Frankreichs Marine besucht Kenia: Im Indischen Ozean unterwegs, ganz zufällig
Die französische Marine zeigt verstärkte Präsenz im westlichen Indischen Ozean. Von dort müsste jedes Eingreifen in der Straße von Hormus starten.
800 Marinesoldaten aus Frankreich auf drei französischen Schiffen, darunter zwei Kriegsschiffen, haben sich am Wochenende im Hafen von Mombasa in Kenia an der Küste des Indischen Ozeans aufgehalten. Der unübliche Besuch erfolgte im Rahmen zunehmender Debatten über ein europäisches Eingreifen im Irankrieg zum Schutz der Seeschifffahrt in der Straße von Hormus. Frankreich bestreitet jeden Zusammenhang – aber seine Wortwahl lässt Hintertüren offen.
„Eine französische Naval Task Group, die Operation Jeanne d'Arc mit den Kriegsschiffen Dixmude und Aconit, hat vom 13. bis 16. März in Mombasa Halt gemacht, als Teil einer fünfmonatigen Mission zur Patrouille der Indischen und Pazifischen Ozeane“, hieß es am Montag aus Frankreichs Botschaft in Nairobi in einer von kenianischen Medien zitierten Erklärung. „Ihr Ziel ist, die Freiheit der Schifffahrt zu gewährleisten und das Training französischer und internationaler Offizierkadetten abzuschließen“.
„Freiheit der Schifffahrt“ ist bereits das Ziel der EU-Marinemission Atalanta im Indischen Ozean, die seit 2008 die Seewege vor Somalia vor Piraten schützt und deren Einsatzgebiet bis kurz vor Iran reicht. Seit einigen Jahren ist sie deutlich reduziert. 2024 wurde sie um die Operation Aspides im Roten Meer ergänzt, um Angriffe der von Iran unterstützten Huthi-Milizen in Jemen abzuwehren. Vergangene Woche brachte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine Erweiterung der Operation Aspides auf die Straße von Hormus ins Gespräch.
Essentielle Stützpunkte im Indischen Ozean
Für beide Operationen ist Somalias Nachbarstaat Dschibuti mit seiner großen französischen Militärbasis von logistischer Bedeutung. Somalias anderer Küstennachbarstaat Kenia, historisch ein wichtiger militärischer Standort für die USA und Großbritannien, ist mit Frankreich seit Dezember 2025 durch ein Verteidigungsabkommen verbunden, das unter anderem den Aufenthalt französischen Militärpersonals mit Waffen und Uniformen in Kenia ermöglicht. In diesem Rahmen erfolgte nun der erste offizielle Marinebesuch aus Frankreich.
Für internationale Marinemissionen in der Straße von Hormus wären Stützpunkte am Indischen Ozean essentiell. Es bieten sich dafür neben Dschibuti und Mombasa auch die britische Marinebasis in Duqm in Oman sowie die von Großbritannien an die USA als Miitärbasis verpachtete Insel Diego Garcia im Chagos-Archipel südlich der Malediven an.
Dass Kenia eventuell zum Ausgangspunkt westlicher Miitäroperationen im Indischen Ozean werden könnte, stößt im Land allerdings auf Sorge. „Ist Kenia sicher oder könnte Iran jetzt entscheiden, uns anzugreifen?“ fragte der kenianische TV-Sender „Mutembei TV“ am Sonntag. In Mombasa sind Kenias Sicherheitskräfte in der Vergangenheit mehrmals gegen mutmaßliche radikale Islamisten vorgegangen.
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