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Die nächsten Panter-Volos stehen bereit – los geht’s im Juni

Ann Toma-Toader und Pascal Maier werden im Juni das Volontariat der taz panterstiftung antreten. Das Programm möchte vor allem Menschen, die in den Redaktionen unterrepräsentiert sind, fördern. Begeisterung und Motivation bringen sie mit!

„Ich lernte, dass informiert sein ein Statussymbol war. Die Zeitung zum Frühstück, die Tagesschau zum Abendbrot - das hieß, dass deine Eltern echte, deutsche Akademiker waren. Wenn meine Eltern von der Arbeit nach Hause kamen, waren sie meist so müde, dass sie nicht einmal mehr mit uns sprachen“, schreibt Ann Toma-Toader in ihrem Volontariats-­Motivationsschreiben Foto: Emilia Oksentowicz/n-ost e.V.

Von Raweel Nasir

Raweel: Mögt ihr mir zu Beginn etwas über euch erzählen?

Ann Toma-Toader: Ich habe bis Anfang 2025 bei der taz panterstiftung bei Podcastformaten mitgemacht („Katerfrühstück“ zunächst, danach die Reihe „Queerly beloved“ bei Freie Rede und Redaktion beim „Mauerecho – Ost trifft West“). Danach war für mich klar: Ich möchte weiter bei der taz und im Journalismus bleiben. Ich habe zunächst weiter Publizistik und Theaterwissenschaft studiert, an der Barenboim-Said Akademie gearbeitet und mich ehrenamtlich in einem Sprachcafé engagiert. Ich möchte gerne über Rom*nja und Sinti*zze berichten, da sie zu meiner Familiengeschichte gehören.

Pascal Maier: Nach meinem Realschulabschluss habe ich eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker gemacht. Mir wurde aber schnell klar, dass ich das nicht für den Rest meines Lebens machen will. Da ich unbedingt in den Journalismus wollte, habe ich dann das Abitur nachgeholt. Dann habe ich Medientechnik studiert und währenddessen viele Praktika gemacht. Angefangen bei der Lokalzeitung beim Lokalfernsehen, dann zu den großen Sendern, tatsächlich beim ZDF und beim BR. Das war super, dass das so geklappt hat. Jetzt, nach dem Studium, arbeite ich als freier Journalist auch für die Lokalzeitung in Aschaffenburg. Nebenbei arbeite ich in einer Boulderhalle, weil als Freier ist es natürlich manchmal ein bisschen schwierig, davon komplett leben zu können. Den „Fremdkörper“ über eine handwerkliche Ausbildung sehe ich im Nachhinein nicht als Umweg, sondern als Chance, da er mir andere Perspektiven eröffnet, die ich in meine journalistische Arbeit einbringen kann – genauso wie mein gewonnenes technisches Verständnis.

Raweel: Wie wurdet ihr auf das Volontariat aufmerksam und was verbindet ihr damit?

Ann: Da ich ja schon in der taz panterstiftung gearbeitet hatte war es für mich immer präsent und auch immer etwas, was ich machen wollte. Letztes Jahr hat mich Konny, die ehemalige Genossenschafts- und Stiftungsleiterin, so ein bisschen gedrängt. Sie meinte: „Du musst das unbedingt machen!“ Aber ich wollte erst mein Studium zu Ende bringen. Dieses Jahr habe ich die Ausschreibung gesehen und dann dachte ich mir: „Du machst es jetzt einfach. Du weißt, dass du das machen möchtest.“ Gerade als Frau of Colour finde ich es gut, dass da die Stiftung Möglichkeiten schafft.

Pascal: Letztes Jahr hatte ich die Ausschreibung gesehen, aber war spät dran und habe es verpasst. Dieses Jahr habe ich es dann rechtzeitig gesehen. Da ich sowohl weiß und männlich bin, war ich zuerst etwas unsicher, ob ich da auch mitgemeint war. Aber ich habe gedacht, ich versuche es einfach und schaue, ob ich eingeladen werde.

Raweel: Und warum zur taz?

„Flucht aus der Zone“, ein Reportage-Podcast: Die DDR-Fluchtgeschichte seines Opas war eine der Schreibproben, die Pascal Maier für seine Bewerbung eingereicht hat Foto: privat

Ann: Die taz kann ich lesen, ohne mir ständig die Haare zu raufen. Sie lebt vom Pluralismus. Man führt Diskussionen und man versucht auf gemeinsame Punkte zu kommen, ohne dass man aufeinander rumtritt. Letztens sprach ich mit einem palästinensischen Freund, der vor fünf Jahren nach Deutschland kam. Er sagte, dass er eigentlich nichts außer die taz lesen könne, weil es ihn einfach sonst alles zu fertig macht. Da gehe ich mit. Ich glaube, wir erleben eine Verschiebung vom Anspruch der Neutralität an Journalismus. Dies ist ohnehin mit einem hohen Anspruch verbunden, der häufig in konservative und mitunter stärker rechtsgerichtete Wertorientierungen übergeht. Ich finde es besonders wichtig, dass die taz stabil links bleibt, offen für verschiedene linke Diskurse ist und sich nicht verschieben lässt.

Pascal: Der Zeitgeist rückt immer stärker nach rechts. Da ist eine linke Zeitung einfach sehr wichtig. Anders als von Julia Klöckner behauptet: Die taz ist eine linke Zeitung und ein seriöses Blatt. Und klar, die taz hat auch einfach die besten Titelseiten. Das ist schon auch ein Grund, warum ich so begeistert bin. Nun muss ich nur noch eine Wohnung in Berlin finden...

Raweel Nasir ist, zusammen mit Marco Fründt, seit November 2024 taz pantervolontärin in der taz-Redaktion

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