Kommentar Rauchverbot

Raucher sind eine Marktmacht

Mit dem Recht auf körperliche Unversehrtheit allein lässt sich die Härte der neuen Rauchgesetze nicht begründen: Es geht um Umerziehung. Doch die Raucher sind noch nicht verloren.

Jeder Mensch hat ein Recht auf seine körperliche Unversehrtheit: Mit dieser schlichten Wahrheit wird das Verbot des Rauchens in geschlossenen Räumen begründet. Zum 1. Januar 2008 beginnen für den Raucher deshalb schwierige Zeiten: Bei Befriedigung seiner Sucht darf er nichtrauchende Zeitgenossen durch austretende Schadstoffe nicht mehr schädigen. So weit, so einleuchtend.

Wenn es denn so einfach wäre. Dann gäbe es in Deutschland keine Debatte ums Nichtrauchen. Doch in Wahrheit geht es bei einigen der Gesetze und Regelungen überhaupt nicht um den Schutz des Nichrauchers. Triebe der Nichtraucherschutz alleine die Parlamentarier an, müsste Bayern das Rauchen in abgeschlossenen Nebenräumen nicht verbieten. Ginge es nur um den Schutz vor Giftstoffen, müsste die Deutsche Bahn nicht das Rauchen im abgeschlossenen Raucherabteil des ICE untersagen und Reedereien das Rauchen auf Deck ihrer Schiffe in der Nordsee. An all diesen Orten gibt es nämlich keinen Nichtraucher, der geschädigt werden könnte.

Bei dieser Art von Raucherschutz handelt es sich tatsächlich um versuchte Erziehungsmaßnahmen von Rauchern. Sie sollen von ihrer vergnüglichen Sucht befreit werden. Unglücklicherweise aber weigert sich ein Großteil von ihnen, den rechten Lebensweg der Gesundheitspolitiker einzuschlagen, sondern qualmt einfach weiter.

Zunächst könnte es so aussehen, als hätten die Raucher gegen das obrigkeitsstaatliche Erziehungsprogramm keine Chance. Ihre Lobby arbeitet im Keuchhusten-Stil nikotingelber Hinterzimmer aus den 1960er-Jahren. Dennoch wäre es vorschnell, die renitenten Raucher als besiegt zu betrachten. Denn als Verbraucher werden Raucher selbstverständlich ernst genommen. Der Kampf gegen rigide Verbote wird deshalb nicht von ihnen, sondern von Wirten ausgefochten, die um die Anwesenheit ihrer Gäste bangen. Ob Rauchen gesundheitsgefährdend ist, spielt dabei höchstens eine Nebenrolle. Genauso die angebliche Freiheit der Raucher. Es geht um Geld. Gegen Raucherproteste mögen Gesundheitspolitiker obsiegen. Ob sie gegen die monetäre Macht der Verbraucher eine Chance haben, ist zu bezweifeln.

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Jahrgang 1957, ist Leiter von taz.eins, dem Ressort, das die Seite eins und die Schwerpunktseiten plant und produziert. Er ist seit den 1980er Jahren bei der taz und war u.a. Chef vom Dienst und Ressortleiter im Inland. Seine Themenschwerpunkte sind Zeitgeschichte und der Nahe Osten. Hillenbrand ist Autor mehrerer Bücher zur NS-Geschichte. Zuletzt erschien von ihm herausgegeben: "Das Amulett und das Mädchen", Hentrich & Hentrich 2019

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