Fast 2.000 mal Judenhass

Vermehrt judenfeindliche Vorfälle bei Verschwörungsideologen

Die Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) haben im Jahr 2020 bundesweit 1.909 antisemitische Vorfälle erfasst. Ein großer Teil davon (1.449 Fälle) bezieht sich dabei auf verletzendes Verhalten, womit Beschimpfungen, judenfeindliche Aufkleber oder verbale Hassbotschaften gemeint sind. Die Initiatoren der Recherchestellen räumen ein, dass ihre Zahlen nicht vollständig sein können. Denn erfasst wurden die Vorfälle nur in den vier Bundesländern Bayern, Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein. Auch wenn weitere Daten aus anderen Bundesländern in den Bericht einflossen, „ist von einer großen Dunkelziffer auszugehen“, so RIAS.

Auffällig ist die Zunahme antisemitischer Vorfälle mit verschwörungsideologischem Hintergrund, die besonders bei Versammlungen von sogenannten Coronakritikern beobachtet wurden. 284 Mal zählten die Meldestellen antisemitische Inhalte bei entsprechenden Versammlungen, sei es bei Reden, auf Schildern oder auf der Kleidung. Demgegenüber ging die Zahl des Israel-bezogenen Antisemitismus deutlich zurück. Für das laufende Jahr registrierte RIAS aber bereits im Zusammenhang mit den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und der islamistischen Hamas eine „deutliche Zunahme“ auch von gewalttätigen Angriffen.

Bei gut der Hälfte aller judenfeindlichen Vorfälle konnte kein eindeutiger politisch-weltanschaulicher Hintergrund festgestellt werden. Bei den übrigen überwogen rechtsextreme und rechtspopulistische Einstellungen gefolgt von verschwörungsideologischen Ideen. Klaus Hillenbrand

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