Jürn Kruse
Mitarbeiterin der Woche

Frauke Gerlach

Karikatur: Elias Hauck

Am Ende war es eine einstimmige Entscheidung: Alle Grimme-Gesellschafter hätten sich „einvernehmlich für die Verlängerung des Geschäftsführungsvertrages von Dr. Frauke Gerlach um weitere fünf Jahre ausgesprochen“, hieß es in einer Pressemitteilung des Deutschen Volkshochschulverbands – des größten Gesellschafters des Grimme-Instituts – in der vergangenen Woche.

Wie die taz vorab berichtet hatte, war der neue Vertrag für die Juristin Gerlach auf der Gesellschafterversammlung am Mittwoch eingetütet worden. Und was es nun zu tun gibt, hatte die 54-Jährige schon im Mai in einem Gastbeitrag in der Süddeutschen Zeitung umrissen: „Die Zeiten, in denen in Deutschland Rundfunkstaatsverträge in aller Regelmäßigkeit und fast ohne öffentliche Debatte geändert werden, sind vorbei“, schrieb sie dort. „Medienpolitik ist nicht mehr allein die Sache eines kleinen Kreises von Medienpolitikerinnen und Medienpolitikern in den Ländern, von Interessenvertretern, Verbänden und Rundfunkrechtlern.“

Wenige Interessenvertreter stritten sich um den Telemedienauftrag; darum, was die Öffentlich-Rechtlichen im Netz machen sollten; wie presseähnlich die Angebote von ARD, ZDF und Deutschlandradio sein dürften.

„Wie steht es aber um die Bedürfnisse der Gesellschaft? Wo wird die Frage der Qualität von Angeboten diskutiert, wie ist es mit dem Zugang zu den Archiven der Sender, wer entscheidet über die Frage, wie viel Netzpräsenz gut und wann sie einzuengen ist, welche Interessen befriedigt werden und welche nicht? Was kostet es, wenn Beitragszahlerinnen und Beitragszahler alles, und zwar jetzt haben wollen? Was ist rechtlich möglich und welche Hürden setzt beispielsweise das Urheberrecht, die Rechte der Kreativen?“

Das sind alles legitime Fragen. Nur: Hat das Grimme-Institut in den letzten Jahren genug dafür getan, um genau diese Debatten zu führen und in die Gesellschaft zu tragen?

Es gibt nicht wenige, die meinen, dass zu all diesen und weiteren Fragen (Arbeitsklima im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, #MeToo, Frauen in Führungspositionen) aus Marl zu wenig zu hören gewesen sei.

Gerlach hat nun – sollte sie das Angebot zur Vertragsverlängerung annehmen – weitere fünf Jahre Zeit, zu zeigen, dass Deutschlands wichtigstes Fernseh-Institut, das den wohl renommiertesten Preis vergibt, mehr kann, als einmal im Jahr die Besten zu küren.