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Freihandelszone für ganz Afrika tritt in Kraft

Die „Africa Continental Free Trade Area (AfCFTA)“ wird als „historischer Meilenstein“ gefeiert. Doch bis der innerafrikanische Handel wirklich anzieht, muss noch viel passieren

Das Neue

Am Donnerstag ist offiziell die Afrikanische Freihandelszone in Kraft getreten. Das „Africa Continental Free Trade Area (AfCFTA)“ ist perspektivisch der größte Binnenmarkt der Welt für Waren und Dienstleistungen: Er soll, wenn er vollendet ist, alle 55 Mitglieder der Afrikanischen Union mit insgesamt über 1,2 Milliarden Menschen zusammenführen.

Der Kontext

Die AU hatte sich 2012 das Ziel gesetzt, innerhalb von fünf Jahren die bestehenden regionalen Freihandelszonen Afrikas zu einer einzigen zu verschmelzen und damit innerafrikanische Handelsschranken abzubauen – weniger als ein Fünftel des afrikanischen Außenhandels findet innerhalb Afrikas statt, viele Staaten sind wirtschaftlich immer noch enger mit ihren ehemaligen Kolonialmächten verflochten als mit ihren geografischen Nachbarn. Beim AU-Gipfel in Ruanda 2018 unterschrieben 44 von 55 Mitgliedern das AU-Freihandelsabkommen. Rechtskräftig werden sollte es 30 Tage, nachdem die Hälfte der 44 Staaten es ratifiziert haben. Mit der Ratifizierung durch Gambia als 22. Staat am 30. April stand der 30. Mai als Stichtag fest. In der Zwischenzeit ist die Anzahl der Unterzeichner-Staaten auf 52 gestiegen und die der Ratifizierer-Staaten auf 24. Zu den Nichtunterzeichnern gehört allerdings Afrikas bevölkerungsreichstes Land Nigeria. Die anderen sind das von Nigeria ökonomisch abhängige Benin sowie das abgeschottete Eritrea.

Die Reaktionen

„Historischer Meilenstein!“ twitterte AU-Handelskommissar Albert Muchanga. Zahlreiche afrikanische Politiker und Beobachter äußerten sich ähnlich und sprachen von einem „historischen Schritt zu einem geeinten Afrika“.

In Deutschland sprach Christoph Kannengießer, Hauptgeschäftsführer des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft, vom „richtigen Signal zur richtigen Zeit“, auch wenn es wohl noch Jahre dauern werde, bis tatsächlich alle Handelsbarrieren fallen. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sprach von einem „historischen Moment für unseren Nachbarkontinent, vergleichbar mit dem Start des EU-Binnenmarktes vor bald 30 Jahren“. Jetzt müsse es darum gehen, Handelshemmnisse zwischen Afrika und Europa zu beseitigen.

Die Konsequenz

Am 7. Juli wird AfCFTA auf einem AU-Gipfel in Nigers Hauptstadt Niamey offiziell lanciert. Die UN-Wirtschaftskommission für Afrika rechnet damit, dass die Freihandelszone den innerafrikanischen Handel kurzfristig bis 2020 um über 50 Prozent vergrößert. Experten weisen jedoch darauf hin, dass technische Fragen wie Schlichtungsmechanismen und Herkunftszertifikate geklärt werden müssen, damit auf die Freihandelszone ein reelles panafrikanisches Freihandelsabkommen folgen kann. Außerdem muss die Abwicklung von Handelsformalitäten an Grenzposten einfacher werden. Dafür sind Investitionen in Infrastruktur und Technik nötig, ebenso Fortbildung von Zollbeamten und Kampf gegen Korruption. Dominic Johnson