Siegfried Kauder: Der kleine Bruder sucht das Leck

Er gilt als penibel und neutral, bleibt selbst in Talkrunden kontrolliert. So jemanden gefällt es nicht, wenn Geheimnisse nach außen dringen. Um die Lecks zu finden, nimmt er Schäden in Kauf.

Tritt aus dem Schatten seine Bruders Volker: Siegfried Kauder Bild: dpa

In seiner Fraktion gilt der Christdemokrat Siegfried Kauder als penibel. Was er anfasst, macht er gründlich. Seine juristischen Staatsexamina legte er mit Prädikat ab. Wohl auch aufgrund dieser Eigenschaften wurde ihm im April 2006 die Leitung des BND-Untersuchungsausschusses übertragen. Den Ausschuss führte er akribisch und meistens neutral, sogar die Opposition war mit seiner Arbeit zufrieden. Selbst in der Talkrunde mit Beckmann und Kurnaz beschränkte er sich auf Juristensprech, wo andere ihr Mitgefühl ausgebreitet hätten.

Einem solch gründlichen Menschen kann es nicht gefallen, dass aus dem von ihm geführten Ausschuss als geheim klassifizierte Informationen in die Presse und durch die Presse an die Öffentlichkeit gelangt sind. Schließlich sei die Arbeit des Ausschusses dadurch "massiv behindert worden".

So hat Siegfried Kauder dieser Tage ein wichtiges Ziel vor Augen. Er will herausfinden, "wo die undichten Stellen sind". Er ist bereit, sich dafür auch unorthodoxer Mittel zu bedienen. Kollateralschäden nimmt er in Kauf. Er hat zu dem nun laufenden Ermittlungsverfahren gegen 17 Journalisten den Anstoß gegeben. Möglicherweise findet sich in irgendeiner Schublade in einer der acht Redaktionen ja ein Hinweis auf die undichte Stellen. Auf der Suche nach dem Leck in seinem Ausschuss hat der Politiker so nebenbei eine erneute Diskussion um die Pressefreiheit in Deutschland ausgelöst.

In seiner Position als Ausschussvorsitzender und durch die nun eingeleiteten Ermittlungsverfahren gelangt Siegfried Kauder zu unverhofftem Ruhm. Stand der 56-Jährige doch lange im Schatten seines großen Bruders, Volker Kauder, des Vorsitzenden der Unionsfraktion im Bundestag. Der ein Jahr jüngere Siegfried begann seine politische Karriere zwar schon 1967 im Alter von 17 Jahren, als er der Jungen Union und ein Jahr später der CDU beitrat, blieb aber bis 2002 Kommunalpolitiker im Schwarzwald-Baar-Kreis und arbeitete in Villingen-Schwenningen als Rechtsanwalt mit dem Schwerpunkt Straf-, Familien- und Arzthaftungsrecht. Der Volljurist, der Politik als eines seiner Hobbys nennt, ist noch immer nebenberuflich in seiner Kanzlei tätig. 2002 zog er in den Bundestag ein. Der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel soll ihn zu einer Kandidatur gedrängt haben.

Das Ermittlungsverfahren gegen die Journalisten möchte Kauder nicht kommentieren. "Das steht mir nicht zu, da eine Beurteilung abzugeben." Die Verantwortung wälzt er auf den Ausschuss ab. Eine Mehrheit habe beschlossen, die undichte Stelle ausfindig zu machen.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben