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Zahl der Alkoholvergiftungen von Jugendlichen steigt. Drogenbeauftragte will Projekte zur Vorbeugung stärken

BERLIN taz ■ Die Zahl von Jugendlichen mit riskantem Alkoholkonsum ist innerhalb von fünf Jahren von 12.000 auf 18.000 gestiegen. Das ist eines der zentralen Erkenntnisse des Modellprojekts „Halt“. Das Projekt will vorbeugen und Jugendlichen nach exzessivem Alkoholkonsum helfen. Es wird vom Bundesgesundheitsministerium bezahlt.

Bei der Veröffentlichung der wissenschaftlichen Ergebnisse zum Modellprojekt sprach die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), gestern von „alarmierenden Zahlen“. Bätzing plädierte dafür, gegen den Besorgnis erregenden Trend zu maßlosem Alkoholkonsum ein dauerhaftes Präventionsprogramm aufzulegen: „Mein Ziel ist, dass die ‚Halt‘-Idee bundesweit genutzt und langfristig solide finanziert wird.“

Nach Ergebnissen aus dem Projekt war zwischen 2000 und 2004 jeder zweite Jugendliche, der wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus kam, jünger als 16 Jahre. Zudem hatte mehr als die Hälfte bei Einweisung ins Krankenhaus über 2 Promille Alkohol im Blut. Der riskante Alkoholkonsum sei nicht abhängig vom sozialen Status, sagte Bätzing.

Das seit 2003 erprobte Projekt bietet Jugendlichen noch während eines Krankenhausaufenthalts Gespräche, Kurse und Therapien an. Gleichzeitig soll mit Beratungsangeboten frühzeitig für einen verantwortungsvolleren Umgang mit Alkohol geworben werden. Der Bund hat bislang 2,1 Millionen Euro in das Programm investiert. Über die Ergebnisse gab es gestern jedoch widersprüchliche Angaben. Bätzings Aussage, seit Beginn des Projekts seien die Zahlen von Jugendlichen mit Alkoholvergiftung zurückgegangen, konnte der Leiter der wissenschaftlichen Begleitung von „Halt“, Michael Steiner, auf Nachfrage nicht bestätigen. VEIT MEDICK

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