien Wohnhäuser und Autos beschädigt worden. Am Samstag waren in Dnipro nach Angaben der örtlichen Behörden mindestens acht Menschen getötet worden. Die dortigen russischen Angriffe dauerten demnach 20 Stunden.

In seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine beschießt Russland das Nachbarland fast jede Nacht mit hunderten Drohnen. Im Gegenzug greift die ukrainische Armee regelmäßig die russische Energieinfrastruktur und militärische Ziele an.

In Sewastopol auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim erklärten die dortigen Behörden am Sonntag, dass eine ukrainische Drohne einen 1983 geborenen Mann getötet und drei weitere Menschen verletzt habe. In verschiedenen Vierteln der Hafenstadt seien mehrere Wohnhäuser sowie eine Tanzschule beschädigt worden, erklärte der von den russischen Behörden eingesetzte Gouverneur Michail Raswoschajew bei Telegram. Insgesamt seien 43 Drohnen abgeschossen worden. (afp)

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