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: Tuifly darf neue Boeing-Jets nicht kommen lassen

Nach dem fast weltweiten Flugverbot für das Modell 737 Max 8 droht Billigflieger Norwegian Air dem US-Flugzeughersteller mit Schadenersatzforderungen. Tuifly mietet Ersatzflieger

Das Neue

Nachdem etliche Länder Flugverbote für die Boeing 737 Max 8 und Max 9 verhängt haben, hat mit dem Billigflieger Norwegian Air die erste Fluglinie Schadenersatzforderungen an den Flugzeughersteller angekündigt. „Norwegian darf nicht wirtschaftlich bestraft werden, weil ein komplett neues Flugzeug nicht fliegen kann“, hieß es.

Die deutsche Fluggesellschaft Tui­fly reagiert weitaus zurückhaltender. „Wir werden nicht in den Wettbewerb einsteigen, wer fordert was von Boeing“, sagte ein Sprecher. Ohnehin sei ungewiss, ob die Airline Schadenersatz geltend machen kann. Schließlich sei es eine Entscheidung der Behörden gewesen, den Flugstopp zu verhängen. Tuifly setzt seit Januar 2018 in Belgien, den Niederlanden und Großbritannien 15 Maschinen dieses Typ an, die bislang 6.500 Flüge absolviert haben. „Wir hatten keine besonderen Vorkommnisse“, sagte der Sprecher.

Der Kontext

Mit dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien am Sonntag ist innerhalb von wenigen Monaten zum zweiten Mal eine Maschine dieses Typs havariert. Bislang gibt es keine Informationen zur Absturzursache. Weil beide Flugzeuge neu waren und kurz nach dem Start abstürzten, besteht der Verdacht, dass die Unfälle den gleichen Hintergrund haben. Die Fluggesellschaft Ethiopian Airlines will den Flugschreiber der Maschine in Europa auswerten lassen. Australien und viele asiatische Länder haben ein Flugverbot für die 737 Max 8 und Max 9 verhängt, denen sich die EU angeschlossen hat. Am Mittwoch kamen Ägypten, Serbien und weitere Länder hinzu. Die USA und Kanada dagegen hatten bis Redaktionsschluss kein Flugverbot verhängt. Nach US-Medienberichten soll Boeing-Chef Dennis Muilenburg mit US-Präsident Donald Trump telefoniert und sich gegen ein Start- und Landeverbot ausgesprochen haben.

Die Reaktionen

Hersteller Boeing bestreitet Sicherheitsprobleme. „Wir haben volles Vertrauen in die Sicherheit“, teilte der Konzern mit. Laut Tuifly hat Boeing für die betroffenen Maschinen ein baldiges Software-Update angekündigt.

Die Konsequenz

Reisende in Europa sind kaum von den Flugverboten betroffen. Die 737 Max 8 ist erst 2017 auf den Markt gekommen und wird noch nicht häufig eingesetzt. Bei Tuifly ist nach Angaben des Sprechers trotz des Verbots kein Flug ausgefallen, weil die Airline schon vor dem Verbot Ersatzkapazitäten gemietet hat.

Tuifly hat für den Einsatz in Deutschland sechs weitere 737 Max 8 bei Boeing geordert, die in den nächsten Tagen ankommen sollten. Das wird wegen des Flugverbots nicht möglich sein. „Wir müssen die Freigabe abwarten“, sagte der Sprecher. An der Bestellung hält Tuifly fest. Für den Hersteller Boeing ist der Verdacht bedrohlich, dass diese Flugzeugtypen oder dort eingesetzte Computerprogramme falsch konstruiert sein könnten. Die 737-Serie ist die am besten verkaufte von Boeing. Außerdem ist der Imageschaden enorm. Anja Krüger

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