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Rücktritt wegen Hass

Bremens Bildungssenatorin legt Amt nach Anfeindungen nieder

Am Mittwoch hat die Bremische Bürgerschaft mit der SPD-Politikerin Sascha Aulepp eine neue Bildungssenatorin gewählt. Ihre Vorgängerin Claudia Bogedan, ebenfalls SPD, hatte wenige Tage zuvor dem Spiegel ein Interview gegeben, in dem sie zum letzten Mal die Bremer Politik der offenen Schulen erklärte.

Anders als in den meisten Bundesländern waren die Bremer Schulen nie komplett geschlossen, lediglich die Präsenzpflicht war für einige Monate aufgehoben. Aber kein Jahrgang musste wie in Hamburg über Monate zu Hause bleiben und die Grundschulkinder hatten keine drei Wochen Wechselunterricht. Bogedan, die in Bremen die treibende Kraft für diese Strategie gewesen war, hatte dies stets damit begründet, dass das Infektionsrisiko abgewogen werden müsse gegen andere Gesundheitsgefahren wie Unterernährung, Bewegungsmangel und psychische Erkrankungen sowie Lernrückstände. Einmal hatte sie in einem Interview mit dem Fernsehmagazin „buten und binnen“ sogar gesagt, sie übernehme die volle Verantwortung dafür, wenn es schief gehen und Kinder und Jugendliche sich massenhaft anstecken würden.

Für diesen Satz aber auch für ihre grundsätzliche Linie war sie in sozialen Medien zum Teil unter der Gürtellinie angegriffen worden. Die Angriffe hören auch jetzt nicht auf, obwohl es keine Belege dafür gibt, dass sich Bremer Schü­le­r*in­nen häufiger in Schulen angesteckt haben als in anderen Bundesländern.

Im Spiegel-Interview nennt sie die Angriffe als einen der Gründe, warum sie ihr Amt niedergelegt hat und zurück geht zur Hans-Böckler-Stiftung, deren Geschäfte sie ab September führen wird. „Ich musste einen Ausstieg finden, damit meine Familie zur Ruhe kommen kann“, sagt sie darin. Bei einer Pressekonferenz im April hatte sie noch bestritten, wegen der Belastungssituation zurückzutreten.

Im Interview erklärt sie auch, wütend zu sein auf „hochrangige Politikerinnen und Politiker“, die die Schulschließungen über Monate verteidigt hätten und jetzt eine „verlorene Generation“ beklagen würden. Wen sie damit meint, bleibt unklar. Die Interviewerin vermutet, sie meint die Grünen. Allerdings standen die Bremer Grünen wie die anderen beiden Regierungsfraktionen Linke und SPD hinter ihrem Kurs – was sie selbst immer wieder in Interviews als rückenstärkend hervorgehoben hatte. Eiken Bruhn

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