Parteifreunde: FDP streichelt Mügelns Stadtchef

Sachsens FDP-Generalsekretär besucht den umstrittenen Parteifreund Deuse. Er weist darauf hin, welche "honorigen Größen" in der Rechtspostille "Junge Freiheit" auftreten.

Lob trotz "Junge Freiheit"-Interview: Mügelns Bürgermeister Deuse. Bild: dpa

MÜGELN taz Mügelns Bürgermeister Gotthard Deuse und der sächsische FDP-Generalsekretär Torsten Herbst sitzen im Saal des Rathauses vor dem Amateurgemälde einer heilen Stadtidylle. Genau in diesem Geist ist der Generalsekretär der sächsischen Liberalen zweieinhalb Wochen nach der Attacke auf acht Inder in die Kleinstadt gekommen. Er lobt "die vielen guten Sachen, die hier gemacht werden", und spricht einer Stadt Mut zu, "die es nicht verdient hat, pauschal verurteilt zu werden".

Herbst ist an diesem Mittwoch nach Mügeln gereist, um seinem Parteifreund im Bürgermeisteramt den Rücken zu stärken. Der war insbesondere nach einem Interview in der Rechtspostille Junge Freiheit in die Kritik geraten. Er hatte darin Medien und Politikern eine Vorverurteilung seiner Stadt vorgeworfen, seinen Nationalstolz betont und latente Ressentiments gegen Fremde erneut verharmlost. Bisher hat die sächsische FDP eine klare Positionierung dazu vermieden. Kein Wunder. Landeschef Holger Zastrow hat sich sogar als Autor in der Jungen Freiheit betätigt.

An diesem Mittwoch macht der FDP-Funktionär Herbst mit Deuse eine kleine Stadttour. In der Grundschule erfährt er, dass - wie ausländerfreundlich! - Englisch gelernt wird. Und die Stadtsanierung kommt voran, auch an der mittlerweile eingerüsteten Fassade der indischen Pizzeria, die den Angegriffenen als Fluchtort diente. Ein schwacher Trost angesichts des Umsatzeinbruchs, den Inhaber Singh seit dem Anschlag beklagt.

Neben anderen hat nach Deuses Junge-Freiheit-Interview der Zentralrat der Juden in Deutschland seinen Rücktritt gefordert. Vom NPD-Fraktionschef im Landtag, Holger Apfel, hingegen erhielt der Bürgermeister einen begeisterten Glückwunsch. Auch in Mügeln hatten 2004 wie im Landesdurchschnitt 9,7 Prozent der Wähler die nationalistische Partei gewählt. Herbst sagt nun: "Andere honorige Größen wie der ehemalige BDI-Chef Hans-Olaf Henkel, die Grünen-Politikerin Hiltrud Breyer und Rüdiger Rosenthal vom BUND haben sogar als Autor für die Junge Freiheit geschrieben."

Deuse selbst erklärt zum Lob der NPD, dieses sei ihm nicht bekannt. Auf nachweisbare latent fremdenfeindliche Haltungen in gutbürgerlichen Kreisen, mit denen Mügeln nur stellvertretend für viele Orte in Deutschland steht, lässt sich der Bürgermeister an diesem Mittwoch nicht ansprechen. "Da ist ein Funke gefallen, der ein Feuer entzündet hat", hatte Deuse vor zwei Wochen noch der taz gesagt und vermutet, "dass es Mügeln zufällig getroffen hat". Statt über den Stoff, an dem sich das Feuer entzündet hat, nachzudenken, zieht sich der Bürgermeister wieder auf die Theorie einer üblichen Volksfestschlägerei zurück. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern noch immer an.

Generalsekretär Herbst verteidigt manche Äußerungen Deuses mit der Unerfahrenheit eines "von der Medienlawine überrollten Bürgermeisters". Der pflichtet erleichtert bei: "Ich bin eigentlich ein herzerfrischender Mensch und vielleicht etwas zu ehrlich." Mit besserem Stadtmarketing soll nun das Bild Mügelns wieder aufpoliert werden.

Nichts zu polieren gibt es nach Beteuerungen von Torsten Herbst am Verhältnis der Sachsen zur Bundesspitze der FDP. Der Generalsekretär Dirk Niebel hat sich vorsichtig distanziert. Herbst sagt, es gebe "keine Differenzen". MICHAEL BARTSCH

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