Kommentar Pakistan-Wahl

Demokratie ist die beste Rache

Die Pakistaner haben Militärmachthaber Musharraf bei der Wahl abgestraft - und gezeigt, wie sehr die Berichterstattung westlicher Medien an der Realität vorbeiging.

Die Menschen in Pakistan haben ein so klares Votum für Frieden und Demokratie in ihrem Land abgegeben, wie es bis vor ein paar Tagen selbst die optimistischsten Beobachter nicht für möglich gehalten hätten. Die beiden großen Oppositionsparteien fuhren aller Manipulationen und Ungereimtheiten zum Trotz einen gigantischen Sieg ein. Musharrafs Unterstützerpartei PML-Q hingegen steht vor dem Aus. "Demokratie ist die beste Rache", hieß es in einem Wahlwerbespot der Pakistanischen Volkspartei (PPP) der ermordeten Benazir Bhutto. Die Pakistaner haben Musharraf maximal deutlich abgestraft.

Pakistans WählerInnen haben mit ihren Stimmen aber auch bewiesen, dass sie mit den Ideen eines radikalen Islamismus nichts anfangen können, und damit auch gezeigt, wie sehr die bisweilen hysterische Pakistan-Berichterstattung vieler westlicher Medien in den vergangenen Monaten an der Realität vorbeigegangen ist. Die Islamisten sind auch in Pakistan nur eine kleine Randerscheinung, die wegen ihrer grausamen Attentate im Land mehr als verhasst ist.

Trotz aller Siegesfeiern steht Pakistans siegreichen Oppositionsparteien die schwierige Phase der Selbstfindung noch bevor. Muslimliga-Chef Nawaz Sharif (PML-N) forderte am Dienstag die Wiedereinsetzung jener Richter, deren Musharraf sich im November entledigt hatte. Sollte das geschehen, wäre Musharrafs politisches Ende besiegelt. Der Quasi-Anführer der Volkspartei (PPP), Bhuttos Witwer Asif Ali Zardari, deutete bislang an, er wolle eine Appeasement-Politik gegenüber Musharraf einschlagen.

Doch daran darf es jetzt keinesfalls scheitern. Alle pakistanischen Parteien sollten das Votum ihrer Wähler ernst nehmen, und die haben sich unmissverständlich gegen Musharraf und für einen Wechsel hin zu einer Demokratie ausgesprochen. Zu lange schon verharrt das Land in politischer Lethargie. Pakistans erstarkte Zivilgesellschaft kann die immensen sozialen und wirtschaftlichen Probleme des Landes nur lösen, wenn sie sich der überkommenen Strukturen der Militärherrschaft entledigt. Der Westen sollte sie gerade jetzt nach Kräften dabei unterstützen.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de