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KUNST

KunstBeate Schederschaut sich in Berlins Galerien um

Es gibt ja Orte in dieser Stadt, die bei Touristen ungeheuer beliebt sind, von Einheimischen hingegen großräumig gemieden werden. Die East Side Gallery zum Beispiel. Clemens Wilhelm hat sich genau dort den Hintern auf einem Klappstuhl platt gesessen, mit Sonnenbrille auf der Nase, stoischem Blick und einem Schild in der Hand: „The most photographed Man in Berlin“. Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Die Touris knipsten und kommentierten. Wilhelm bastelte aus beidem ein Video zusammen, ein absurdes Sinnbild des massentouristischen Blicks. Neben zwei weiteren, für die Wilhelm etwas größere Reisen auf sich genommen hat, ist dieses in der ersten Einzelausstellung des Berliner Künstlers im HilbertRaum zu sehen. „Simulacra“ zeigt die Welt im Kleinformat, wie man sie in einem chinesischen Vergnügungspark in Shenzhen vorfindet, Kopien von Eiffelturm, Sphinx und ­Tadsch Mahal, dazwischen selfie-schießende Chinesen; in „The Tourist“ mutieren elegische Naturaufnahmen aus Island zum Landschaftsporno. Eröffnung ist am Freitag, während der Laufzeit finden an drei wei­teren Abenden Videoscreenings und ein Künstlergespräch statt (29. 4.– 8. 5., Reuterstr. 31, Fr. 18–22, Sa. + So. 14–19 Uhr, Eröffnung am 29. 4. ab 18 Uhr, Videoscreening am 30. 4. um 19.30 Uhr).

Sich ausschließlich den schönen Künsten zu widmen, während vor der Haustür ganz andere Fragen nach Antworten verlangen – wie Geflüchtete integriert werden können zum Beispiel oder was man dem Hass entgegensetzen kann – ist eine Diskrepanz, die viele in der Kunstszene gerade umtreibt. Wolfgang Tillmans jedenfalls hat seinen Projektraum ­Between Bridges bis auf Weiteres zur diskursiven Plattform umfunktioniert. Jeden Donnerstag finden dort Abendveranstaltungen statt, in der übrigen Zeit kann man sich im Raum auch so treffen, um zu diskutieren oder sich die Ausstellung von Bachar Al Chahin anzuschauen, der Syrien vor und nach Bürgerkrieg und IS fotografierte. Heute ist Timo Reinfrank, Direktor der Amadeu Antonio Stiftung, zu Gast (Keithstr. 15, Mi.–Sa. 12–18 Uhr, Talk am 28. 5. um 19 Uhr).

Eine künstlerische Auseinandersetzung mit den Themen Flucht, Krieg und Gewalt ist ab Freitag bei Meyer Riegger zu sehen. Miriam Cahn,die im kommenden Jahr bei der Documenta 14 teilnehmen wird, verarbeitet die Fluchtgeschichte ihrer ­Familie sowie aktuelle politische ­Geschehnisse mit feministischem Blick. Ihre gespenstischen Gemälde und Zeichnungen ­visualisieren die Verletzlichkeit des Menschen (Friedrichstr. 235, Di.–Sa. 11–18 Uhr, Sa., 30. 4., und So., 1. 5., 11–19 Uhr, Eröffnung am 29. 4. ab 18 Uhr).

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