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Schlechte Löhne auf dem ArbeitsmarktFast ein Viertel unter 14 Euro

Knapp 24 Prozent der Beschäftigten in Deutschland verdienen weniger als 14 Euro pro Stunde, etwa 15 Prozent nur Mindestlohn. Die Linke fordert deutliche Erhöhung.

Friseurhandwerk: Hier wird im Durchschnitt nicht so viel verdient Foto: Ute Grabowsky/photothek/imago

afp/dpa | Fast jeder vierte Beschäftigte in Deutschland verdient nach Zahlen des Statistischen Bundesamts einen Niedriglohn von weniger als 14 Euro brutto die Stunde. Dies geht aus der Antwort des Statistikamts auf Anfrage der Linken im Bundestag hervor. Von rund 39,8 Millionen Beschäftigungsverhältnissen betraf dies im Oktober 2022 rund 9,3 Millionen (23,35 Prozent). Auszubildende sind nicht mitgerechnet. Über die Zahlen berichtete zuerst die „Funke Mediengruppe“. Sie liegen der Deutschen Presse-Agentur ebenfalls vor.

14,8 Prozent der Erwerbstätigen erhalten demnach den Mindestlohn von zwölf Euro die Stunde. „Wenn jeder Vierte in Deutschland unter 14 Euro brutto in der Stunde verdient, haben wir ein deutlich zu niedriges Lohnniveau“, sagte Linksfraktionschef Dietmar Bartsch den Funke-Zeitungen. Er forderte: „14 Euro Mindestlohn wären jetzt notwendig – auch als Inflationsausgleich.“

Die Ampel-Koalition hatte den Mindestlohn im vergangenen Jahr auf seinen derzeitigen Wert von zwölf Euro erhöht. Die Mindestlohnkommission hatte Ende Juni vorgeschlagen, ihn zum 1. Januar 2024 zunächst auf 12,41 Euro pro Stunde zu erhöhen und zum Jahresbeginn 2025 auf 12,82 Euro.

Bartsch nannte eine solche Erhöhung einen „dramatischen Reallohnverlust“. „Das niedrige Lohnniveau wird uns auch bei der Rente auf die Füße fallen“, fügte er hinzu. Es drohe „millionenfache Altersarmut“.

Auch der Sozialverband VdK bekräftigte seine Forderung nach einem Mindestlohn-Anstieg auf 14 Euro. Die Zahlen des Statistischen Bundesamts seien „alarmierend“, erklärte VdK-Präsidentin Verena Bentele am Mittwoch. Ihr Verband weise „immer wieder darauf hin, dass niedrige Löhne die Altersarmut dramatisch verschärfen“. Bentele betonte: „Der Mindestlohn muss auf 14 Euro steigen, damit spätere Rentnerinnen und Rentner nicht auf staatliche Hilfen angewiesen sind.“

„Wer 45 Jahre zu einem Stundenlohn von 14 Euro gearbeitet hat, erwirtschaftet eine Rente oberhalb des Existenzminimums“, verwies Bentele auf entsprechende Berechnungen. „Ein langes Arbeitsleben darf nicht dazu führen, dass die Rente nicht reicht“, betonte sie. „Das muss auch der Anspruch der Politik und vor allem auch der Mindestlohnkommission sein.“

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2 Kommentare

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  • OT, aber: Ist spannend, dass vor Einführung des Mindestlohnes die Frage diskutiert wurde, ob bei 5 oder 6 Euronen Mindestlohn der "Untergang" bevorstünde. Nicht vergessen, es gab damals 120 Tarifverträge von DGB-Gewerkschaften mit Tariflöhnen unter 5 Euro. Die Wirtschafts-"Experten" (Sinn, Siems, und die restlichen neoliberalen Hardcore-Fundamentalisten) fabulierten über Millionen Arbeitsplätze, die verloren gehen würden.



    Passiert ist - nichts. Man hat nicht mal die vorgenannten "Experten" gefeuert.

  • 6G
    687478 (Profil gelöscht)

    „Wer 45 Jahre zu einem Stundenlohn von 14 Euro gearbeitet hat, erwirtschaftet eine Rente oberhalb des Existenzminimums“



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    Grundsätzlich finde ich, dass die Lohnuntergrenze bei 70% des Durchschnitts und die Lohnobergrenze bei 200% des Durchschnitts liegen sollte. Dessen ungeachtet finde ich es aber schlicht dumm, 45 Jahre lang für den Mindestlohn zu arbeiten, oder aber selbst gewollt.