Streik in Frankreich: Hunderttausende fordern Gerechtigkeit
In einem landesweiten Streik protestieren französische Arbeitnehmer gegen das Sozial- und Wirtschaftsprogramm von Präsident Sarkozy. Hunderttausende gehen auf die Straße.
PARIS rtr Mit einem landesweiten Streik haben in Frankreich Hunderttausende Arbeitnehmer gegen die nach ihrer Ansicht zu zaghafte Bekämpfung der Wirtschaftskrise durch die Regierung protestiert.
In vielen Städten waren am Donnerstag Bahnen und Busse vom Ausstand betroffen, Flüge wurden gestrichen. Auch in Schulen, Banken, Krankenhäusern und Gerichten waren Aktionen geplant. Die Streikenden fordern von der Regierung größere Anstrengungen zum Schutz von Arbeitsplätzen sowie höhere Löhne.
In einer seltenen Demonstration der Geschlossenheit hatten alle acht nationalen Gewerkschaften zu den Streiks aufgerufen. Sie und die oppositionellen Sozialisten werfen der Regierung Tatenlosigkeit vor.
Sie fordern trotz eines 26 Milliarden Euro schweren Konjunkturprogramms der Regierung vor allem Maßnahmen zur Stützung des privaten Konsums, der einen großen Teil der Wirtschaftsleistung Frankreichs ausmacht. "Bis jetzt haben wir keine Antwort erhalten und wenn einem das Gespräch verweigert wird, muss man Stärke zeigen", begründete der Chef der Gewerkschaft Force Ouvriere, Jean-Claude Mailly, die Aktionen. Den Unternehmen werfen die Gewerkschaften zugleich vor, die Wirtschaftskrise für Entlassungen zu nutzen.
"Wir wollen nicht für eine Krise zahlen, die die Banken angerichtet haben", erklärte der Chef der Gewerkschaft CFDT, Francois Chérèque. "Wir fordern einen zweiten Konjunkturplan, der diesmal auf die Kaufkraft zielt." Außerdem wollen die Gewerkschaften die Stärkung der 35-Stunden-Woche und Arbeitsplatzgarantien in Unternehmen, die Staatshilfe erhalten. Die Regierung bekräftigte, sie wolle an ihrem Reformkurs festhalten.
Umfragen zufolge unterstützt eine Mehrheit der Wähler die Proteste. In Paris nahm sich wer konnte, einen freien Tag. Am Vormittag fuhren allerdings 75 Prozent der Pariser Metros, deutlich mehr als erwartet. Dafür wurde auf den zentralen S- Bahn-Linien nicht einmal der gesetzlich vorgeschriebene Notdienst gesichert. 70 Prozent der Regionalzüge und 4 von 10 Hochgeschwindigkeitszügen fielen aus. Der Verkehr nach Deutschland lief normal.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert