BrunsbüttelAKW-Abriss könnte scheitern, weil Zwischenlager für Brennstäbe fehlt

Habeck in der Zwickmühle

Hamburg taz | Schleswig-Holsteins grüner Energieminister Robert Habeck will erklärtermaßen „das Kapitel Atomkraft beenden. Und dazu gehört, den Meiler Brunsbüttel abzureißen und Krümmel und Brokdorf ebenfalls möglichst rasch“. Das sagte er schon vor einem Jahr im taz-Interview. Jetzt bringt ihn genau damit Vattenfall in die Bredouille. Der Energie­kon­zern will das seit 2007 stillgelegte Atomkraftwerk Brunsbüttel zurückbauen. Dafür müssen die hochradiokativen Brennelemente aus dem Reaktordruckbehälter entfernt werden. Aber es gibt keinen Platz, wo sie sicher gelagert werden können.

Vattenfall hat am Freitag bei der Atomaufsicht in Habecks Ministerium beantragt, die 517 Brennelemente in Castoren im Zwischenlager des AKWs „bereitzustellen für die spätere Zwischenlagerung“. Die umständliche Formulierung versucht, das Problem zu verdecken: 2015 hatte das Oberverwaltungsgericht Schleswig die Betriebsgenehmigung für das Brunsbütteler Zwischenlager aufgehoben, weil es nicht ausreichend vor Terroranschläge geschützt sei. Neun Castoren mit 468 Brennelementen werden seitdem dort nur noch geduldet, „weil wir sie ja nicht einfach auf den Deich stellen können“, wie ein grüner Landtagsabgeordneter damals zu Recht feststellte.

Irgendwohin müssen die Brennelemente aber, bevor das AKW abgerissen werden kann. Habeck lässt nun prüfen, ob das verbotene Zwischenlager als Verwahrstätte fachlich infrage kommt. Und ob das juristisch überhaupt rechtens wäre. Wenn nicht, hat der Mann, der grüner Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl 2017 werden will, ein Problem. Dann scheitert der Abriss des Meilers am Fehlen eines Zwischenlagers, von einem Endlager ganz zu schweigen: Der tatsächliche Atomausstieg in Deutschland stünde dann schlimmstenfalls nur noch auf dem Papier.

Sven-Michael Veit