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Buch über Rettung der DemokratieSchöner verwalten

Julia Borggräfe plädiert für eine selbstbewusste Bürokratie.

Kann Bürokratie die Demokratie retten? Foto: Wolfilser/imago

Lange schienen im Ruf nach Bürokratie­abbau fast alle einig. Nun aber hat das Vorgehen von Elon Musk und seiner DOGE-Gefolgschaft in den USA deutlich gemacht, wie nah die libertäre Variante dieser Forderung der auf Demokratiezerstörung zielenden extremen Rechten ist. Das heißt freilich nicht, dass beim Zustand von Bürokratie und Verwaltung kein dringender Handlungsbedarf bestünde.

Das Buch

Julia Borg­gräfe: „Bürokratopia. Wie Verwaltung die Demokratie retten kann“. Wagenbach, Berlin 2025, 144 Seiten, 18 Euro

Das zeigt Julia Borggräfe, Juristin und Beraterin für Verwaltungsinnovation, in ihrem klugen Buch „Bürokratopia. Wie Verwaltung die Demokratie retten kann“. Sie verweist darauf, dass nach aktuellen Befragungen nur 27 Prozent der Befragten darauf vertrauten, „dass der Staat seine vielfältigen Aufgaben bewältigen kann“. 69 Prozent dagegen „halten ihn für überfordert“.

Vor diesem Hintergrund argumentiert Borggräfe gerade für eine Stärkung der Verwaltung. Sie leugnet weder Ineffizienz noch Bürgerferne, betont aber die Notwendigkeit eines „grundlegenden Wandels“: „Weg von der obrigkeitlichen zu einer agilen, kooperativen Verwaltungskultur“. Woran ein solcher Wandel bisher scheitert und was stattdessen zu tun wäre, zeigt sie detailliert an konkreten Fällen, etwa aus dem Bildungsbereich oder bei der Digitalisierung.

Demokratische Bedeutung der Verwaltung

Vor allem aber ermutigt sie die Verwaltung zu „mehr Selbstbewusstsein im Hinblick auf ihre demokratische Bedeutung“. Gerade weil der Staat den Bürgerinnen und Bürgern in ihrem Alltag vor allem in Form der Verwaltung begegne, sei ihre Funktionsfähigkeit zentral für eine vertrauensvolle Beziehung ­zwischen Staat und Staatsbürger.

Die taz bei der Leipziger Buchmesse

Die taz ist bei der Leipziger Buchmesse vom 27. bis 30. März mit einem eigenen Stand vor Ort in Halle 5, Stand G500. Dort werden auch wieder in zahlreichen Talks taz-Autor:innen lesen und diskutieren. Die taz Talks werden auf dem youtube-Kanal der taz live gestreamt. Zur Buchmesse erscheint am 27. März auch wieder die literataz, eine taz mit 12 Extraseiten. Die vergangenen Ausgaben können Sie hier downloaden.

Unser Programm

🐾 Donnerstag 27.03.25

11:00 Uhr: „Post-“ – Nachruf auf eine Vorsilbe – Dieter Thomä

11:45 Uhr: Lauf, Mama, Lauf! – Mareike Barmeyer

12:30 Uhr: Als wäre es vorbei – Katja Petrowskaja

13:15 Uhr: Macht im Umbruch – Herfried Münkler

14:00 Uhr: Zuhause ist das Wetter unzuverlässig – Carolin Würfel

14:45 Uhr: Das Deutsche Demokratische Reich – Volker Weiß

15:30 Uhr: Ginsterburg – Arno Frank

16:15 Uhr: Klapper – Kurt Prödel

19:00 Uhr @Galerie KUB: Was wäre, wenn wir mutig sind – Luisa Neubauer

🐾 Freitag 28.03.25

11:00 Uhr: Trotteln – Robert Seethaler, Rattelschneck

11:45 Uhr: Fischtage – Charlotte Brandi

12:30 Uhr: Russische Spezialitäten – Dmitrij Kapitelman

13:15 Uhr: Schwebende Lasten – Annett Gröschner

14:00 Uhr: Oh! Dalmatien – Doris Akrap

14:45 Uhr: Reise in die Mediengesellschaft USA – Julia Belzig

15:30 Uhr: Meine Sonnenallee – Jan Feddersen

16:15 Uhr: Digitale Diagnosen – Laura Wiesböck

17:00 Uhr: Traumaland – Asal Dardan

🐾 Samstag, 29.03.2025

10:15 Uhr: Edition Le Monde diplomatique: Indien – Modi und die Farbe der Macht – Sven Hansen, Jakob Farah

11:00 Uhr: Pazifismus, ein Irrweg? – Pascal Beucker

11:45 Uhr: Kipppunkte – Georg Diez

12:30 Uhr: Zuhören – Bernhard Pörksen

13:15 Uhr: Die dunkle Seite der Sprache – Tim Henning, Nikola Kompa, Christian Nimtz

14:00 Uhr: Norwegen, wir kommen auf Umwegen! – Wahrheitsklub mit Harriet Wolff, Andreas Rüttenauer, Rattelschneck aka Marcus Weimer, LAMINATOR

14:45 Uhr: Die Spree – Uwe Rada

15:30 Uhr: Der 7. Oktober und der Krieg in Gaza – Muriel Asseburg

16:15 Uhr: Autoritäre Rebellion – Andreas Speit

17:00 Uhr: Frau Zilius legt ihr erstes Ei an einem Donnerstag –Friederike Gräff

🐾 Sonntag, 30.03.2025

10:00 – 13:00 Uhr: Hilfe in Sachen ePaper und Abo – taz Seitenwende

14:00 Uhr: Wruuum! Crash! Boom! – Comicworkshop mit Michel Esselbrügge

Eine sich ihrer Bedeutung bewusste Verwaltung solle gegenüber der Politik fordernder auftreten, Verwaltungspraxis müsse eine größere Rolle in Gesetzgebungsverfahren spielen. Borggräfe wünscht sich – das ist der Kern ihrer „Bürokratopie“ – eine Verwaltung als „moderne, dynamische und kompetente Akteurin“ als wichtige Säule der Demokratie.

Borggräfe übergeht auch die gegensätzliche Seite nicht, worin eine der Stärken ihres Essays liegt: Verwaltung darf nicht zum Selbstzweck werden. Sie muss eine effektive Kontrolle durch die Gesellschaft gewährleisten. Je effizienter und mächtiger der Staat, desto mehr Kontrollmöglichkeiten müssen Staat und Verwaltung der Gesellschaft garantieren. Positionierte sich die Verwaltung als selbstbewusster Teil des demokratischen Staats, steigerte sie die dringend notwendige Resilienz gegenüber inneren wie äußeren Angriffen auf die Demokratie.

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3 Kommentare

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  • Ein Beispiel:



    Beantragung eines neuen Personalausweises.



    Wie geht's?



    1. Online Termin buchen.



    2. Der offiziell 10min. lange Zeitslot ist frühestens in 6(!) Wochen.



    3. Am Tag X kommen.



    4. Der Termin dauert i. d. R. keine 10min, außer vielleicht, wenn man spontan gleich einen Reisepass beantragt.



    5. Zur Abholung muss ebenfalls ein Termin beantragt werden, ebenfalls 10min.

    Meine Fragen:



    Arbeiten die etwa alle zu langsam?



    Warum bekommt man erst in 6 Wochen einen Termin?



    Wofür benötigt man für die Abholung einen 10min.-Slot?

    Was will ich damit demonstrieren?



    Ganz einfach: Unsere Verwaltungen arbeiten zu langsam und zu ineffizient. Das hat nicht primär etwas mit Bürokratie zu tun, sondern vor allem mit der Organisation und Digitalisierung von Ämtern. Dass mehr Digitalisierung die Dinge nicht automatisch besser macht, sieht man an der Art der Terminvergabe, die aus Corona-Zeiten stammt.



    Dass Ämter immer dann geöffnet sind, wenn die arbeitende Bevölkerung ihrem Job nachgeht, ist oft ebenfalls ein Problem.

    Es gäbe genügend zu verbessern und vor allem zu beschleunigen, ohne echten "Bürokratieabbau" betreiben zu müssen.

  • Eine demokratische Verwaltung hält sich an Gesetze, handelt für den Bürger und nicht für sich selbst.

    • @womzie:

      So die Theorie ...