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Elfenbeinküste beim Afrika-CupHinten hui, vorne hui

Auf ihre Defensive können sich die Fußballer der Elfenbeinküste eh verlassen. Beim Afrika-Cup sorgen Diallo und Diomande auch für den Offensivschwung.

Kaum zu stoppen: Der Ivorer Amad Diallo (l.) enteilt mit Ball seinem Gegenspieler Arthur Avom (Kamerun) Foto: Themba Hadebe/ap

Aus Marrakesch

Olaf Jansen

Der Afrika-Cup ist auch im kalten Manchester stets präsent. Der englische Premier-League-Klub United vermisst schmerzlichst seinen Spielmacher Bryan Mbeumo. Und er wird ManUnited noch etwas länger fehlen. Denn ins Viertelfinale hat dieser Kamerun gerade als Kapitän geführt. Die Engländer schauen auch sehnsüchtig auf das Team der Elfenbeinküste und ihren hochtalentierten Amad Diallo, der gerade die ivorischen Anhänger verzückt.

Schon zwei Treffer hat der 23-Jährige beim Afrika-Cup erzielt, er ist auf der rechten Außenbahn der Ivorer so etwas wie ein Schlüsselspieler. Einer, der mit seiner Schnelligkeit und seinen Stärken im Eins-gegen-Eins so etwas wie den Unterschied machen kann. So wie das auf dem anderen Flügel der Elfenbeinküste auch Leipzigs Yan Diomande gerade zeigt.

Die Elfenbeinküste und ihre Offensive – es hatten erhebliche Zweifel an ihrer Qualität geherrscht, bevor der Titelverteidiger zur afrikanischen Kontinentalmeisterschaft aufbrach. Weil die „Elefanten“, wie sie genannt werden, seit Didier Drogba irgendwie keinen echten Star mehr haben. Gerade in der Offensive nicht. Der einzige Stürmer mit internationalem Format – so dachte man – sei Sébastien Haller, der beim Cup verletzungsbedingt fehlt. Ohnehin, so sieht man das beim deutschen Gruppengegner der WM 2026, ist die Defensive das neue Faustpfand.

Die kurz vor dem Afrika-Cup abgeschlossene WM-Qualifikation beendeten die Ivorer ohne ein Gegentor. In zehn Spielen gelangen acht Siege. Das Torverhältnis: 25:0. Die Mannschaft stand defensiv stets sicher, schloss irgendwann einen der spärlich vorgetragenen Angriffe erfolgreich ab und brachte den Sieg über die Zeit.

Verhängnisvolle Kritik

Dabei kann sich das Team aus Westafrika vor allen Dingen auf eines verlassen: die mannschaftliche Geschlossenheit. Ein Prinzip, das Trainer Emerse Faé vor alles andere stellt – auch vor außergewöhnliches Talent. So kostete Nicolas Pépé, der im spanischen Villarreal gerade große Leistungen zeigt, ein kritischer Kommentar gegenüber Teamkollegen die Teilnahme am Afrika-Cup.

Der 30-jährige Offensivspieler hatte vor dem Turnier jene kritisiert, die in jungen Jahren für Frankreich spielten, um später ins Trikot der Elfenbeinküste zu wechseln. Wie das im Übrigen einst auch Trainer Faé gemacht hat. „Hätten wir nur auf den sportlichen Aspekt geschaut, wäre er dabei gewesen“, sagte Faé über Pépé, doch er erklärte: „Zu einer Nominierung gehören auch die Dinge neben dem Platz.“

Der 41-jährige Coach der Ivorer hat sich in kürzester Zeit ein enormes Profil verschafft. Es ist ihm gelungen, aus einem Team der eher Namenlosen eine funktionierende Einheit zu formen. Dabei war der Posten des Nationaltrainers für den einst beim FC Nantes als zentraler Mittelfeldspieler auftrumpfenden Ex-Nationalspieler eigentlich gar nicht vorgesehen.

Zum Afrika-Cup 2024, der in der Elfenbeinküste stattfand, war er als Co-Trainer des Franzosen Jean-Louis Gasset engagiert worden. Als das Team dann aber vor heimischem Publikum in der Vorrunde ein desaströses 0:4 gegen Äquatorialguinea kassierte, wurde Gasset kurzerhand gefeuert.

Sportliches Wunder

Faé übernahm, holte sich von der Pressetribüne den als TV-Experten agierenden ehemaligen Bundesliga-Profi Guy Demel als Assistenten und schaffte ein sportliches Wunder: Er dirigierte das Team nicht nur so gerade eben noch in die K.-o.-Phase, sondern schob die Mannschaft um den erfahrenen Franck Kessié anschließend auf eine Woge des Erfolgs. Am Ende hielten die Nationalspieler in Abidjan vor der freudetrunkenen Anhängerschaft den Siegerpokal in den Händen.

Faé hat gleich vier erstklassige Innenverteidiger zur Verfügung, die allesamt wichtige Rollen in großen europäischen Klubs spielen. In der Startelf stehen mit dem Ex-Frankfurter Evan N’Dicka vom AS Rom und Bergamos Odilon Kossounou (einst Bayer Leverkusen) zwei ehemalige Bundesligaspieler in der Startelf. Dahinter lauern mit Ousmane Diomandé von Sporting Lissabon und Emmanuel Agbadou (Wolverhampton) zwei junge Leute, die bereits auf allerhöchstes europäisches Klublevel mitmischen. Es ist ein Quartett, das in Afrika unerreicht ist – die Konkurrenz schaut da nur neidisch zu.

Im Mittelfeld ist der langjährige Milan-Profi Franck Kessié als Kapitän gesetzt. Der 29-Jährige, der heute für Saudi-Klub Al Ahli spielt, gibt nach wie vor das Tempo und den Rhythmus der Mannschaft vor. Und in der Offensive überzeugen überraschenderweise nun auch noch Diomande und Diallo. Im Achtelfinale am Dienstag trifft das Team auf Burkina Faso. Die Elfenbeinküste ist klarer Favorit. Manchester United wird noch etwas länger auf seinen quirligen Amad Diallo warten müssen.

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