das portrait

Radu Preda, dubioser rumänischer Institutsleiter, wird abgesetzt

Foto: Biserica romaneasca

Ganz überraschend kam es nicht. Der Theologe Radu Preda, Leiter des rumänischen Instituts für die Untersuchung der kommunistischen Verbrechen und des Gedenkens an das Rumänische Exil (IICCMER), wurde jetzt am Dienstag fristlos entlassen. Der liberale Premier Ludovic Orban begründete nun die angeordnete Absetzung mit dem Hinweis, Preda sei für zahlreiche finanzielle und administrative Verstöße verantwortlich. Dem 1971 geborenen orthodoxen Pfarrer werden in Rumänien falsche Abrechnungen sowie Verschwendung öffentlicher Gelder angelastet.

Obwohl eine Amtsenthebung durch die seit November amtierende Regierung zu erwarten war, stilisierte sich Preda zum Opfer. Am Freitag streute er auf Facebook bewusst eine Falschmeldung: Man habe es aus Mangel an Empathie für die Opfer des Kommunismus auf sein Institut abgesehen und wolle dieses abschaffen.

Seine absichtlich zur Täuschung der Öffentlichkeit verbreitete Fake News erhielt erwartungsgemäß den Applaus seiner Fans. Darunter auch bekannte Rechtsextremisten, die sich seit Jahren für die Rehabilitierung einiger in kommunistischer Zeit inhaftierter Faschisten einsetzen und diese als „Gefängnisheilige“ verherrlichen.

Predas Sympathien für gewisse Anhänger der rumänischen Faschistenorganisation, die sich in den 1920er Jahren „Legion des Erz­engels Michael“ nannte, gehen bis in seine Studentenzeit in Bukarest zurück. Bereits 1992 veröffentlichte er ein „Tagebuch“, in dessen Mittelpunkt der nach der Wende zum Philosophen hochstilisierte, höchst umstrittene Petre Ţuţea stand. In markigen Aphorismen verbreitete Ţuţea seine antidemokratischen und rechtsradikalen Ansichten, die nach 1990 von Leuten wie Preda mit religiöser Inbrunst aufgesogen wurden.

Als Wunschkandidat des Bukarester Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung wurde Preda 2014 für die Dauer von fünf Jahren vom damaligen sozialdemokratischen Premier, Victor Ponta, zum Institutsleiter ernannt. Die Verlängerung des Mandats erfolgte im vergangenen Jahr durch die abgesetzte Ministerpräsidentin Viorica Dăncilă.

Das Direktorat Predas war aber seit Jahren umstritten. 2015 verunglimpfte er das Gesetz, das die Holocaustleugnung, antisemitische und rechtsextreme Propaganda verbietet. Er deutete das Gesetz als eine gegen die Aufarbeitung des Kommunismus gerichtete Bestimmung. Aus Protest gegen diese Erklärungen verließen mehrere Mitglieder den wissenschaftlichen Beirat des 2005 gegründeten Instituts und forderten den Rücktritt des Leiters.

Als cleverer Theologe hat Radu Preda aber schon vorgesorgt und sich im letzten Jahr einen Posten als Pfarrer der orthodoxen „Mariä Verkündigung“-Gemeinde in München gesichert. Dort wird er nun in Zukunft seine Schäfchen mahnen, nicht zu lügen, zu betrügen oder die Wahrheit zu fälschen.

William Totok