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Unterkünfte für queere GeflüchteteSchutz braucht neue Dringlichkeit

Friederike Gräff

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Friederike Gräff

In Hamburg müssen ausgerechnet LGBTIQ*-Geflüchtete in Regelunterkünfte umziehen. Dabei zeigen Erfahrungen, dass sie dort oft Gewalt erfahren.

Die besonders Verletzlichen unter den Geflüchteten: Hamburg bietet zu wenig Plätze Foto: ZUMA Press Wire/Seshadri Sukumar/dpa

V ermutlich geht es hier nicht mal um bösen Willen. Wahrscheinlich sind es eher eine gefühlte geringe Dringlichkeit und ein Mangel an Organisation aufseiten der Hamburger Innenbehörde. Für die Betroffenen spielt das allerdings keine Rol­le:N­ach der kurzfristigen Schließung der Erstaufnahmeeinrichtung in der Kaltenkirchener Straße in Altona sind ausgerechnet die ohne Schutz, die ihn am dringendsten brauchen.

Acht LSBTIQ*-Personen wurden in öffentlich-rechtliche Folgeunterbringungen verlegt. Dass sie dort häufig körperliche Gewalt oder Beleidigungen von anderen Geflüchteten und dem Personal erleben, darauf verweisen Beratende aus der Flucht- und Migrationsarbeit schon lange.

2023 forderte eine Initiative in einem offenen Brief an Innensenator Grote (SPD) vom ersten Tag an eigene Unterkünfte für LSBTIQ+-Personen. Doch im Folgejahr verhinderten die Proteste von An­woh­ne­r:in­nen die Eröffnung einer ebensolchen Unterkunft in Winterhude. Daraufhin begann die Behörde in einer bestehenden Einrichtung Plätze für Personen mit besonderem Schutzbedarf umzuwandeln. Das sind nach Auskunft von Linken-Politikerin Carola Ensslen bislang aber gerade mal ein bis zwei Plätze. Viel zu wenige also.

„Es gibt große Ankündigungen, und dann passiert wenig“, sagt Ensslen. Der Senat hat angekündigt, dass ab Februar Zwei- und Vierbettzimmer mit eigenem Sanitärbereich für Menschen mit besonderem Schutzbedarf in einer Unterkunft in Horn entstehen. Ensslen setzt darauf noch keine allzu großen Erwartungen.

Niemand behauptet, dass es eine einfache Aufgabe ist, den besonders Verletzlichen unter den Geflüchteten den Schutz zu geben, den sie brauchen und auf den sie laut Istanbuler Konvention ein Anrecht haben. Nicht in einer Zeit, in der bereits ihre Anwesenheit hinterfragt wird. Um so schöner, wenn Hamburg aufholte und dem Schutz eine neue Dringlichkeit gäbe: weil er gebraucht wird.

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Friederike Gräff
Redakteurin taz nord
Ausgebildet an der Deutschen Journalistenschule. Interessiert sich dafür, was Menschen antreibt, sei es in Gerichtsprozessen oder in langen Interviews. Hat ein Sachbuch übers Warten geschrieben, "Warten. Erkundungen eines ungeliebten Zustands", Chr.Links Verlag und eines übers Schlafen "Schlaf. 100 Seiten", Reclam. Im Februar 2025 ist ihr Erzählband "Frau Zilius legte ihr erstes Ei an einem Donnerstag" bei Schöffling erschienen.
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