Kongress des Chaos Computer Clubs

Löten und über Überwachung reden

Durch die NSA-Veröffentlichungen ist das Interesse am Chaos Computer Clubs gerade groß. Beim Sigint-Kongress in Köln geht es dennoch eher familiär zu.

Bevor ihr es sagt, sagen wir es selbst: Nein, das ist gar nicht die Sigint, sondern der 29C3 in Hamburg. Vom Sigint gibt es nur leider kein Bildmaterial. Bild: dpa

KÖLN taz | Der Chaos Computer Club und sein alljährlich im Dezember veranstalteter Kongress ist inzwischen vielen Menschen ein Begriff. An diesem Juliwochenende fliegt Fairy Dust, die Rakete des CCC, allerdings etwas unter dem medialen Radar: Mitten in der Sonne steht sie vor dem Mediapark in Köln. Hier findet gerade die Sigint statt, eine wesentlich kleinere Konferenz des Hackerclubs.

Man fährt nach Köln und denkt, man weiß schon alles – da werden wieder die Leute mit ihren Mateflaschen bis spät in die Nacht an ihren Laptops sitzen. Das stimmt nicht ganz: In Köln findet man auch Mate und Laptops, daneben aber vor allem Besucher, die sich auf den kleinen Grasflecken sonnen oder sich gegenseitig auf dem Gewässer vor dem Mediapark von Booten aus mit Wasser beschießen. Es geht darum, sich auszutauschen und neue Dinge auszuprobieren. Anstatt Vorträge zu besuchen, kann man auch Löten lernen oder mal einen Laser benutzen.

Die Sigint ist ungleich kleiner als der Chaos Communication Congress und hat auch noch nicht so eine lange Tradition – während sich im Dezember mehrere Tausend Hacker in Hamburg einfanden, kamen dieses Jahr in Köln nur mehrere Hundert zusammen. „Klar ist es kleiner“, meint Sascha Ludwig vom CCC, der sich mit um das Telefonnetz kümmert, „aber von den Themen her ist es auch weniger technisch und besser zugänglich für Externe.“

So war die Sigint ursprünglich gedacht – 2009 wollte man eigentlich einen politischen Gegenpol zum sehr technischen Kongress schaffen. Thematisch halten sich Technik und Politik dieses Jahr aber nahezu die Waage. Wie immer ist auch Überwachung ein großes Thema und die entsprechenden Talks erhalten im Licht der NSA-Leaks besonders viel Aufmerksamkeit.

Der NSA auf die Finger gucken

Am Freitag sprach bereits Rainey Reitman von der amerikanischen Electronic Frontier Foundation – die Organisation versucht in den USA bereits seit Jahren, gerichtlich gegen Überwachungsmaßnahmen der NSA und anderer Regierungsorganisationen vorzugehen, etwa haben sie ein Gerichtsverfahren gegen hohe Beamte der NSA eingeleitet. Außerdem versuchen sie seit Jahren über „Freedom of Information“-Anfragen (der amerikanischen Entsprechung des deutschen Informationsfreiheitsgesetzes), die rechtlichen Begründungen der Regierung für ihre Spionageprogramme in Erfahrung zu bringen.

Im Kontrast zur entspannten Atmosphäre der Sigint steht das Presseinteresse, das dieses Jahr besonders groß ist und neben den Enthüllungen um Edward Snowden vor allem dem CCC als Ganzem gilt: „Wir machen eigentlich genau das Gleiche wie vorher, nur mehr“, meinte Fukami, Mitorganisator der Sigint, „Wir schauen uns an, wie Technik und Gesellschaft interagieren und wollen das Verständnis für die Technik fördern. Aber genau darum geht es hier und auf einmal wird der gesamte Club mit Presseanfragen bombardiert.“

Er betont allerdings auch, dass der CCC sich dem Themenkomplex eigentlich von einer anderen Seite her nähert als die momentane Diskussion: „Wir wollen uns eigentlich gar nicht direkt mit den Geheimdiensten anlegen, das möchte niemand. Das haben wir auch gemerkt, als wir Speaker gesucht haben – viele Leute wollen nicht öffentlich über das Thema reden“, so Fukami. „Für uns geht es beim Internet aber vor allem um Zivilgesellschaft und wie wir sie schützen können. Entgegen der allgemeinen Wahrnehmung sind Hacker nicht die Böse, wir wollen eigentlich nur alles sicherer machen.“

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben