Unser Sport soll bunter werden

Die taz hat sieben Sportvereine zu ihrem Engagement für mehr Toleranz und gegen rechts befragt. Die Antworten zeigen vor allem ein Muster: Man strengt sich besonders dann an, wenn es einen äußeren Anstoß gibt. Aber müssen sich Sportvereine überhaupt gegen rechts positionieren?

Bei den Eisbären gab es Probleme mit Rechtsextremismus. Was haben sie dagegen getan? Foto: Sebastian Wells

Rund um den 27. Januar hat der ­deutsche Fußball wieder der Befreiung des Konzentrationslagers ­Auschwitz gedacht, unter anderem mit Aktionen gegen Rassismus, Diskussionen mit Holocaustüberlebenden, Choreografien in den Fankurven.

Es ist zum guten Ton bei den meisten Profifußball- und einigen Amateurvereinen geworden, sich gegen Rechtsextremismus und für Toleranz zu engagieren oder zumindest halbherzig zu positionieren, auch in Berlin. Die Aufgaben der Vereine werden umfassender gedacht. Was hat das mit den Sportarten außerhalb des Männerfußballs gemacht?

Der kommerzielle Mannschaftssport ist paradoxerweise ein natürlicher Boden sowohl für Rechtsextremismus als auch für Antirassismus: Ersteres, weil er mit Ehre, Stolz, Bruderschaft und Treue kokettiert – mit konservativen Werten also, die leicht in Hass umschlagen können. Anhängerschaft bedeutet immer auch eine Abgrenzung gegen das Andere. In einer gut organisierten, anonymen Masse fällt zudem der Aufbau rechter Netzwerke leicht.

Aber wo es schnell brennt, gibt es im besseren Fall auch mehr Auseinandersetzung und Prävention. Der Verein vereint wirklich, das ist kein Klischee.

Der Sport weiß, was der Mainstream hören möchte

Außerdem gehen Kapitalismus, Leistungsgesellschaft und Antirassismus im Sport eine natürliche Allianz ein. Wenn der schwarze Spieler so Wunderbares für die Klubkasse leistet, soll er nicht verunglimpft werden; der Sport ist auf internationales Humankapital und internationale Sponsorengelder angewiesen. Er weiß also einerseits, welche Positionen der Mainstream von ihm hören möchte. Andererseits kann er eine Klientel erreichen, die sonst nicht unbedingt über den Holocaust diskutieren würde.

Für den Text auf Seite 46 und 47 wurden insgesamt sieben lokale Profivereine und Verbände befragt, ob und was sie und ihre Mitglieder gegen Rechtsextremismus und für Toleranz tun: Die Eisbären, die Füchse, Alba Berlin, die BR Volleys, der Berliner Turn- und Freizeitsportbund (BTFB), der Berliner Leichtathletik-Verband (BLV) und Turbine Potsdam.

Dies ist nur eine kleine Auswahl, die natürlich nicht repräsentativ sein kann. Ganz bewusst waren die Antwortmöglichkeiten weit gefasst und umfassten auch Teilnahme an Demos, Projekte mit Geflüchteten oder Engagement einzelner Fangruppen. Einige, zumeist die Engagierten, haben sich auch ausführlich in Gesprächen erklärt. Andere wurden sehr schmallippig.

In den Antworten auf die Umfrage ist vor allem ein Muster zu erkennen: Sportvereine und -verbände außerhalb des Männerfußballs engagieren sich vor allem dann, wenn es einen äußeren Anstoß gibt: Entweder muss es im Verein konkrete Probleme mit Rechtsextremismus geben. Oder es müssen sich einzelne Personen im Verein befinden, die ein persönliches Inter­esse an der Thematik haben und das Umfeld mitziehen. Ist das nicht der Fall, hat das Thema oft keine Relevanz.

Engagement für Klimaschutz oder Obdachlose geht oft unter

Aber müssen sich Sportvereine überhaupt gegen rechts positionieren? Im medialen Interesse für Nazis geht das Engagement von Sportvereinen etwa für Klimaschutz, für Obdachlose oder sozial Schwache oft unter. Dabei stellt sich die Frage, ob ein Projekt im Problemkiez nicht viel effektiver gegen rechts sein kann als ein Spruchband.

Allerdings setzt sich der Sport manchmal auch selbst unter Zugzwang. Wer gern über die integrative Kraft seiner Branche tönt, muss sich nicht wundern, wenn nachgefragt wird, was denn konkret unternommen wird. Erstaunlich ist vor allem das geringe Bewusstsein in einigen traditionell weißen Sportarten. Da gibt es durchaus Berliner Leuchttürme, die nichts für die Diversifizierung ihres Sports unternehmen. Die Füchse haben als einzige Befragte sogar eine Teilnahme an der Umfrage abgelehnt.

Was man außerdem bedenken muss, ist, dass die Bedingung für Engagement natürlich immer auch Geld ist. Für einen Hashtag oder eine Demo-Teilnahme braucht es nicht viel, für Nachhaltigkeit schon. Je kleiner der Verein, desto geringer die Kapazitäten, über den Sport hin­auszuschauen.

Und vielleicht auch das Inter­esse daran: Wer abhängig ist von wenigen Fans und Sponsoren, will möglicherweise durch allzu lebhafte Positionierung nicht auch noch diese verprellen.

Erster Teil eines Schwerpunkts zum Thema Sport und Politik aus der Printausgabe der taz vom 2./3. März 2019

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