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Der Sound der Neuen Rechten

Deutsche Vita ist eine Band, die von Rechtsextremisten gefeiert wird. Zwei maskierte Musiker, schwarz-weiße 80er-Jahre-Ästhetik, eine gute Geschichte, die bis in die Zeit der Neuen Deutschen Welle reicht – aber komplett ausgedacht. Wer steckt dahinter?

Strammer Fan von Deutsche Vita: der österreichische Rechtsextremist Martin Sellner Foto: Isabelle Ouvrard/picture alliance

Von Jan Schneidereit

Diese Geschichte dreht sich um zwei maskierte Männer, verurteilte Rechtsextremisten und kurz um Wilson Gonzalez Ochsenknecht. Es ist die Geschichte einer Band, deren Mitglieder nur vermummt auftreten und seit einem Jahr das Vorfeld der AfD zum Tanzen bringen. Sie liefern den Soundtrack zum Kleben von Anti-Antifa-Stickern und werden aktiv von der Identitären Bewegung und ihrem ehemaligen Sprecher Martin Sellner beworben. Wer dahintersteckt, wusste niemand. Bis jetzt.

Die Band nennt sich Deutsche Vita und veröffentlichte im März 2025 einen ersten Song auf Spotify, gefolgt von einem Musikvideo. Zu sehen sind zwei Männer, deren Gesichter hinter weißen Stoffmasken versteckt sind. Der eine singt, der andere steht am Keyboard im Homestudio. Beide tragen schwarze Mützen, der Mann am Mi­krofon eine dicke Goldkette, Lederjacke und Fußballtrikot. Dazwischen verrauschte, körnige Schwarz-Weiß-Aufnahmen wie aus den achtziger Jahren. Die schnell geschnittenen Bilder sind mit visuellen Effekten überladen. Es ist schwer ausein­anderzuhalten, was echt ist und was nicht. Und genau damit spielt die Band. Sie positioniert sich zwischen Fakt und Fiktion.

Zu den Fakten zählt, dass innerhalb eines Jahres die Musik von Deutsche Vita auf Spotify fast 2,7 Millionen Mal gestreamt wurde. Auch, dass sie eine stabile Anhängerschaft hat, die ihre Musik regelmäßig hört, teilt und kauft. Der Rest ist Fiktion. Das vermummte Duo hat sich selbst eine Geschichte geschrieben. Anfang der achtziger Jahre, so behaupten sie, hätten sich der deutsche Sänger Dieter und der italienische Gitarrist und Keyboarder Vito in Westberlin zusammengefunden. Danach seien sie Teil der Avantgarde jener Musikbewegung gewesen, die Punk- und New-Wave-Sound auf Deutsch miteinander verband: der Neuen Deutschen Welle.

Das ist alles frei erfunden. Deutsche Vita existiert erst seit sechzehn Monaten, die Band spielt Lieder übers Versetztwerden, über Erika Eleniak, den Star der in den neunziger Jahren berühmten US-Serie „Baywatch“, und über Kriege. Dass sie ihre Historie frei erfunden hat, stört ihre Fans nicht, im Gegenteil: Sie spielen das Spiel in den Kommentarspalten mit, berichten von Konzertbesuchen und ihrer Jugend mit Deutsche Vita.

Erstmal nicht ungewohnlich. Zwei Musiker ziehen sich Masken über und machen Musik. Sie wären nicht die ersten. Doch im Juli 2025 ziehen Hunderte Mitglieder und Unterstützer der Identitären Bewegung durch die Wiener Innenstadt. Die Demonstration ist ein Klassentreffen europäischer Rechtsextremisten. Darunter sind Aktivisten des Compact-Magazins, Mitarbeiter der rechtsextremen Freiheitlichen Partei Österreichs, ein 24-jähriger Niederländer, der ein paar Wochen später wegen des Verdachts auf Vorbereitung eines Terroranschlags verhaftet werden wird.

Sie alle tauchen in einem Zusammenschnitt der Demonstration auf, den Martin Sellner auf X hochgeladen hatte. Sellner war in Deutschland im Zusammenhang mit dem Potsdamer Geheimtreffen der AfD bekannt geworden; er hatte dort sein Konzept zur „Remigration“ vorgestellt. Das Video zeigt Demonstranten, die Rauchtöpfe abfackeln und Fahnen schwingen, man hört Sellner reden, hört Parolen, hört Deutsche Vita. Ein Lied der Band dient als Hintergrundmusik. Sellner schreibt dazu: „Deutsche Vita in Wien.“ Einen Tag später bewirbt er die Band erneut, postet einen weiteren Song des Duos. Dieses Mal mit einem Link zu ihrem Youtube-Kanal.

Deutsche Vita ist gut gemacht. Die meisten Lieder klingen harmlos. Ihr bisher erfolgreichstes heißt „Krieg“ und wurde auf Spotify fast 800.000-mal gehört. Es ist der einzige Track, der durchblicken lässt, für wen die Maskierten am Mikrofon Musik machen: „Auf geht’s! Alle müssen tanzen! Sogar die Fetten und die Transen“, singen sie in der ersten Strophe. In der zweiten müssen die „Schwulen und die Kranken“ tanzen. Kurz nach der Veröffentlichung erscheint eine „Light-Version“ des Titels auf dem Onlinemusikdienst Bandcamp. „Ohne böse Wörter“, wie sie schreiben. „Transen“ und „Schwule“ ersetzten sie durch das Geräusch von Maschinengewehrfeuer, durch das Klick-Klack beim Durchladen einer Waffe.

Im vergangenen Sommer wird Deutsche Vita zur Parole unter Rechtsex­tremisten aller Art. Auf Instagram finden sich Dutzende Videos mit Musik des Duos – fast alle von AfD-nahen Personen oder Gruppen. Es entsteht ein regelrechter Hype um die Band: Anna Leisten, ehemaliges Mitglied des Vorstands der rechtsextremen Jungen Alternative Brandenburg, empfiehlt das erste Album von Deutsche Vita zum Kauf. Das ehemalige Mitglied der Jugendorganisation Die Heimat, Simon Kaupert, postet ein Foto von sich in einem T-Shirt der Band. Kurz bevor sie untertauchte, schrieb die inzwischen festgenommene Rechtsextremistin Marla-Svenja Liebich auf X in Richtung der Band: „Kommt einfach am Freitag nach Chemnitz 20 Uhr, ich organisier Euch nen GIG. Vor der Frauen-JVA.“

Zum rechten Aufwind äußert sich Deutsche Vita nicht. Sie nehmen ihn in Kauf und spielen damit. Mehrmals die Woche posten sie Bilder, Videos, reagieren schnell auf Kommentare. Ihre Musik wird fast ausschließlich für rechtsextreme Propaganda genutzt.

Im Dezember 2025 vergleicht ein Follower der Band das Lied „Erika“ von Deutsche Vita mit einem gleichnamigen NS-Marschlied von 1938. Der Band gefällt der Kommentar. Als ein anderer User Deutsche Vita daraufhin zur Rede stellt, stellt sich die Band dumm: „Was für ein Lied? Wir achten da nicht so drauf.“ Es tauchen Fragen zur Gesinnung und Identität von Dieter und Vito im Netz auf. Sogar Martin Sellner will, ein paar Wochen bevor er zum Deutsche-Vita-Enthusiasten wird, von seinen Followern wissen, wie die Band einzuordnen sei.

Deutsche Vita sind nicht nur Dieter und Vito, es gibt noch einen dritten Mann – zumindest scheint es so. Der Name des Dritten: Gabriele Stranuzzo. Glatze, Dreitagebart, schwarzer Rollkragenpullover unter grauem Nadelstreifen­sakko. Unentwegt kaut er Kaugummi, spricht schnell und gereizt in die Kamera, zu sehen in einigen Folgen einer fiktiven Dokumentation über die Band. Stranuzzo wird als Manager der Band vorgestellt. Er ist der Einzige, der nicht vermummt zu sehen ist – aber auch ­Stranuzzo ist nur eine Rolle, ­gespielt von Felix ­Landis. ­Einem 42-­jährigen Schweizer mit Wohnsitz in Polen.

Und Landis mimt nicht nur diesen schmierigen Manager, sondern er ist auch Dieter, der Sänger von Deutsche Vita. In der Schweiz ist Landis kein Unbekannter. Seit 2009 tritt er als Frontmann des Genfer Electronicaduos Lipka auf Konzerten und kleineren Festivals auf. Auch im schweizerischen öffentlichen Rundfunk. Es sind Lieder über Liebe, Partys und Veränderung, die sie spielen. Ihr erfolgreichster Song „Change“ wurde auf Spotify fast 27 Millionen Mal angehört.

Nebenher veröffentlicht er solo unter dem Künstlernamen Vie D’Ange Musik. 2018 gründete er ein gleichnamiges Modelabel. In der von Landis verfassten Beschreibung auf der Website des Modeprojekts bezeichnet er es als den „Obergroupieführer“ von Lipka. Eine Anspielung auf den SS-Dienstgrad eines Obergruppenführers. Das Label gibt es nicht mehr. Dafür taucht ein Pullover der Marke in mindestens einem Video von Deutsche Vita auf. In kyrillischen Buchstaben steht „widantsch“ auf ihm geschrieben. Die buchstäbliche Übersetzung von „Vie D’Ange“.

Zum rechten Aufwind äußert sich Deutsche Vita nicht. Sie nehmen ihn in Kauf und spielen damit. Ihre Musik wird fast nur für rechtsextreme Propaganda genutzt

Der andere Maskierte, der am Keyboard und an der Gitarre ist, ist ­Raphael Ecoretti, ein Schweizer mit italienischen Wurzeln. Seit mehr als zehn Jahren macht er Musik. Nach eigenen Angaben erst als HipHop-Beatmaker im Süden der USA, später als Elektro-DJ in der Schweiz. Unter dem Künstlernamen SIGMAR ist er noch immer aktiv. Auf seinem Instagram-Account ist sein Homestudio zu sehen, dekoriert mit denselben Instrumenten, Postern und Möbeln, die auch in Videos von Deutsche Vita auftauchen.

Und schließlich belegt eine Abfrage der Werkdatenbank der Schweizer Musikgenossenschaft Suisa: Raphael Ecoretti und Felix Landis sind die Urheber von Deutsche Vita.

Felix Landis ist kreativ und umtriebig. Seine Projekte sind durchdacht, konsequent. Man erkennt die Liebe zum Detail, den Aufwand, den er betreibt – etwa in den Videos, die Landis unter dem Pseudonym grmrke auf Tiktok hochgeladen hat. Es sollen satirische Kommentare zum Zeitgeschehen sein. Darin spielt er Rollen, inszeniert Dialoge und tut das, was er offenbar am liebsten tut, er verkleidet sich: als ­aufgebrachte Palästinaaktivistin, als Rapper, als Schwarzer afri­kanischer Mann in schwarzer SS-Uniform. Mit Totenkopf und Hakenkreuz auf der Schirmmütze. Humor von der Sorte, die über allem steht, sich über alles lustig machen darf. Und wer nicht lacht, hat ihn nicht ver­standen.

Die Videos geben einen Einblick in Landis’ politische Ansichten. In einem Video wird er konkret: „Die wahre Methode, um Wahres von Falschem zu unterscheiden, ist zu schauen, was aus dem Internet verbannt wird.“ In einer Militäruniform sitzt Landis vor der Kamera. Er kneift die Augen zusammen, spricht schnell und auf Französisch. In den nächsten zwanzig Sekunden führt er aus, dass man mundtot gemacht werde, wenn man die „offizielle“ Version des Ablaufs der ­Covid-19-Pandemie hinterfrage. Wenn eine Theorie verbannt werde, sei sie „zu 100 Prozent wahr“, da ist er sich ­sicher. In ­einem anderen ­Tiktok-Video schlüpft er gleich in acht verschiedene Rollen, um zu belegen, dass es Rassismus ­eigentlich nicht mehr gebe – wenn es ihn aber gebe, dann gegen Weiße. Das letzte Video auf dem Account lud Landis 18 Tage nach der ersten Deutsche-Vita-Veröffentlichung hoch.

Alles nur Satire?

Felix Landis macht keinen Hehl aus seiner Meinung. Zwar lädt er seine „satirischen“ Videos unter dem Pseudonym grmrke auf Tiktok hoch, doch auf der dazugehörigen Facebook-Seite laufen alle Fäden zusammen: Landis’ private E-Mail-Adresse, die für den Onlineshop von Deutsche Vita hinterlegte Telefonnummer und seine Adresse in Polen. Alles ohne Versteckspiel.

Fallen auf mit rechtem „Stallgeruch“: Felix Landis und Raphael Ecoretti, die Köpfe hinter Deutsche Vita Screenshots: Facebook „deutsche-vita-ist-da“

Aber nicht nur Corona oder Rassismusdebatten spielen für Landis eine Rolle. Seit dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine wird eine erregte ­Debatte geführt: über die Aufrüstung der Bundeswehr, über die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Linke wie Rechte unterstellen der Bundesregierung dabei Kriegstreiberei. Oder wie Deutsche Vita sagen würde: „Hörst du schon die Panzer? […] Schuld ist nur der Kanzler.“

Deutsche Vita klingen nicht nach Rechtsrock oder sperrigem Patriotenrap. Ihre Musik kann auf rechten und linken Veranstaltungen laufen. Sie findet im Internet zeitgleich in Videos eines linken Leipziger Bündnisses gegen Wehrpflicht statt sowie auf AfD-nahen Accounts, die sich beim Überkleben von Linkspartei-Plakaten filmen – und auch Schauspieler Wilson Gonzalez Ochsenknecht hört ihre Musik. Im Dezember 2025 kaufte er sich das erste Album des Duos auf Schallplatte und postete ein langes Video dazu auf Instagram.

Die Band ist anschlussfähig. Tanzbar. Schnell geht die abwertende Sprache aus dem Song „Krieg“ unter. Ein rechtsextremer X-User beschrieb Deutsche Vita als „Hufeisenband“. Ein Bezug auf die umstrittene „Hufeisentheorie“, nach der Links- und Rechtsextremisten mehr miteinander gemein hätten, als sie voneinander abgrenzt.

Deutsche Vita spielen damit, politisch uneindeutig zu sein. Sie überlassen ihren Fans die Entscheidung da­rüber, wie ihre Texte zu interpretieren sind. Ein Spiel, das sonst kaum besser beherrscht wird als von der Neuen Rechten. Von Martin Sellner, der Identitären Bewegung, von der AfD und ihren Unterstützern. Dahinter steckt eine Strategie. Rechtsextremisten haben erkannt, dass sie ihre Politik nicht nur in Parlamenten machen müssen. Sondern auch auf der Straße, in der Kultur, in den Köpfen der Menschen. Es geht darum, eine kulturelle Hegemonie, eine Vorherrschaft aufzubauen, mit der Rechtsextreme ihre Weltanschauung in der Gesellschaft normalisieren und verbreiten können.

Popmusik ist gut geeignet, viele Menschen schnell zu erreichen. Dass sich dabei die Kontrolle darüber, wer sie feiert, den Machern entzieht, ist logisch. Ein weiteres Beispiel dafür ist „L’amour toujours“ von Gigi D’Agostino. Das ­Eurodance-Liebeslied wurde ab 2023 mit neuen Lyrics versehen. In Hunderten Fällen grölten Leute dann die Neonaziparole „Deutschland den Deutschen – Ausländer raus“ über die Melodie des Lieds. Als sich im Mai 2024 Gäste der Sylter Ponybar dabei filmten und die Videos viral gingen, wurde das zum Politikum. Inzwischen reicht es aus, das Lied abzuspielen ohne den dazu gedichteten rassistischen Überton. Manchmal auch, nur „Döp dödö döp“ auszuschreiben. Der Song wurde zu einer sogenannten ­Dogwhistle, ­einem Code, den diejenigen sofort erkennen, die ihn erkennen sollen. Im Sommer vor zwei Jahren wurde es zum Sommerhit von Rechtsextremen. So wie „Deutsche Vita“ von Landis und Ecoretti im letzten.

Lautes Schweigen

Richtig erfolgreich ist Deutsche Vita außerhalb von rechten Social-Media-­Accounts noch nicht. Im Februar dieses Jahres verkündete die Frankfurter Managementagentur Prisma, die Band zu betreuen. Prisma ist eine Abteilung der Wizard Live GmbH, die Musikern verspricht, aus ihrem Talent eine Karriere zu machen. Wizard Live organisiert seit Jahrzehnten Konzerte und Tourneen in Deutschland für Bands wie Iron ­Maiden, Judas Priest oder ­Foreigner und ist bestens vernetzt. Nach einer Bitte an Prisma um Stellungnahme zu den Ergebnissen dieser Recherche wurde die Zusammenarbeit mit Deutsche Vita für beendet erklärt. In der Stellungnahme der Agentur heißt es: „Diese Entscheidung wurde intern getroffen, nachdem uns Inhalte aus dem Umfeld des Projekts bekannt wurden, die wir als rassistisch und menschenverachtend bewerten.“ Auf der Website von Prisma heißt es, man stehe für „strategisches ­Artist ­Development mit klarer Haltung“.

Wie dabei übersehen werden konnte, aus welcher Szene Deutsche-Vita-Fans kommen, dass bekannte Rechtsextremisten zu den größten Unterstützern der Band gehören, bleibt unklar. Kurz nachdem Prisma das Ende der Zusammenarbeit mit Deutsche Vita öffentlich macht, erneuert Martin Sellner hingegen seine Unterstützung für die Band. In einem Post auf X schreibt er: „Sie sind wieder da. Der Sommer ist gerettet. Folgt rein […]“ Dazu ein Link zu dem X-Profil von Deutsche Vita.

Landis und Ecoretti reagieren gar nicht auf eine direkte Anfrage. Allerdings sind die Tiktok- und Facebook-Profile von grmrke inzwischen von beiden Plattformen verschwunden. Auf einen an die E-Mail-Adresse von Deutsche Vita gestellten Fragenkatalog antwortet die Band lediglich mit der Ankündigung eines neuen Albums.

Eine Woche später veröffentlichen sie doch ein Statement in den sozialen Medien. Darin heißt es unter anderem: „Wir sind nicht dafür verantwortlich, wer wie unsere Musik hört/nutzt. Das können und wollen wir nicht kontrollieren.“ Und weiter: „Wer nach dieser Stellungnahme jedoch noch immer Politik in unserer Musik hören will, tut dies auf eigene Verantwortung.“ Sie behaupten, weder rechts noch links zu sein, sondern „antipolitisch“. Es ist der Versuch, die Waage zu halten zwischen anschlussfähiger Popmusik und der rechtsextremen Fangemeinde, die sich Deutsche Vita aufgebaut hat. Und diese Fans quittieren das Statement in den Kommentarspalten mit Skepsis. Ein User fragt: „Warum wird mir diese Untertanenscheiße angezeigt (?)“ Der Rechtsextremist Benjamin Moses vom Neonazimedienkollektiv Balaclavagraphics äußert sich ebenfalls irritiert: „Springt doch nicht über jedes Stöckchen, das hingehalten wird. Das Statement ist langweilig und wird euch keinen Blumentopf bescheren!“

Es sind die Geister, die „Dieter“, „Vito“, „Gabriele Stranuzzo“ alias Felix Landis und Raphael Ecoretti riefen. Ihr Statement soll eine Distanzierung sein. Aber wovon eigentlich? Davon, dass die rassistischen und verschwörungsideologischen Videos von Felix Landis zu Deutsche Vita gehören wie die Schwarz-Weiß-Ästhetik? Davon, dass sie bewusst damit gespielt haben, Rechten zu gefallen? Fest steht, dass der anfängliche Erfolg von Deutsche Vita auf das Konto der rechten Szene geht, die ihre Musik fleißig gehört, geteilt und gekauft hat. Das wissen Deutsche Vita auch. Auf Instagram und Tiktok ist und war es für die Band jederzeit ersichtlich, wer ihre Musik unter seine Videos legt. Dass die rechtskonservative Wochenzeitung Junge Freiheit in einem der wenigen Artikel über Deutsche Vita der Band einen rechten „Stallgeruch“ attestierte, dürfte dem Duo ebenfalls nicht entgangen sein.

Mit ihrer halbherzigen Distanzierung haben sie diejenigen, die ihre Musik von Anfang an gefeiert haben, verprellt. Auf dem X-Account des vom Rechtsextremisten Götz Kubitschek geführten Verlags Antaios macht man sich darüber lustig. Maximilian Märkl, Chef der Identitären Bewegung Deutschland und Mitglied der AfD, bastelt Memes dazu. Inzwischen sind Deutsche Vita zu einem Witz verkommen.

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