geht’s noch?

Ethikkommission des DFB

Trotz dessen rassistischer Aussage wird es kein Verfahren gegen Schalke-Boss Clemens Tönnies geben. Das zeigt: Wer Geld und Einfluss hat, muss im deutschen Fußball nichts befürchten

Man stelle sich vor, ein Angeklagter steht vor Gericht: Er hat gestohlen, sagen wir, ein Auto. Aber dann legt er dar, dass er das Auto zwar geklaut hat, aber so ganz grundsätzlich normalerweise kein Dieb ist, und das Gericht sagt: Okay, ist zwar doof, was du gemacht hast – aber wenn du sagst, dass du sonst nicht klaust, dann passt das schon. So in etwa argumentierte die DFB-Ethikkommission bei dem seltsamen Versuch, einen Ausweg für Schalke-Boss Clemens Tönnies zu finden.

Der mächtige Geldgeber, Fleischfa­bri­kant und Putin-Freund hatte sich am Tag des Handwerks rassistisch über Afri­kaner geäußert und Widerstand von Schalke-Fans und Ex-Spielern erfahren. Und immerhin, nachdem der Tönnies-getreue Schalker Ehrenrat vor allem gegen die Kritiker feuerte, hat die DFB-Ethikkommission nun die Aussage als rassistisch bezeichnet und „missbilligt“ sie. Auf ein Verfahren verzichtet sie allerdings, weil „Herr Tönnies […] überzeugend vermitteln konnte, dass er kein Rassist ist“. Wie bitte soll das denn funktionieren? Hat er gesagt, sein bester Freund sei schwarz und er könne demnach kein Rassist sein?

Es ist eine leicht durchschaubare Verdrehungsübung. Sie zeigt vor allem, dass einem im deutschen Fußball immer noch wenig passieren kann, solange man über genug Geld und Einfluss verfügt. Es geht nicht darum, ob Tönnies grundsätzlich ein Rassist ist. Niemand außer ihm selbst weiß das, dies hier ist nicht das Jüngste Gericht, und kein Mensch ist frei von Vorurteilen. Es geht um eine Strafe für eine rassistische Äußerung. Und um die öffentliche Verhandlung gesellschaftlicher Normen, mithin darum, ob diese Aussage von einem Vereinsboss mit Vorbildfunktion toleriert werden soll.

Tönnies hat den Satz auf dem Podium bei einer Rede angebracht, man darf ihm Kalkül unterstellen. Wenn die Ethikkommission Rassismus feststellt, muss sie auch Konsequenzen ziehen. Leider hat sie das verpasst.

Dabei zeigt der Fall durchaus Veränderungen: Noch vor zehn Jahren hätte ein solcher Spruch niemanden interessiert. Der Fußball ist in Teilen sensi­bler geworden, gesellschaftliche Debatten werden intensiver in die Kurven getragen.

Hätte ein Schalker Nachwuchsspieler dieselbe Aussage gemacht, hätte er wahrscheinlich eine überharte Strafe zahlen müssen oder wäre sogar aus dem Kader geflogen. Für die Reichen und Wichtigen, das zeigt der Fall deutlich, gelten aber immer noch eigene ­Gesetze. Alina Schwermer